Innsbrucks Diözesanbischof Hermann Glettler kritisierte zudem mangelnden Dialog und Transparenz. Beides hätte er sich im Vorfeld der Entscheidung von der Politik in größerem Ausmaß gewünscht, meinte Glettler laut Kathpress und “Tiroler Tageszeitung” in einer Stellungnahme. Er finde es “problematisch”, öffentliche Gesundheitseinrichtungen für Abtreibungen zur Verfügung zu stellen, machte der Diözesanbischof erneut seinen Standpunkt klar. Glettler betonte, dass Frauen in einem Schwangerschaftskonflikt die volle Unterstützung verdienten: “Dennoch darf das Recht auf Selbstbestimmung nicht gegen das grundlegende Recht auf Leben ausgespielt werden. Im Zentrum allen Handelns steht der Mensch mit einer unverfügbaren Würde und einem Recht auf Leben.” Entsprechend sollte eine “echte Hilfe” für betroffene Frauen auch über die aktuelle Entscheidung hinausreichen. Um diese Hilfe leisten zu können, brauche es wiederum transparente Daten über die Gründe von Schwangerschaftsabbrüchen sowie eine verpflichtende Information im Vorfeld einer geplanten Abtreibung über rechtliche, finanzielle und psychosoziale Hilfen.

"Verrat an den Wählern"

Noch schärfer fiel die Reaktion der Organisation “Jugend für das Leben” aus. Man verurteile das Vorgehen “aufs Schärfste” – es sei ein weiterer Schritt in die falsche Richtung, hieß es in einer Aussendung, in der davon die Rede war, dass nunmehr Babys in Tirol vor ihrem Entbindungstermin durch Klinikärzte “getötet” werden können. “Es ist eine Abwärtsspirale. Diese seit Jahren andauernde Kompromisspolitik führt am Ende zu einer gänzlichen Liberalisierung von Abtreibung”, wurde Vorsitzender Frederik Koller zitiert. Zudem liege ein “Verrat an den Wählern” vor, da letztlich jeder Tiroler Steuerzahler somit “an Abtreibungen mitwirken muss und die Regierung eine Straftat mitfinanziert”. “Jugend für das Leben” appellierte an Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP), die Pläne zu revidieren.