Nach Angaben der Beamten könnte auf jede Person, deren Aufenthalt legalisiert wird, im Durchschnitt der Nachzug von bis zu drei Familienangehörigen folgen – sofern deren Anträge bewilligt werden. Die Prognose beruht auf den Regeln zum Familiennachzug und ist keine offizielle Schätzung der spanischen Regierung.
Kritik an Sánchez-Regierung
Die konservative Kritik richtet sich insbesondere gegen die Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez. Beamte werfen ihr vor, die Nationalpolizei weitgehend aus dem Verfahren herausgenommen und die Zuständigkeit dem Migrationsministerium übertragen zu haben.
Dadurch würden Kontrollmechanismen geschwächt, etwa bei der Überprüfung von Identitätsdokumenten oder Strafregisterauszügen. Kritiker befürchten, dass gefälschte Dokumente oder unzureichend geprüfte Nachweise leichter akzeptiert werden könnten.
Ein namentlich nicht genannter Beamter erklärte gegenüber El Mundo, das Verfahren eröffne kriminellen Organisationen Möglichkeiten zum Missbrauch. So könnten Personen gegen Bezahlung als angebliche Familienangehörige ausgegeben werden. Erste entsprechende Fälle seien bereits festgestellt worden.
Deutlich mehr Anträge als erwartet
Die Zahl der Anträge übertrifft die ursprünglichen Erwartungen der Regierung deutlich. Laut der Registrierungsplattform „Mercurio“ gingen mehr als doppelt so viele Anträge ein wie prognostiziert.
Für die Legalisierung konnten sich Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus bewerben, die sich seit dem 1. Januar im Land aufhielten, keine Vorstrafen hatten und einen mindestens fünfmonatigen ununterbrochenen Aufenthalt in Spanien nachweisen konnten. Die Bewerbungsfrist endete Anfang Juli, über die Anträge soll innerhalb der kommenden drei Monate entschieden werden.
Für Antragsteller, die Schwierigkeiten hatten, rechtzeitig einen Strafregisterauszug aus ihrem Herkunftsland vorzulegen, wurden Sonderregelungen geschaffen.
Sánchez verteidigt Amnestie
Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnet die Legalisierung als Akt der Gerechtigkeit. Sie solle Menschen, die bereits in Spanien leben und arbeiten, in den regulären Arbeitsmarkt integrieren, das Wirtschaftswachstum fördern und gesellschaftliche Spannungen abbauen.
Die Opposition sieht das anders. Sowohl die konservative Partido Popular (PP) als auch die rechte Vox lehnen die Amnestie ab. Sie warnen, dass die Maßnahme zusätzliche illegale Migration anziehen könnte.
Auch auf europäischer Ebene stößt der Kurs Madrids auf Kritik. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni soll beim jüngsten Europäischen Rat Bedenken geäußert haben. Sie befürchtet Auswirkungen auf den Schengen-Raum und fordert weiterhin strengere EU-Regeln zur Migration.
Die angekündigte Legalisierungsaktion wäre die größte ihrer Art in Europa. Sie würde sowohl die spanische Amnestie von 2005 mit rund 500.000 Regularisierungen als auch die italienische Aktion von 2002 mit rund 634.700 legalisierten Migranten deutlich übertreffen. Die genannten Prognosen von bis zu drei Millionen zusätzlichen Menschen beruhen allerdings auf Einschätzungen spanischer Einwanderungsbeamter und wurden von der Regierung bislang nicht bestätigt.

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