Die Wiener Denkfabrik Agenda Austria übt scharfe Kritik an einem Bauprojekt der Arbeiterkammer Kärnten. „Schon nicht zur Wahl zu stellen, ob man Mitglied sein will oder nicht und sich dann aus den Pflichtbeiträgen noch internen Luxus zu finanzieren, ist nichts als dreist“, kommentiert Agenda-Ökonomin Carmen Treml. Ihr Vorwurf: Pflichtbeiträge würden für interne Vorteile verwendet – nicht für die breite Mitgliedschaft.
Appartementhaus nur für Mitarbeiter
Konkret geht es um ein Projekt auf der Gerlitzen in Kärnten. Die Arbeiterkammer investierte laut eigenen Angaben rund 1,3 Millionen Euro.
Das Vorhaben umfasst: Sanierung der bestehenden Kammerhütte, Neubau eines Appartementhauses, Modernisierung der Infrastruktur.
Brisant: Die neu errichteten Appartements stehen laut AK ausschließlich Mitarbeitern und deren Familien zur Verfügung – und das zu vergünstigten Konditionen.

Bereits im März 2024 berichtete die Kleine Zeitung über das Projekt auf der Gerlitzen und bestätigte sowohl die Investitionssumme als auch die Nutzung der Appartements durch AK-Mitarbeiter.
Bezahlt von allen, genutzt von wenigen?
Die Finanzierung erfolgt über Mittel der Arbeiterkammer – und damit aus Beiträgen, die Arbeitnehmer verpflichtend leisten müssen.
Kurz: Während hunderttausende Beschäftigte einzahlen, profitieren von dem neuen Angebot nur die eigenen Mitarbeiter der Kammer. Das stößt vielen sauer auf.

Beschluss und Umsetzung bestätigt
Die AK Kärnten selbst bestätigt das Projekt in ihrem Jahresbericht. Darin heißt es:
Das alte Gebäude musste aus Sicherheitsgründen abgerissen werden.
Der Neubau wurde barrierefrei und energieeffizient gestaltet.
Das Projekt wurde vom Kontrollausschuss begleitet.
Fertigstellung: Juli 2024
Zusätzlich entstanden eine Unterkunft für den Hüttenpächter sowie ein Seminarraum.
Offene Fragen zur Mittelverwendung
Unklar bleibt die genaue Aufteilung der Kosten. Agenda Austria spricht von rund 900.000 Euro für das Appartementhaus – öffentlich bestätigt ist vor allem die Gesamtsumme von 1,3 Millionen Euro.
Die grundsätzliche Frage bleibt: Ist das die richtige Verwendung von Pflichtbeiträgen?
Wut im Netz: „Selbstbedienungsladen“ und „dreist“
Auf der Plattform X (Twitter) sorgt der Beitrag von Agenda Austria für teils heftige Reaktionen. Viele Nutzer kritisieren vor allem die Finanzierung über Pflichtbeiträge. Eine Userin schreibt: „Diese Zwangsbeiträge müssen enden, egal ob Kammern oder ORF. Damit wird nach Gutsherren-Art verfahren.“
Ein anderer fordert mehr Transparenz: „Es muss auch Kosten-Klarheit auf den monatlichen Lohnabrechnungszetteln eingeführt werden.“
„Zu hohe Beiträge“ und „falsche Aufgaben“
Auch grundsätzliche Kritik an der Rolle der Arbeiterkammer wird laut: „Wenn die Rücklagen bereits so hoch sind, dass die AK Immobilien kaufen muss, dann sind die Beiträge schlichtweg zu hoch.“
Mehrere Nutzer stellen infrage, ob Immobilienprojekte überhaupt zum Auftrag der Kammer gehören.
Scharfe Vorwürfe und Systemkritik
Andere Kommentare fallen deutlich schärfer aus. So ist von „Selbstbedienungsladen“ und „Luxus für die Bonzen“ die Rede.
Ein Nutzer schreibt: „Da zahlen hart arbeitende Menschen jeden Monat brav ihre Zwangsbeiträge, damit sich die AK ein 1,3-Millionen-Euro-Appartementhaus baut!“
In einem weiteren Beitrag heißt es schlicht: „Pflichtbeiträge für internen Luxus? Das macht mich wütend.“
Schluss mit der Zwangsmitgliedschaft!
Neben Empörung zieht sich ein roter Faden durch viele Reaktionen: die Forderung nach einem Ende der Zwangsmitgliedschaft.
Zahlreiche Nutzer wollen es schlicht nicht mehr hinnehmen, dass mit den unfreiwilligen Pflichtbeiträgen dann auch noch „nach Gutsherren-Art verfahren“ wird. „Egal ob Zusatzpensionen, Appartements usw. das muss abgestellt werden!“, erklärt eine X-Userin.

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