Kommentar von Melanie Grün

Annalena Baerbock stolpert von einem holprigen Auftritt zum nächsten. Auch ihr jüngster Talkshow-Auftritt ist alles andere als eine Glanzleistung: Unsicheres Auftreten, holprige Formulierungen und sichtbare Anspannung prägen das Bild.

Dabei ist die Skepsis längst tief verankert: Bereits im Mai 2024 bewerteten laut Umfrage 54 Prozent der Deutschen ihre Arbeit als „sehr negativ“.

Staatsfrau oder Streberin?

Zusammen mit ihren beiden Töchtern, damals 9 und 13 Jahre alt, ist sie nach der Trennung von ihrem Ehemann Daniel Holefleisch in den Big Apple gezogen. Anstatt Baerbock für ihre holprige und in Teilen schädliche Außenpolitik abzuwatschen, hat man sie weggelobt und als Vorsitzende der 80. UN-Vollversammlung ins Spiel gebracht. Die große Frage lautet: Wie konnte das alles passieren?

Jetzt dürfen ihre 724.000 Instagram-Follower dabei zusehen, wie sie, perfekt gestylt, ein Jet-Set-Leben zwischen Staatsfrau und Carrie Bradshaw zelebriert. Glaubwürdig ist das nicht. Im Gegenteil: Gegen Annalena Baerbock wirkt jeder Realitystar authentisch. Irgendwie inszeniert sie mit viel Wirbel: gar nichts. Nicht nur weiß kein Mensch, woraus der Job eigentlich besteht, für den sie jetzt nach Besoldungsgruppe B9 13.000 brutto im Monat bekommt – vom deutschen Steuerzahler finanziert. Es interessiert hierzulande auch die Wenigsten. Also die wenigsten Bürger.

Ein Schauspiel zum Fremdschämen, die deutschen Medien lieben es

Denn die deutschen Medien nämlich überschlagen sich immer noch, sobald Annalena aus einem Flieger steigt, in Unterlagen blättert, atmet. Am Montagabend war sie in der „Daily Show“ des linksliberalen Talkers Jon Stewart zu Gast, ein Schauspiel zum Fremdschämen. Noch immer mit Gymnasial-Englisch stolpert sich Baerbock durch das rund 19-minütige Gespräch, nicht mal ihr Lachen wirkt charmant.

„Nennt man Sie Frau Präsidentin? Eure Exzellenz? Botschafterin? Was bevorzugen Sie?“, fragt der Host eingangs. Daraufhin belehrt ihn Annalena über die korrekte Aussprache ihres gar nicht so komplizierten Namens. Und so geht’s unmunter weiter. Baerbock beherrscht den Talkshowauftritt genauso wenig wie ihre Außenministerauftritte, dabei gibt’s dafür klare Regeln: mit einer spektakulären Story starten, 2 bis 3 Pointen im Gepäck haben, ein bisschen Tiefe durchschimmern lassen und Werbung für das eigene Produkt so smart wie möglich verpacken. Das beherrscht jeder B-Schauspieler in der NDR-Talkshow. Baerbock aber, wohl verkennend, dass in Amerika nicht jeder ihre Tätigkeit spannend findet, plappert weiter: Sie sei ins kalte Wasser geschmissen worden und müsse jetzt schwimmen. Sie müsse 193 Nationen an einen Tisch bringen, davon eine, huiuiui, im Besitz der Atombombe, und die andere mit einem Konflikt.

Er, Jon Stewart, möge sich doch bitte vorstellen, das sei, wie an Thanksgiving die Familie zusammenzutrommeln, den verschrobenen Onkel und die Hippie-Mutter. Dann driftet Baerbock an die Straße von Hormus ab, und ein altbekanntes Gefühl stellt sich ein: Man kauft ihr Weltpolitik nicht ab.

Baerbock, die ansonsten aus dem Grinsen über ihr New Yorker Traumleben nicht rauszukommen scheint, holt jetzt den besorgten Gesichtsausdruck raus: „Wenn Du einen easy Job haben willst, ist der bei der UN nicht der richtige. Aber es gibt auch immer eine andere Option.“

Das gilt für Annalena Baerbock auf wundersame Weise. Es gibt immer eine andere Option. Talkmaster Stewart, der ihr sichtlich wohlgesonnen ist, scheitert beim Versuch, einen lustigen Dialog auf die Beine zu stellen, so hölzern und bemüht kommen die Pointen der UN-Lady daher.

