Offiziell gelten knapp 85 Prozent der mehr als 22.000 untersuchten Badestellen in Europa als „ausgezeichnet”. In Österreich fällt das Ergebnis sogar noch besser aus: 96,5 Prozent der 260 kontrollierten Badegewässer erhielten die Bestnote. Doch genau diese Zahlen stehen nun massiv in der Kritik.

Vieles blieb unberücksichtigt

Der Grund: Für die Bewertung werden lediglich zwei Fäkalbakterien untersucht, die unter anderem Durchfall oder Infektionen auslösen können. Andere mögliche Gesundheitsrisiken bleiben hingegen außen vor, schreibt der Kurier. So werden chemische Schadstoffe wie Pestizide, Mineralöle oder die sogenannten “Ewigkeitschemikalien” PFAS ebenso wenig berücksichtigt wie Blaualgen (Cyanobakterien), die vor allem bei Hitze vermehrt auftreten und gesundheitliche Beschwerden verursachen können.

Österreichische Badeseen wurden ebenfalls erfasst

Besonders brisant: Eine Analyse des Recherchezentrums Correctiv kommt zu dem Ergebnis, dass alle erfassten österreichischen Badestellen an Gewässern liegen, die den geforderten guten chemischen Zustand nach EU-Vorgaben nicht erreichen. Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass Baden dort gesundheitsgefährdend ist. Experten warnen jedoch davor, die Bestnoten als Freibrief zu verstehen,

Österreichische Badeseen wurden ebenfalls erfasst

Besonders brisant: Eine Analyse des Recherchezentrums Correctiv kommt zu dem Ergebnis, dass alle erfassten österreichischen Badestellen an Gewässern liegen, die den geforderten guten chemischen Zustand nach EU-Vorgaben nicht erreichen. Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass Baden dort gesundheitsgefährdend ist. Experten warnen jedoch davor, die Bestnoten als Freibrief zu verstehen,

„Irreführende Bewertung“

Ein Gewässer könne trotz hoher Belastung mit chemischen Stoffen weiterhin als „ausgezeichnet” eingestuft werden. Gerade für Kinder, Schwangere oder andere empfindliche Personengruppen könne das problematisch sein. Die Fachleute fordern deshalb, künftig auch chemische Schadstoffe und Blaualgen in die offizielle Beurteilung der Badegewässer aufzunehmen. „Ein Gewässer kann die Grenzwerte von chemischen Stoffen sprengen und dennoch als exzellent eingestuft werden. Das ist irreführend“, sagt der Toxikologe Hans-Jörg Martin von der Uniklinik Kiel im Kurier.

Umweltagentur pocht auf korrekte Vorgehensweise

Die Europäische Umweltagentur verteidigt ihr Vorgehen. Man halte sich an die geltende EU-Badegewässerrichtlinie, die derzeit ausschließlich die Untersuchung auf zwei Fäkalbakterien vorschreibt. Änderungen könne nur die EU-Gesetzgebung beschließen. In diesem Zusammenhang verlangen Experten deshalb strengere Kontrollen und mehr Transparenz – damit Badegäste künftig besser über mögliche Risiken informiert werden.