700 Tonnen Windrad-Schrott illegal nach Tschechien und Polen verschoben, Mitarbeiter vergiftet, Beweise vertuscht – so lautet die Anklage gegen Michael Roth, einst gefeierter Pionier der Windkraft-Entsorgung. Wie die Welt berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Weiden nun offiziell Anklage erhoben.

10.000 Windräder vor dem Abriss – und kein Plan

Deutschland hat rund 30.000 Windräder installiert. Ein Drittel davon ist zehn Jahre oder älter und muss sukzessive abgebaut werden. Das kostet laut Greenpeace 160.000 bis 350.000 Euro pro Anlage, andere Schätzungen gehen von bis zu einer halben Million aus. Unter diesem enormen wirtschaftlichen Druck sucht die Branche nach Lösungen – nicht immer auf legalem Weg.

Vom Branchenpionier zum Angeklagten

Roth gründete seine Firma Roth International 2013 – als kaum jemand an das Entsorgungsproblem alter Windanlagen dachte. Er entwickelte laut Fachmedien mit einem Fraunhofer-Institut neue Recyclingverfahren für schwer verwertbare Rotorblätter und errichtete am Firmensitz in Schwandorf eine 5.000 Quadratmeter große Halle. In der Branche galt er als Hoffnungsträger.
Das Geschäft verlief jedoch holprig. Auf einen Rekordumsatz von 19 Millionen Euro im Jahr 2022 folgten sinkende Gewinne. Ab 2022 soll Roth begonnen haben, mindestens 700 Tonnen Windrad-Schrott illegal ins Ausland zu bringen – ein Mitarbeiter mit tschechischer Staatsbürgerschaft soll die Abladeplätze ausgekundschaftet haben.

Bürgermeisterin stellt sich den Lkw in den Weg

Aufgeflogen ist das System durch Bürgermeisterin Barbara Siskowa aus Jirikow (Tschechien), 20 Kilometer südlich von Bautzen. Als erneut deutsche Lkw mit Windrad-Schrott anrollten, stellte sie sich mit ihrem Auto in den Weg. Auf ihre Anzeige hin ermittelten tschechische Behörden – und schalteten ihre deutschen Kollegen ein.

Anklage auch wegen Körperverletzung

Seit August sitzt Roth in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet auf illegale Verbringung gefährlicher und nicht gefährlicher Abfälle sowie auf Verstöße gegen deutsches Abfallrecht und EU-Recht. Neu bekannt: Auch Abfälle nach Polen sollen geliefert worden sein.

Besonders schwer wiegt der Vorwurf der Koerperverletzung durch Unterlassen: Roth soll gewusst haben, dass es in einer Batterieentsorgungs-Anlage zur Kontamination und zu Gesundheitsschäden bei Mitarbeitern kam – und sie trotzdem nicht abgeschaltet haben. Ein ebenfalls angeklagter Mitarbeiter ist auf freiem Fuß. Das Gericht hat über die Zulassung der Anklage noch nicht entschieden.