Für die Untersuchung wurden 1.221 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren befragt. Die Interviews fanden sowohl an öffentlichen Orten in Wien als auch online statt. Analysiert wurden Einstellungen zu Demokratie, Gewalt, gesellschaftlichem Zusammenleben und religiösen Themen. Dabei wurden Teilnehmer unterschiedlicher Herkunftsgruppen berücksichtigt, darunter Jugendliche mit österreichischen, serbischen, bosnischen, türkischen, syrischen, afghanischen oder tschetschenischen Wurzeln, berichtet die Kronenzeitung.
Problematische Einstellungen bei Teilen der Befragten
Die Ergebnisse zeigen laut den Forschern, dass antidemokratische und antisemitische Einstellungen bei bestimmten Gruppen deutlich häufiger auftreten als im Durchschnitt. Besonders auffällig seien Zustimmungswerte zu Aussagen über angeblichen jüdischen Einfluss oder feindliche Einstellungen gegenüber Israel. Auch die Bereitschaft, Gewalt im Namen religiöser Überzeugungen zu rechtfertigen, sei bei einem Teil der Befragten vorhanden. Gleichzeitig betont die Studie, dass die Mehrheit der muslimischen Jugendlichen demokratische Grundwerte unterstützt und sich klar gegen Extremismus positioniert.
Social Media als zentraler Einflussfaktor
Als einer der wichtigsten Einflussfaktoren wird die Nutzung sozialer Medien genannt. Laut den Forschern spielt dabei weniger die Religiosität selbst eine Rolle als die Art und Weise, wie religiöse Inhalte konsumiert werden. Jugendliche, die sich überwiegend über soziale Netzwerke religiös orientieren, weisen demnach häufiger radikale oder demokratiekritische Einstellungen auf. Algorithmen könnten dazu beitragen, immer ähnliche Inhalte auszuspielen und dadurch einseitige Weltbilder zu verstärken.
Bildung allein schützt nicht ausreichend
Ein weiterer zentraler Befund betrifft die soziale Situation vieler Jugendlicher. Wer sich isoliert fühlt, wenig Unterstützung im persönlichen Umfeld hat oder keine klaren Zukunftsperspektiven sieht, ist laut Studie anfälliger für extremistische Botschaften. Forscher sehen darin einen besonders wichtigen Ansatzpunkt für Präventionsarbeit. Fehlende soziale Bindungen könnten die Suche nach einfachen Antworten und starken Zugehörigkeitsgefühlen fördern. Bemerkenswert ist laut Studie auch, dass höhere Bildung problematische Einstellungen nicht automatisch verhindert. Selbst unter Studierenden fanden die Forscher Zustimmungswerte zu antisemitischen Klischees. Dies deute darauf hin, dass Bildungsabschlüsse allein nicht ausreichen, um demokratische Werte nachhaltig zu verankern. Entscheidend seien auch soziale Integration, politische Bildung und die Fähigkeit zum kritischen Umgang mit Informationen. Studienleiter Güngör sieht Politik, Schulen, Familien und digitale Plattformen gleichermaßen in der Verantwortung. Er spricht sich für einen stärkeren Demokratie- und Ethikunterricht aus sowie für eine offenere Auseinandersetzung mit Konfliktthemen wie dem Nahostkonflikt. Zudem fordert er strengere Regeln für soziale Netzwerke, um radikalisierende Inhalte einzudämmen. Auch muslimische Gemeinschaften müssten sich aktiv mit problematischen Entwicklungen auseinandersetzen.
Debatte über Integration dürfte weitergehen
Für Aufmerksamkeit sorgt auch ein eher ungewöhnliches Ergebnis der Untersuchung: Rund 30 Prozent der befragten muslimischen Jugendlichen gaben an, dass es ihrer Meinung nach bereits zu viele Muslime in Österreich gebe. Die Forscher sehen darin einen Hinweis darauf, dass Fragen von Identität, Integration und gesellschaftlicher Zugehörigkeit innerhalb der betroffenen Gruppen selbst intensiv diskutiert werden. Die Studie liefert keine einfachen Antworten, zeigt aber Herausforderungen auf, die Politik und Gesellschaft beschäftigen werden. Während Experten vor wachsender Radikalisierung einzelner Gruppen warnen, betonen sie gleichzeitig, dass pauschale Verurteilungen kontraproduktiv wären. Die zentrale Botschaft der Untersuchung lautet daher: Die Probleme sind identifizierbar – und damit auch beeinflussbar. Entscheidend wird sein, ob die gewonnenen Erkenntnisse nun in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.

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