Zu ihnen zählt die 23-jährige Medizinstudentin Patrizia aus Wien, die derzeit ein Praktikum in Berlin absolviert. Gemeinsam mit Freunden ließ sie den Abend im Tiergarten ausklingen – nur wenige Gehminuten vom späteren Tatort entfernt.

„Wir waren etwa fünf Minuten entfernt, als plötzlich auf der Bühne das Wort ,Evakuierung‘ erschien“, erzählt sie. Gleichzeitig wurden die Besucher aufgefordert, den Bereich rund um den Potsdamer Platz und die Siegessäule sofort zu verlassen.

Zunächst wusste niemand, was geschehen war. Doch binnen weniger Minuten rückten zahlreiche Einsatzkräfte an. „Ich habe mindestens sieben Rettungswagen gezählt, über uns kreisten Hubschrauber mit Suchscheinwerfern“, schildert die junge Wienerin in der Kronen Zeitung.

Sekunden später herrschte blanke Angst

Schnell wurde allen klar, dass etwas Schreckliches passiert sein musste.

„Wir sind in Todesangst aus dem Park geflüchtet“, berichtet Patrizia. Erst über ihre Smartphones erfuhren sie von dem Anschlag. Während sich die Nachrichten verbreiteten, leerten sich Straßen und Plätze innerhalb kürzester Zeit. Die zuvor pulsierende Metropole wirkte wie ausgestorben. Am Tag danach ist von der ausgelassenen Partystimmung nichts mehr übrig. Menschen kommen zum Tatort, legen Blumen nieder, entzünden Kerzen und verharren schweigend.

Auch Marlon und Christian gehören zu jenen, die den Anschlag nur knapp überlebt haben.

„Wir wollten uns eigentlich auf eine Bank setzen. Genau diese befand sich später in der Fahrspur des Transporters“, erzählen sie. Nur wenige Minuten später hörten sie einen lauten Knall und verzweifelte Schreie.

Als schwer bewaffnete Polizisten den Tiergarten räumten, wurde ihnen das ganze Ausmaß der Tragödie bewusst.

„Wir hatten den ganzen Tag ein komisches Bauchgefühl, sind aber trotzdem hingegangen“, sagen die beiden rückblickend.

Restaurantbesitzerin fassungslos

Unweit des Anschlagsortes betreibt Bindo Sodhi ein Restaurant. Auch sie wurde Zeugin des Großeinsatzes.

„Ich habe plötzlich unzählige Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge gesehen und mich gefragt, was passiert ist“, erzählt sie.  Als sie später erfuhr, dass ein Fahrzeug in die Menschenmenge gerast war, zeigte sie sich tief erschüttert. „Es tut mir unendlich leid. Den ganzen Tag über habe ich beobachtet, wie fröhlich die Menschen gefeiert haben. Dass dieser Tag so endet, macht mich traurig.“

Auch „Krone“-Reporter Christoph Engelmaier befand sich während des Anschlags in Berlin.

Er beschreibt die Atmosphäre vor der Tat als friedlich und ausgelassen. Bei bestem Sommerwetter feierten rund 700.000 Menschen gemeinsam den Christopher Street Day.

„Wir haben getanzt, gelacht und uns vor allem sicher gefühlt. Der CSD gilt als hervorragend abgesichert“, berichtet er.

Nach dem Anschlag habe sich die Stimmung jedoch schlagartig verändert. „Alles fühlte sich gespenstisch und surreal an. Erst als ich mit der Redaktion telefonierte, wurde mir bewusst, welches unglaubliche Glück ich gehabt hatte.“ Sein Fazit fällt bedrückend aus: „Es hätte jeden treffen können.“