Aus Sicht der AUA haben sich die Standortbedingungen in Österreich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert. Im Gespräch mit dem Branchenportal airliners.de bezeichnete Vorstandschefin Annette Mann Wien als den „zweitteuersten Luftfahrtstandort Europas“.
Als Hauptgründe nennt die Airline hohe Steuer- und Abgabenlasten, steigende Lohnkosten sowie strukturelle Nachteile des österreichischen Marktes. Hinzu komme ein vergleichsweise kleines Einzugsgebiet und ein geringerer Anteil an Geschäftsreisenden als an anderen großen europäischen Drehkreuzen.
Nach Angaben des Unternehmens liegen die Standortkosten mittlerweile etwa doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt.
Ticketsteuer bleibt ein zentraler Streitpunkt
Ein wiederkehrendes Thema in der Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ist die österreichische Ticketsteuer. Diese beträgt je nach Strecke 12 beziehungsweise 35 Euro pro Passagier und verteuert Flugreisen zusätzlich.
Aus Sicht der Fluggesellschaften stellt die Abgabe einen Wettbewerbsnachteil dar, da sie die Kosten für Reisende erhöht und die Nachfrage auf bestimmten Strecken beeinträchtigen kann. Hinzu kommen die Kerosinpreise, die bedingt durch den Iran-Krieg zuletzt angestiegen sind.
Die AUA argumentiert, dass bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen neue Investitionen und zusätzliches Wachstum ermöglichen würden. Solange sich an der Kostenstruktur jedoch nichts ändere, bleibe die Situation angespannt.
Kurzstrecken könnten auf der Streichliste landen
Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht verbessern, sieht die Fluggesellschaft ihre Wachstumspläne zunehmend gefährdet. Statt neuer Verbindungen und zusätzlicher Kapazitäten könnten künftig Einsparungen in den Vordergrund rücken.
Annette Mann formulierte die Sorge ungewöhnlich deutlich: „Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, werden wir vielleicht wirklich irgendwann in Schönheit sterben.“
Besonders gefährdet wären nach Angaben der Airline kurze Flugverbindungen innerhalb Österreichs sowie andere europäische Kurzstrecken. Derzeit bedient die AUA im Inland vor allem die Strecken von Wien nach Graz, Innsbruck und Klagenfurt.
Verbindungen nach Salzburg wurden in den vergangenen Jahren bereits weitgehend durch Railjet- und AIRail-Angebote ersetzt.
100 Millionen Verlust – Quartalszahlen zeigen die schwierige Lage
Wie stark die Belastungen inzwischen auf die Finanzen durchschlagen, wird mit Blick auf die Quartalszahlen deutlich. Trotz einer höheren Auslastung verzeichnete die Lufthansa-Tochter im ersten Quartal 2026 einen Verlust von über 100 Millionen Euro.
Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis (Adjusted EBIT) lag bei minus 112 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus 111 Millionen Euro betragen. Gleichzeitig stiegen die Gesamterlöse um vier Prozent auf 495 Millionen Euro.

Kommentare
Lädt Kommentare...