Erstmals hat sich Ruck nun selbst zu Wort gemeldet. In einem Schreiben an den Bundesparteivorstand spricht er von einer Kampagne gegen seine Person und die Selbstverwaltung. Die veröffentlichten Aussagen aus mutmaßlichen Gesprächsprotokollen könne er nicht bestätigen, ihre Echtheit sei nicht geklärt. Rechtlich relevante Vorwürfe gebe es keine, argumentiert Ruck.
Will der Kanzler Ruck loswerden?
In der ÖVP scheint die Entscheidung gefühlt längst gefallen. Bundeskanzler und Parteichef Christian Stocker hatte bereits klargestellt, dass die kolportierten Aussagen nicht mit dem Frauenbild und Politikverständnis der Volkspartei vereinbar seien. Noch vor der Sitzung des Parteivorstands befasst sich auch der ÖVP-Ethikrat mit der Causa – alles deutet auf einen Parteiausschluss hin.
Ausgelöst wurde die Affäre durch veröffentlichte Gesprächsprotokolle. Darin soll Ruck unter anderem mit Aussagen über Frauen, Postenbesetzungen und seinen politischen Einfluss geprahlt haben. Ob die Protokolle, die Krone und Profil zuerst aufarbeiteten, authentisch sind, ist allerdings weiterhin ungeklärt.
Ludwig immer stärker unter Druck
Ein Parteiausschluss würde Ruck allerdings nicht automatisch seine mächtigen Funktionen kosten. Als Präsident der Wiener Wirtschaftskammer und Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes könnte er vorerst im Amt bleiben. Genau das bringt nun auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zunehmend in Bedrängnis. Weil der rote Stadtchef seinem langjährigen Weggefährten bisher die Treue hält, wächst die Kritik parteiintern und in der Opposition. Der
Ruck Affaere Bringt Spoe Unter Druck Warum Ludwig Zu Seinem Vertrauten Haelt
berichtete.
Die Wiener Grünen fordern Ludwig auf, sich klar von Ruck zu distanzieren und dessen Rücktritt zu verlangen. Die Neos sprechen von einem massiven Vertrauensverlust und sehen das Ansehen der Wirtschaftskammer schwer beschädigt. Die FPÖ wiederum nutzt die Affäre, um erneut die Pflichtmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer infrage zu stellen.
Ruck will bleiben
Trotz des drohenden Parteiausschlusses zeigt sich Ruck unbeeindruckt. Er kündigte an, auch künftig „mit vollem Herzblut“ als Präsident der Wiener Wirtschaftskammer und Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes weiterarbeiten zu wollen.
Damit dürfte die Affäre auch nach der heutigen Entscheidung längst nicht beendet sein. Selbst wenn die ÖVP ihren langjährigen Spitzenfunktionär ausschließt, könnte Walter Ruck vorerst auf seinen einflussreichen Posten sitzen bleiben – was parallel weiter steigenden politischen Druck auf Bürgermeister bedeutet.

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