Die neue europäische Social-Media-Plattform „W Social“ soll am Samstag, den 9. Mai, in die Testphase eintreten. Ganz nebenbei wird dieser Tag wird auch als Europatag gefeiert. Die neue Plattform soll sich auch sehr an den Belangen der EU orientieren, sei es punkto Klimawandel, Komplett Kontrolle von Nachrichten durch die EU, oder der Klarnamenpflicht  im Netz.  Die Idee zu der Plattform sei der Professorin Anna Zeiter und den anderen Gründern gekommen, nachdem Donald Trump zum zweiten Mal zum US-Präsidenten gewählt wurde und Vizepräsident J. D. Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 den Zustand der Meinungsfreiheit in Europa kritisiert habe. Das sei für Zeiter der Anlass gewesen, unabhängiger zu werden und die Plattform zu gründen, sagt sie im Interview mit Deutschlandfunk am Montag.

W steht für den Klimawandel Schlachtruf „We don‘t have Time“

Das „W“ in „W Social“ stehe unter anderem für den Hauptanteilseigner, die schwedische Klima-Aktivismus-Plattform „We don’t have time“. Aber das Name steht auch für etwas anderes, nämlich, dass das „W“ sich auch aus zwei „V“ zusammensetze, die für „Values“ (Werte) und „Verified“ (verifiziert) stünden.  Im Interview mit Deutschlandfunk erklärt sie nun den Unterschied zwischen der beliebten Plattform X und der geplanten Plattform W. Nutzer bei der europäischen Plattform müssten sich „als Menschen verifizieren“. Denn auf fast allen anderen Plattformen gebe es unzählige Accounts, die nur von KI betrieben werden, sogenannte Bots. Das will „W Social“ mit allen Mitteln verhindern. Die Verifizierung soll folgendermaßen funktionieren: Menschen müssen ein Foto ihres Personalausweises machen, und dieses Foto muss dann über eine Handykamera live mit ihrem Gesicht abgeglichen werden. Die einen nennen es Sicherheit, dies anderen absolute Kontrolle.

Ohne Anmeldung mit Ausweis geht gar nichts, auch nicht für Unternehmen

Zeiter weiter: „Das kennen wir auch von anderen Servicen, wie wenn wir uns zum Online-Banking anmelden, oder zu anderen Zahlungsapps. Doch das Unternehmen behalte die Daten nicht- nach der Verifikation „werden die Daten sofort gelöscht“.  Ähnliches gilt auch für Unternehmen, die sich auf der Plattform anmelden wollen. Auch dort müsse eine Person dafür ihren Personalausweis verwenden und verantwortlich sein. Andere Daten, die bei der Nutzung der App entstehen, würden nicht in den USA verarbeitet, sondern bei einem finnischen Anbieter namens UpCloud. Auf „W“ soll man sowohl unter seinem echten Namen als auch unter Pseudonym auftreten können. Die Firma hofft, sich gegen etablierte soziale Medien durchsetzen zu können, indem sie auf technische Interoperabilität mit der Plattform „Bluesky“ setzt. Durch das sogenannte AT-Protokoll sei man auch mit drei anderen sozialen Medien vernetzt und verfüge bereits automatisch über 40 Millionen Nutzer weltweit. Etwa ein Viertel davon komme aus Europa, vermutet Zeiter.

Angeblich keine Förderung seitens der EU

Größtes Ziel von W ist, die Demokratie insgesamt zu schützen, die europäische Demokratie. Die Plattform solle den Austausch der europäischen Bürger fördern. „W Social“ ist privat finanziert und bekomme kein Geld von der Europäischen Union. Zwei frühere schwedische Minister, Kristina Persson und Pär Nuder, sind auch Geldgeber. Auch deutsche Investoren seien beteiligt. Für Nutzer soll die Plattform aber definitiv kostenlos sein. Zugleich wolle man „Anreize“ schaffen, damit Nutzer ihre Klarnamen verwenden, wie zum Beispiel mehr Funktionen.