Im Mittelpunkt der Reformpläne steht die Idee, künftig mehr EU-Beamte zeitweise direkt in den Verwaltungen der 27 Mitgliedstaaten einzusetzen. Damit soll der Austausch zwischen Brüssel und den nationalen Behörden intensiviert und die Zusammenarbeit erleichtert werden. Politico berichtete unter Berufung auf interne Beratungen, dass die Vorschläge am Montag den rund 30.000 Mitarbeitern der EU-Kommission im Rahmen einer virtuellen Versammlung präsentiert wurden.

Die Vorschläge stammen aus einem rund 400 Seiten starken Bericht, den hochrangige Beamte aus 15 Generaldirektionen erarbeitet haben.

Neben der stärkeren Präsenz in den Mitgliedstaaten sieht das Reformpaket vor, die Institution auf den verstärkten Einsatz künstlicher Intelligenz vorzubereiten. Zudem soll die interne Zusammenarbeit verbessert werden, indem starre Abteilungsgrenzen aufgebrochen und Ressourcen flexibler eingesetzt werden.

Eine Auflösung oder Neugründung von Generaldirektionen ist nach den derzeitigen Plänen jedoch nicht vorgesehen. Auch ein Personalabbau steht nicht zur Debatte.

Mehr Aufgaben, aber weniger Personal

EU-Kommissar Piotr Serafin, zuständig für Haushalt, Betrugsbekämpfung und Verwaltung, machte deutlich, dass die Kommission heute mit weniger Mitarbeitern auskommen müsse als noch vor gut einem Jahrzehnt.

Nach seinen Angaben beschäftigt die Behörde derzeit rund 1.500 Mitarbeiter weniger als 2014 – obwohl die Aufgaben in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen seien. Angesichts geopolitischer Herausforderungen, des Ukraine-Kriegs sowie zunehmender Handelskonflikte müsse die Kommission „immer mehr leisten“.

Deshalb werde auch zusätzlicher Personalbedarf gesehen. Für den nächsten mehrjährigen EU-Haushalt ab 2028 ist laut internen Planungen die Einstellung von rund 1.500 zusätzlichen Mitarbeitern für die Kommission sowie weiterer 1.000 Beschäftigter in anderen EU-Institutionen vorgesehen.

Langsame Bewerbungsverfahren sorgen für Kritik

Ein weiterer Schwerpunkt der Reform betrifft die Personalgewinnung. Serafin kritisierte insbesondere die langen Auswahlverfahren des Europäischen Amtes für Personalauswahl (EPSO). Zwischen Bewerbung und erstem Gehalt vergingen derzeit häufig zwei bis drei Jahre – ein Zeitraum, der es der EU erschwere, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Zugleich steht die Kommission vor einem Generationenwechsel. In den kommenden Monaten werden mehrere Spitzenbeamte altersbedingt ausscheiden oder ihre Position wechseln. Als besonders bedeutend gilt dabei die erwartete Nachfolge des niederländischen Spitzenbeamten Gert Jan Koopman, der derzeit die Generaldirektion für Erweiterung leitet.

Die endgültigen Reformvorschläge sollen bis Ende 2026 Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgelegt werden. Es handelt sich um die erste umfassende Überprüfung der Arbeitsweise der EU-Kommission seit rund 20 Jahren.