Im Gespräch mit Eva Linsinger von ORF Report stellte sich Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) der Kritik rund um die neue Lohntransparenzrichtlinie. „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, das ist die Grundlage und das ist eine Frage der Gerechtigkeit”, betonte sie.

2,5 Jahre wurde verhandelt – herausgekommen ist ein Regelwerk, das Unternehmer ratlos zurücklässt. Die Erläuterungen allein umfassen 152 Seiten, eine Unternehmerin wisse schlicht nicht, „wann sie das abarbeiten soll.” Schumanns Antwort darauf: „Es ist bürokratischer Aufwand dabei, aber nicht so viel, wie dargestellt wird.” ÖVP und NEOS zeigen sich wenig begeistert – Kollektivverträge wurden zudem nicht angepasst.

„60 Prozent Lohnunterschied können wir uns nicht leisten"

Schumann verteidigte die Richtlinie mit klaren Worten: „Für mich ist wichtig, dass Frauen einen gerechten Lohn bekommen. Weil der gerechte Lohn für sie heißt, mehr Einkommen und dann auch mehr Pensionsleistung. Wir können uns nicht leisten, dass 60 Prozent Lohnunterschied in Österreich besteht.” Und weiter: „Transparenz ist wichtig in Gehaltsfragen. Damit hilft man den Frauen, besseres Einkommen zu bekommen und mehr Fairness.”

Die Richtlinie gebe laut Schumann „die Möglichkeit, Gerechtigkeit in der Einkommensstruktur herbeizuführen” – bei Verstößen drohen Strafzahlungen.

Geringverdiener zahlen drauf – Gesundheitsreform wartet

Besonders pikant: Während Schumann für mehr Gerechtigkeit bei Frauenlöhnen wirbt, sollen gleichzeitig die Beiträge für Geringverdienende angehoben werden. Betroffen wären rund eine Million Menschen – zwei Drittel davon Frauen, viele davon Teilzeitarbeiterinnen mit Betreuungspflichten. „Diese Materie ist noch nicht vollständig ausgehandelt. Fakt ist, wir müssen das Arbeitsmarktbudget stabil halten. Es ist eine Versicherungsleistung”, so Schumann.

Auch die Älterenbeschäftigung bleibt ein offenes Thema: „Unternehmen müssen ihre Chancen wahrnehmen, ältere Menschen zu beschäftigen. Wir brauchen die Fachkräfte.” Die Gesundheitsreform lässt ebenfalls auf sich warten: „Die ersten Schritte präsentieren wir hoffentlich Ende Juni.”