Spanien ist am vergangenen Mittwochabend nur knapp an einem Stromausfall vorbeigeschrammt. Der Übertragungsnetzbetreiber Red Eléctrica de España (REE) musste Großverbraucher aus der Industrie zwangsweise vom Netz nehmen, um einen Kollaps zu verhindern – insgesamt wurden bis zu 1.775 Megawatt an Verbrauch gekappt. Das berichtet „Apollo News”.

Der Grund ist bemerkenswert: Laut REE selbst lieferten die erneuerbaren Energien schlicht zu wenig Strom, wie der Netzbetreiber gegenüber der Nachrichtenagentur Europa Press einräumte. Auch das Fachmedium „El Periódico de la Energía” nennt das nahezu vollständige Fehlen der Erneuerbaren als Hauptursache – dazu kam der Ausfall eines Kernkraftwerks.

Das Muster ist bekannt: Am Abend fällt die Solarstromproduktion komplett weg, Photovoltaikanlagen liefern dann praktisch nichts mehr. Pikant obendrein: Von den rund 26 Gigawatt an installierter Gaskraftwerksleistung standen an diesem Abend nur 13 bis 14 Gigawatt tatsächlich bereit. Die Leistungsreserve im Netz schrumpfte damit auf ein gefährlich niedriges Niveau.

Notmechanismus schon zum zweiten Mal heuer aktiviert

REE blieb nichts anderes übrig, als den sogenannten Active Demand Response Service (SRAD) zu aktivieren – ein Notfallinstrument, mit dem der Netzbetreiber stromintensive Industrieanlagen bei Überlastung oder Erzeugungsmangel vom Netz trennen kann. Es war bereits der zweite Einsatz heuer: Schon im Jänner musste der Mechanismus herhalten, als ein schwerer Sturm zur Abschaltung von Windrädern führte und gleichzeitig die Stromimporte aus Portugal reduziert wurden.

Wie ernst die Lage diesmal war, zeigt ein weiteres Detail: REE ließ laut „El Periódico de la Energía” sogar das rund 200 Megawatt starke Kohlekraftwerk in Asturien wieder hochfahren. Schon vor Sonnenuntergang war absehbar, dass die Erzeugung angesichts der hohen Nachfrage nicht reichen würde. Ausgerechnet die Kohle musste also die Ökostrom-Lücke stopfen.

Nicht der erste Beinahe-Blackout in Europa

In Spanien dürften die Erinnerungen an den 28. April 2025 noch frisch sein – damals legte ein historischer Total-Blackout die gesamte Iberische Halbinsel stundenlang lahm. Und das Problem beschränkt sich längst nicht auf Spanien: Anfang Juni geriet auch das schwedische Netz nach zwei unabhängigen Störungen massiv unter Druck. Nach dem Ausfall von 500 Megawatt Importleistung aus Polen sackte die Netzfrequenz auf 49,80 Hertz ab – nur durch Drosselung der Übertragung zwischen zwei Preiszonen und die Aktivierung von Reserven konnte ein größerer Ausfall verhindert werden, wie „Apollo News” berichtete.