Elon Musk brauchte nur drei Buchstaben, um eine Debatte über Wien international sichtbar zu machen: „Wow“. Der Tech-Milliardär reagierte auf ein Posting des US-Autors Rob Henderson. Dieser hatte einen Ausschnitt aus einer Rezension in der konservativen Claremont Review of Books geteilt. Darin steht ein Satz, der nun auch außerhalb Österreichs für Aufsehen sorgt: Mehr als 40 Prozent der Kinder in Wien seien muslimisch.
Die Zahl: 41,2 Prozent an öffentlichen Pflichtschulen
Laut Factsheet des Österreichischen Integrationsfonds für das Schuljahr 2024/25 hatten 41,2 Prozent der Schüler an öffentlichen Wiener Pflichtschulen ein islamisches Religionsbekenntnis. Damit bilden muslimische Schüler dort die größte religiöse Gruppe.
Zum Vergleich: 34,5 Prozent bekannten sich zu einer christlichen Konfession. Davon waren 17,5 Prozent römisch-katholisch, 14,5 Prozent orthodox und 1,7 Prozent evangelisch. 23 Prozent hatten kein religiöses Bekenntnis.
Zur Einordnung: Es geht um öffentliche Volks-, Mittel-, Sonder- und polytechnische Schulen in Wien. Nicht um alle Kinder Wiens. Nicht um alle Schulformen. Aber auch korrekt formuliert bleibt die Zahl politisch brisant.
In Mittelschulen fast jeder zweite Schüler muslimisch
Noch deutlicher wird der Befund bei einzelnen Schultypen. In Wiener Mittelschulen und polytechnischen Schulen lag der Anteil muslimischer Schüler laut ÖIF bei rund 49 Prozent. In Volksschulen waren es 37,7 Prozent. Der Wandel findet direkt in den Klassenzimmern statt.
Für Wien bedeutet das eine enorme Herausforderung. Für Politik, Schulen, Lehrer, Eltern – und für die Frage, welche Werte im Unterricht vermittelt werden.
Auslöser war eine Rezension über ein umstrittenes Buch
Zum Aufhänger für den internationalen Aufreger wurde eine Buch-Rezension. Ein konservativer Kulturkritiker mit dem Pseudonym Theodore Dalrymplebesprach in der Claremont Review of Books den Roman „Das Heerlager der Heiligen“ des französischen Autors Jean Raspail. Das Buch erschien ursprünglich 1973 und gilt als düstere, höchst umstrittene Vision über Masseneinwanderung nach Europa.
Dalrymple bewertet den Roman literarisch kritisch, sieht darin aber zugleich eine frühe Warnung vor demografischen und kulturellen Umbrüchen in Europa. In diesem Zusammenhang nennt er auch Wien – und verweist auf den hohen Anteil muslimischer Schüler, was wiederum Rob Henderson beeindruckt hat, der diese Zahl samt Rezension umgehend auf X geteilt hat.
Wer ist Rob Henderson?
Rob Henderson ist ein amerikanischer Autor, Psychologe und Senior Fellow am Manhattan Institute. Bekannt wurde er unter anderem durch sein Buch „Troubled“ und den Begriff „Luxury Beliefs“ – also Ansichten wohlhabender Eliten, deren Kosten andere tragen.
Henderson griff den Wien-Satz auf und postete ihn auf X. Dazu schrieb er knapp: „Mehr als 40 Prozent der Kinder in Wien sind Muslime.“ Musk reagierte darauf mit „Wow“.
Warum Wien plötzlich international diskutiert wird
Dass ausgerechnet Wien in dieser Debatte auftaucht, ist kein Zufall. Die Stadt gilt international als historische Kulturmetropole: Habsburg, Musik, Kaffeehäuser, Stephansdom, klassische Bildung. Wenn nun ausgerechnet Wien als Beispiel für tiefgreifenden demografischen Wandel genannt wird, wirkt das im Ausland besonders stark.
Für viele Beobachter steht Wien damit stellvertretend für eine größere europäische Entwicklung: Eine ab 2015 einsetzende Migrationswelle samt Familienzusammenführung, unterschiedliche Geburtenraten, religiöser Wandel, Integrationsdruck – und die Frage, wie lange politische Eliten diese Veränderungen nur verwalten, statt sie offen zu diskutieren.

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