Die im Jahr 2023 veröffentlichte Untersuchung „Frauenmorde – eine quantitative und qualitative Analyse“ wurde vom Institut für Konfliktforschung im Auftrag des Bundeskanzleramts (Frauensektion), des Innenministeriums und des Justizministeriums erstellt. Sie basiert zum einen auf der Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik der Jahre 2010 bis 2020, zum anderen auf der Analyse von Gerichts- und Staatsanwaltschaftsakten aus den Jahren 2016 bis 2020. Erfasst wurden dabei sowohl Tatverdächtige als auch Opfer, einschließlich Merkmalen wie Geschlecht, Alter und Nationalität sowie der jeweiligen Täter-Opfer-Beziehung.

Ausländische Täter deutlich überrepräsentiert

Die Studie hält fest, dass 90 Täter ausgewertet wurden, davon 72,6 Prozent Österreicher und 25 Prozent ausländische Staatsangehörige; wörtlich heißt es dort zudem, „Ausländer:innen sind mit einem Anteil von 25 Prozent demzufolge unter den Täter:innen deutlich überrepräsentiert“, weil ihr Anteil an der Wohnbevölkerung 2020 bei 16,7 Prozent lag.

Auszug aus der im April 2023 veröffentlichten Studie durch Dr.in Birgitt Haller, Viktoria Eberhardt, BA Bakk.phil MA und Brigitte Temel, BA BSc MA
Auszug aus der im April 2023 veröffentlichten Studie durch Dr.in Birgitt Haller, Viktoria Eberhardt, BA Bakk.phil MA und Brigitte Temel, BA BSc MA

Sind es doch nicht die Ausländer?

Genau dieser Satz ist der Sprengstoff der Debatte. Denn im nun viel diskutierten Ö1-Gespräch „Femizide: Warnsignale und Schutz“, das als Podcast zum Mittagsjournal vom 10. April 2026 veröffentlicht wurde, saß dieselbe Birgitt Haller im Studio – und setzte einen ganz anderen Akzent. Sie sagte dort sinngemäß: „Es sind nicht die Ausländer … die die Femizide begehen. Der Großteil der Femizide wird von in Österreich geborenen, alten Österreichern begangen.“

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Natürlich: Rein formal kann beides gleichzeitig stimmen. Ja, die Mehrheit der Täter in Hallers Stichprobe waren österreichische Staatsbürger. Und ja, zugleich hält ihre eigene Studie ausdrücklich fest, dass ausländische Staatsangehörige gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil überrepräsentiert waren. Aber genau hier beginnt das Problem. Denn wer im Radio nur den ersten Teil betont und den zweiten unterschlägt, betreibt keine vollständige Aufklärung, sondern eine politische Gewichtung.

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Kritik wächst

Genau diese Diskrepanz zwischen Studie und öffentlicher Darstellung sorgt nun auch auf X für deutliche Kritik. Mehrere Nutzer weisen darauf hin, dass im Ö1-Interview ein zentraler Befund der Untersuchung nicht vorkommt. Auch Agenda-Austria-Chef Franz Schellhorn weist darauf hin, dass Hallers Aussagen im Radio nur einen Teil der eigenen Studienergebnisse abbilden.

Während die Mehrheit österreichischer Täter betont wird, bleibt die in der Studie festgehaltene Überrepräsentation ausländischer Staatsangehöriger unerwähnt.