Ein Sicherheitsmann als Teil des Betreuerteams, bruchsichere Fenster und Türen, ein Alarmsystem und ein Personal, das regelmäßig Selbstverteidigung übt: Die nun in Betrieb gegangene „Auszeit-WG” für Intensivtäter unter 14 Jahren in Wien ist mit einem beträchtlichen Sicherheitsapparat ausgestattet. Das zeigt ein Blick in das Konzept der Einrichtung, das der APA vorliegt.

Konkret arbeitet laut einem Sprecher von Vizebürgermeisterin und Stadträtin Bettina Emmerling (NEOS) ein Securitymann mit sozialarbeiterischer Erfahrung im Team der Wohngemeinschaft mit. Das Alarmsystem, „das die Außenwelt im Anlassfall durch laute Signale aufmerksam macht”, sei auf Anraten der Polizei eingebaut worden. In Notfällen könnten die Betreuer die Scheibe des Systems einschlagen.

Zusätzlich seien alle Betreuer „vor Ort auf spezielle Festhaltetechniken, Deeskalationstechniken und Selbstverteidigung geschult”, so der Sprecher. Der zuständige Verein rechnet in seinem Konzept ausdrücklich damit, „dass es vor allem am Beginn des Aufenthalts zu stärkeren Widerständen kommt und Mitarbeit verweigert wird”. Die Selbstverteidigungsschulungen finden in regelmäßigen Abständen statt – wobei stets „auf den Grundsatz des gelindesten Mittels zu achten” sei.

Handy abgegeben, Trampolin und Bogenschießen im Programm

Digitale Medien sind in der WG nicht erlaubt. Der vor rund einer Woche aufgenommene 13-Jährige musste sein Handy zu Beginn abgeben; im Haus steht ihm ein Telefon mit den Nummern seiner Eltern sowie der Kinder- und Jugendanwaltschaft zur Verfügung. Unterrichtet werden die Kinder von Heilstättenlehrern, das Freizeitprogramm reicht von Trampolin, Klettergarten und Bogenschießen über Basteln bis zu tiertherapeutischen Angeboten. Ergänzend stehen Ergo-, Psycho- und Musiktherapie auf dem Plan. Ein Aufenthalt kann bis zu zwölf Wochen dauern und ist für Kinder gedacht, die wiederholt schwere Taten begangen haben.

Kritik an Kosten und Kapazität

Das österreichweite Pilotprojekt kostet fast eine Million Euro pro Jahr – und stand schon vor dem Start massiv in der Kritik. Bemängelt hatten es das Vertretungsnetz, die Volksanwaltschaft, Personalvertreter innerhalb der Stadt Wien sowie die Opposition.
Der Streitpunkt, der die Debatte von Beginn an prägte, ist das Verhältnis von Aufwand und Wirkung: Wie der exxpress bereits berichtete, stehen den nur 16 Plätzen pro Jahr in Wien rund 81 identifizierte jugendliche Intensivtäter gegenüber. Der Sicherheits- und Betreuungsaufwand samt Millionenbudget trifft damit auf eine Einrichtung, die am Ende nur einen Bruchteil der auffälligen Kinder erreichen kann. Hinzu kommt: Das Projekt war mehrfach verschoben worden, bevor es nun tatsächlich anlief.
Ob die „Auszeit-WG” mit diesem Zuschnitt mehr sein kann als ein teures Signal, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.