El Houli musste am Dienstag vor einem Gericht in Melbourne erscheinen, wo über ihren Antrag auf Freilassung gegen Kaution verhandelt wurde. Der 34-Jährigen wird vorgeworfen, in ein erklärtes Konfliktgebiet gereist zu sein und sich der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen zu haben. Im Fall einer Verurteilung drohen ihr zehn Jahre Haft.
Unter der Herrschaft des IS gelebt
Nach Angaben eines leitenden Ermittlers reiste El Houli 2014 freiwillig nach Syrien und lebte dort bis zur Niederlage des IS im Jahr 2019 unter der Herrschaft der Terrormiliz. Anschließend wurde sie laut der „Daily Mail“ mit ihrer Familie von syrischen Kräften festgesetzt und sechs Jahre lang im Lager Al-Hol im Nordosten Syriens festgehalten. Im September 2025 soll sie aus dem Lager geschmuggelt und nach Australien zurückgebracht worden sein.
Kleinkind mit IS-Propaganda konfrontiert
Besonders erschütternd sind die Videos, die El Houli selbst von ihren Kindern aufgenommen haben soll. In einem Clip vom Mai 2015 soll sie ihrem Kleinkind auf einem Laptop ein Video gezeigt haben, auf dem mutmaßliche IS-Kämpfer mit Waffen zu sehen waren.
„Was machen sie? Töten sie die Ungläubigen?“, soll die Mutter ihr Kind gefragt haben. „Ja“, antwortete das Kind demnach. Daraufhin soll El Houli gefragt haben: „Wohin schickt Allah die Ungläubigen? Ins Höllenfeuer.“ Das Kind wiederholte laut den vor Gericht geschilderten Vorwürfen: „Ins Höllenfeuer!“
„Wie halten die Mudschaheddin ihre Waffen?“
In einem weiteren Video soll die 34-Jährige ihr Kind dazu ermuntert haben, sich wie ein IS-Kämpfer zu verhalten. „Wie hältst du die Waffe?“, soll sie gefragt haben, während das Kind mit seinen Händen das Schießen mit einem Gewehr nachahmte. „Halte sie richtig“, soll die Mutter daraufhin gefordert haben. Noch verstörender: El Houli wird auch vorgeworfen, ihr Kind gefragt zu haben, wie die Mudschaheddin „die Ungläubigen mit dem Messer abschlachten“.
Videos „zu belastend“, um sie vor Gericht abzuspielen
Die Videos selbst wurden nicht öffentlich im Gerichtssaal abgespielt. Ihr Verteidiger erklärte, seine Mandantin leide unter erheblichen posttraumatischen Belastungen, wenn sie ihre Kinder in diesen Aufnahmen sehe.
Kinder schliefen neben Kalaschnikow
Auch das Umfeld, in dem die Kinder aufwuchsen, sorgt für Entsetzen. Auf mehreren Videos sollen zahlreiche Waffen in jenem Haus zu sehen gewesen sein, in dem El Houli nach der Scheidung von ihrem dritten Ehemann gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Schwager lebte. Ein Video soll sogar Kinder zeigen, die in einem Bett schlafen – während direkt daneben eine AK-47 an der Wand lehnt.
„IS-Braut“ eine „nicht hinnehmbare Gefahr“
Der leitende Ermittler warnte vor Gericht, dass von El Houli eine nicht hinnehmbare Gefahr für die Sicherheit der Allgemeinheit und ihrer eigenen Kinder ausgehen könnte. Es gebe keine ausreichenden Hinweise darauf, dass sie sich inzwischen tatsächlich von der radikalen Ideologie des IS losgesagt habe.
Staatsanwalt: Videos widersprechen ihrer Darstellung
Die Staatsanwaltschaft argumentierte, El Houlis mutmaßliche Begeisterung für den IS und ihre Unterstützung für dessen Herrschaft stünden im Widerspruch zu ihrer späteren Darstellung, sie habe in Syrien lediglich eine Rolle gespielt. Vor allem die Videos, auf denen sie ihren Kindern extremistische Propaganda gezeigt haben soll, belasteten sie schwer. Zusätzlich wurde vor Gericht bekannt, dass El Houli nach ihrer Rückkehr nach Australien im Jahr 2025 die Teilnahme an einem Programm zur Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus abgelehnt haben soll.
Verteidigung: Sie will heute eine gute Mutter sein
Die Verteidigung zeichnete hingegen ein anderes Bild. El Houli habe unter Symptomen von Multipler Sklerose gelitten und gleichzeitig ein äußerst belastendes Leben mit der Betreuung ihrer Kinder bewältigen müssen. Die ihr vorgeworfenen Aktivitäten in Syrien lägen außerdem viele Jahre zurück.
Heute, so ihr Anwalt, konzentriere sich die 34-Jährige darauf, eine gute Mutter zu sein. Ob El Houli gegen Kaution auf freien Fuß kommt, soll noch entschieden werden. Die schweren Vorwürfe bleiben vorerst bestehen: Eine Mutter soll ihre eigenen Kleinkinder mit IS-Propaganda konfrontiert, sie zum Nachahmen bewaffneter Terroristen ermuntert und ihnen gezeigt haben, wie „Ungläubige“ getötet werden.

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