Die Welt wirkt derzeit wie im Dauerkrisenmodus: Krieg in der Ukraine, Eskalation im Nahen Osten und neue Unsicherheiten in der globalen Energieversorgung. „Wir müssen in der Krisenvorbereitung immer vom schlimmsten Fall ausgehen“, sagt Generalmajor Peter Vorhofer, Leiter des nationalen Krisenstabs.

Besonders aufmerksam verfolgt die staatliche Kriseneinheit, in der alle Behörden und Ministerien vertreten sind, die Entwicklungen im Nahen Osten. Vorhofer warnt: Der Krieg könne sich in der Region „durchaus zu einem Flächenbrand ausweiten“, vor allem dann, wenn kritische Infrastruktur wie die Wasser- oder Energieversorgung angegriffen wird. Noch halten sich viele Staaten der Region zurück – auch aus strategischen Gründen. Doch die Lage bleibt fragil, und eine weitere Eskalation könnte globale Auswirkungen haben, weit über die Region hinaus.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Energieversorgung. Die viel diskutierte Blockade der Straße von Hormus hat weltweit große Bedeutung – für Österreich allerdings weniger, als oft angenommen. Das Land bezieht einen Großteil seines Rohöls aus Kasachstan und ist daher „erstaunlich unabhängig“ von dieser Route. Auch bei der Verarbeitung ist Österreich gut aufgestellt: Benzin wird zu 100 Prozent im Land produziert, Kerosin zu rund 95 Prozent, Diesel immerhin zu mehr als der Hälfte. Beim Gas gibt es zwar Abhängigkeiten – etwa 20 Prozent stammen aus betroffenen Regionen –, doch bestehende Reserven sichern die Versorgung zumindest kurzfristig ab. Die größere Gefahr liegt laut Vorhofer in indirekten Effekten: gestörten Lieferketten, steigenden Preisen und globalen Verwerfungen.

Blackout, Trump und die Angst vor der nächsten Eskalation

Geopolitisch verfolgt der Westen dabei auch klare Strategien. Die teilweise Blockade von Ölströmen zielt laut Vorhofer darauf ab, den Iran wirtschaftlich massiv unter Druck zu setzen. Dahinter stehe die Absicht, dem Regime finanzielle Ressourcen zu entziehen. Gleichzeitig profitieren andere Akteure: „Russland verdient derzeit massiv daran“, so Vorhofer. Hohe Energiepreise spülen Milliarden in die Kriegskasse Moskaus – ein Nebeneffekt, der die geopolitische Lage zusätzlich verkompliziert.

Auch die Rolle der USA sorgt für Diskussionen. Die sogenannte „Mad-Man-Taktik“, bei der politische Akteure bewusst unberechenbar auftreten, wird immer wieder thematisiert. Ob Donald Trump diese Strategie verfolgt oder tatsächlich unberechenbar ist, lässt Vorhofer offen. Entscheidend sei weniger die Person als vielmehr die Wirkung: Unsicherheit. Und genau diese bringe etablierte Systeme aus dem Gleichgewicht – insbesondere in Europa, das lange Zeit in stabileren Verhältnissen agieren konnte.

Neben geopolitischen Fragen beschäftigt viele Menschen auch ein ganz konkretes Szenario: ein möglicher Blackout. Hier gibt Vorhofer vorsichtig Entwarnung. Österreich sei zu rund 80 Prozent vorbereitet, ebenso ein Großteil der Bevölkerung. Dennoch bleibe ein Restrisiko – nicht nur durch äußere Konflikte, sondern auch durch technische oder systemische Störungen. Seine Empfehlung: Jeder Haushalt sollte in der Lage sein, zumindest eine Woche autark zu überstehen. Das schaffe nicht nur Sicherheit, sondern auch Handlungsspielraum für den Staat im Ernstfall.

Am Ende bleibt trotz aller Analysen auch eine persönliche Perspektive. Gefragt, welche drei Dinge er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, nennt Vorhofer nicht nur klassische Überlebensutensilien: etwas für den Geist, ein praktisches Werkzeug – und mentale Vorbereitung. Denn Krisen, so wird im Gespräch deutlich, sind nicht nur eine Frage der Ressourcen, sondern vor allem eine Frage der Haltung.

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