Großbritannien stoppt seine umstrittene digitale Identität. Nach dem Rücktritt von Premierminister Keir Starmer am 20. Juli und dem Amtsantritt seines Labour-Nachfolgers Andy Burnham wurde das Projekt der Vorgängerregierung gestrichen – als eine der ersten Amtshandlungen.
Starmer hatte im September 2025 die sogenannte „BritCard” vorgestellt: eine digitale Identität, die jeder Einwohner besitzen sollte – zunächst verpflichtend, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Verkauft wurde das System als Mittel gegen illegale Beschäftigung und Migration.
Der Weg zum Aus verlief in zwei Etappen. Zuerst kam der Protest: Eine Parlamentspetition sammelte fast drei Millionen Unterschriften – eine der größten der britischen Geschichte. Dieser Druck zwang die Regierung bereits im Jänner, den verpflichtenden Charakter fallenzulassen und auf eine freiwillige Lösung umzuschwenken. Beendet wurde das Projekt aber erst durch den Regierungswechsel: Burnhams Büro begründete den endgültigen Stopp gegenüber dem „Guardian” ausdrücklich damit, Zeit und Ressourcen auf andere Prioritäten – namentlich die Lebenshaltungskosten – zu verlagern.
Gegen Illegale Einwanderung Grossbritannien Fuehrt Pflicht Zum Digital Ausweis Ein
Streit um 1,8 Milliarden Pfund
Das Vorhaben war teuer: Das britische Office for Budget Responsibility bezifferte die Kosten auf rund 1,8 Milliarden Pfund über drei Jahre. Downing Street wies diese Zahl allerdings zurück, ohne eine eigene zu nennen – das Geld sei ohnehin nie fix budgetiert gewesen. Die Einsparungen sollen nun in eine Senkung der Stromkosten für Haushalte fließen.
Vom Tisch ist dennoch nicht alles: Die verpflichtenden digitalen „Right to Work”-Prüfungen bleiben bestehen, und das breitere Digitalisierungsprogramm der Regierung läuft weiter. Bürgerrechtler reagieren deshalb zwiespältig. Jack Coulson von Big Brother Watch begrüßte die Entscheidung – die Öffentlichkeit habe klargemacht, dass sie keinen ID-Zwang wolle –, warnte aber, die Gefahr einer „Papiere, bitte”-Gesellschaft sei nicht gebannt.
Und die EU?
Während London zurückrudert, geht Brüssel den umgekehrten Weg – und das betrifft Österreich unmittelbar. Die EU-Verordnung eIDAS 2.0 verpflichtet alle 27 Mitgliedstaaten, ihren Bürgern bis Ende 2026 eine digitale Brieftasche, die „EUDI-Wallet”, bereitzustellen. Anders als beim ursprünglichen britischen Modell ist die Nutzung für den Bürger freiwillig – verpflichtend ist nur die Bereitstellung durch die Staaten. Kritiker verweisen aber auf die Akzeptanzpflicht: Unternehmen in regulierten Bereichen wie Banken, Energie oder Gesundheit müssen die Wallet auf Verlangen akzeptieren. Der eXXpress hat auf diese Debatte bereits mehrfach hingewiesen.
Der Unterschied zu Großbritannien ist auch ein rechtlicher: London ist seit dem Brexit nicht mehr an EU-Recht gebunden und konnte sein Projekt frei beerdigen. Österreich hingegen ist zur Bereitstellung verpflichtet – und mit der ID-Austria bereits mittendrin.

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