Abgewählt und abgehoben

Mehrere Minuten langweilen die beiden ihr Publikum, das nur zögerlich hin und wieder klatscht, mit Details zur UNO. Stewart, der bisweilen so verbissen rüberkommt wie Jan Böhmermann, hakt unterwürfig nach: Oh, echt? Ah ja? Die beiden spielen offenbar im selben Team. Die UNO räume die Sauerei auf, die andere veranstaltet hätten. Sie bringe Sicherheit und Frieden und Gesundheit. Der orangefarbene Elefant im Raum: Donald Trump. Und natürlich muss noch ein Exkurs in die deutsche Geschichte folgen. Baerbock sagt mit Bedauern: „Ja, das war leider mein Land. Aber wir haben unsere Lektion gelernt.“

Baerbock weiß, wie sie draußen ankommt, dass niemand in Amerika und schon gar nicht in Deutschland, ihr ihre Sympathie-PR-Tour abkauft. Außer viele deutschen Medien, die die frühere Außenministerin bei jeder Gelegenheit bejubeln. Sie „überrasche, erstaune“. In früheren Artikeln heißt es gar, sie sei eine „Talkshow-Queen“. Kein Wunder, dass Baerbock so selbstbewusst wirkt – abgewählt und doch abgehoben.

Sie selbst sagt im Talk: „Hass bringt sechsmal so viele Klicks.“ Das klingt so, als seien immer die Leute am anderen Ende schuld. Die guten Nachrichten taugten eben nicht als Headline. Das sehen die Deutschen anders: „Reformpaket vom Tisch, 1.000 Euro vom Staat für alle.“ Das wären durchaus Nachrichten, die uns freuen würden. Aber von dem, was die Deutschen beschäftigt, wusste die Flugmeilensammlerin ja immer eher wenig. Dass sie im Hintergrund Kriege verhindert, während wir alle unser Gehalt an der Tanke verjubeln, glaubt noch nicht mal der Spiegel.

Der Tiefpunkt ist erreicht, als Baerbock über das Reizthema Corona spricht. Auch hier sei es um Vorbeugung gegangen, und dann sagt sie ihren offenbar auswendig gelernten Satz: „There’s no glory in prevention.“ Zu Deutsch: Für Vorbeugung gibt’s keinen Ruhm. Keine Armee der Welt habe das Virus aufhalten können, es habe ja, höhö, keinen Pass. Die stärksten Länder hätten es nicht alleine geschafft. Es habe die Vereinten Nationen mit der Weltgesundheitsorganisation (!) gebraucht, um die Impfung für die halbe Welt zu organisieren. Spätestens jetzt schrillt bei vielen Zuschauern der Alarm: Sie möchten nicht von dieser Frau beschützt werden. Vor nichts. Als Baerbock in den Oberstudienrätinnen-Modus switcht und erklärt, die Menschen rebellierten gegen die Globalisierung, schimmert das alte Grünen-Konzept durch: Wir meinen es gut, ihr seid nur zu blöd, um es zu verstehen.

Entertainment-Faktor: 0

Jon Stewart müsste jetzt eigentlich, das ist sein Job, ein paar Steilvorlagen für Pointen liefern. Aber Baerbock kommt ja mehr vom politischen Hochadel und weniger vom Humor. Sie salbadert weiter, über die Bürokratie, die fehlende Effizienz der UN. Und alle sind sich dann ganz wunderbar einig, als es um „die neuen populistischen Regime“ geht, die mit internationaler Ordnung nichts zu tun haben wollen, mit Klimaabkommen und Friedensabkommen schon gar nicht. Es bleibt alles zu schwammig, um lustig oder gar kontrovers zu sein.

Wer einmal Italiens Giorgia Meloni in Aktion gesehen hat, weiß: Politik und Entertainment, das geht. Aber das hier ist ein Dialog aus der Theater-AG der 10 a, vorgetragen von einer Vielfliegerin, die uns weismachen will, dass sie für Klima und Frieden und Essen kämpft. Baerbock: „Der Hauptjob ist, den Menschen Nahrung zu bringen.“ Die internationalen Friedensabkommen seien eine Lebensversicherung für alle. Letzter Versuch von Stewart, eine Pointe in dieses Trauerspiel zu hieven: „Wer ist aktuell das schlimmste Land … sind wir das?“

Da rettet sich Baerbock in neutrales UN-Sprech. Ein Jahr dauert das Mandat. Danach wartet sicher schon der nächste Spitzenjob auf die 45-Jährige. Ihr Lebenslauf füllt sich. Unser Konto leert sich.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partner-Portal NiUS erschienen.