Tiefe Bissspuren am Bein

Zu Hause bemerkte die Mutter dann die erste Verletzung ihrer Tochter. „Der Abdruck aller Zähne war deutlich zu sehen“, schildert sie. Obwohl das Mädchen wegen der kalten Temperaturen zwei Hosen getragen habe, seien die Bissspuren tief gewesen. Besonders enttäuscht zeigte sich die Mutter von der Reaktion des Kindergartens. Laut ihrer Aussage hätten die Betreuer erklärt, sie hätten weder etwas gesehen noch gehört. Gleichzeitig sei ihr gesagt worden, dass es sich um eine typische „Phase“ unter Kindern handle.

Mutter wollte Tochter sofort ummelden

Nach dem ersten Vorfall stand für Anna S. fest, dass ihre Tochter den Kindergarten wechseln soll. Doch freie Plätze seien schwer zu finden gewesen. Die Sorge blieb groß. „Ich habe schon geahnt, dass noch etwas passieren wird“, sagt die Mutter heute. Tatsächlich kam es Monate später erneut zu einem Vorfall. Im April wurde das Mädchen laut ihrer Mutter wieder gebissen. Eine Entschuldigung habe es bis heute nicht gegeben. Besonders bitter: Am letzten Tag im Kindergarten soll das Kind erneut verletzt worden sein. „Ausgerechnet in den letzten Stunden dort wurde meine Tochter wieder gebissen“, berichtet die Mutter. Mittlerweile besucht das Mädchen ein neues Kinderhaus in einem anderen Wiener Bezirk. Dort fühle sich die Mutter deutlich besser aufgehoben. Die neue Leitung habe sofort einen professionellen Eindruck gemacht.

Kindergarten weist Vorwürfe teilweise zurück

Der betroffene Kindergarten bestätigt die Vorfälle grundsätzlich, weist Teile der Kritik aber zurück. Man bedauere die Situation und habe bereits nach dem ersten Vorfall „alle notwendigen Maßnahmen“ gesetzt. Laut Kindergarten habe man das beißende Kind nie direkt beobachten können. Erst nachdem die Mutter Stunden später die Verletzungen gemeldet habe, sei ein Verdacht entstanden. Mit dem betroffenen Kind und dessen Eltern seien daraufhin pädagogische Gespräche geführt worden. Zum Vorwurf fehlender Aufsicht erklärt die Einrichtung, die Betreuerinnen seien währenddessen mit Toilettengängen anderer Kinder beschäftigt gewesen, hätten die Gruppe jedoch über ein Fenster im Blick behalten.

„Untersuchen Sie Ihre Kinder“

Die Mutter bleibt dennoch bei ihrer Kritik. Sie berichtet außerdem, dass auch andere Eltern von Verletzungen erzählt hätten. Ihr Appell an andere Familien fällt deutlich aus: „Eltern müssen ihre Kinder jeden Tag genau untersuchen.“