Die Regierung setzt künftig stärker auf Anreize statt Zwang: Wer über das Pensionsalter hinaus arbeitet oder den Ruhestand aufschiebt, soll deutlich mehr Geld im Börsel haben. Kernstück des Pakets ist ein steuerlicher Freibetrag von 15.000 Euro jährlich sowie der komplette Entfall der Arbeitnehmerbeiträge zur Pensionsversicherung in Höhe von 10,25 Prozent. Betroffen sind sowohl unselbstständig Beschäftigte als auch Selbstständige.
Laut Regierung bringt das spürbare Entlastungen: Wer etwa 2.000 Euro Pension bezieht und ebenso viel dazuverdient, kann mit rund 7.000 Euro mehr pro Jahr rechnen. Bei höheren Einkommen seien sogar bis zu 9.000 Euro möglich. Sozialministerin Korinna Schumann betonte, es gehe nicht um Zwang, sondern um Anreize: „Wer weiterarbeiten will, soll am Monatsende deutlich mehr Geld zur Verfügung haben.“

Warum genau dieses Modell
Die Regierung entschied sich bewusst für einen Freibetrag statt anderer Modelle. Dieser wirke „von unten weg“, argumentierte ÖVP-Klubobmann August Wöginger – und komme damit auch jenen zugute, die geringere Zuverdienste haben, etwa im Handel oder in der Gastronomie. Gleichzeitig wird ein bisheriges System abgeschafft: Die sogenannte Höherversicherung, bei der zusätzliche Beiträge nur zu geringen Pensionssteigerungen führten. Künftig soll das Geld direkt und sofort spürbar bei den Beschäftigten ankommen.
Regierung hofft auf 30.000 zusätzliche Arbeitskräfte
Der Effekt soll deutlich sein: Die Regierung rechnet damit, dass rund 30.000 Menschen zusätzlich im Erwerbsleben bleiben oder länger arbeiten. Der Hintergrund ist klar: Österreich steht vor massiven demografischen Herausforderungen – gleichzeitig suchen viele Branchen händeringend Arbeitskräfte. Auch NEOS-Klubchef Yannick Shetty sieht in der Reform einen wichtigen Schritt, machte aber zugleich Druck: Eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters sei „keine Frage des Ob, sondern des Wann“.
Weniger gut läuft hingegen ein anderes Modell: die Teilpension. Diese wird laut Regierung bisher nur zögerlich angenommen. Schumann räumte ein, dass hier noch deutlich mehr Informationsarbeit nötig sei, um das System bekannter zu machen.

Sanfter Druck auf Unternehmen
Neben finanziellen Anreizen für Arbeitnehmer setzt die Regierung auch bei Betrieben an. Unternehmen mit vergleichsweise wenigen älteren Beschäftigten sollen künftig gezielt informiert und auf Fördermöglichkeiten hingewiesen werden. Ziel ist es, ältere Arbeitnehmer länger im Job zu halten – und so den Arbeitsmarkt insgesamt zu stabilisieren.

Kommentare
Lädt Kommentare...