Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hatte in seiner Budgetrede schnell eine Erklärung für Österreichs schwierige Lage parat: die Weltlage.

„Ich werde Ihnen nichts vormachen. Die Zeiten sind ernst“, sagte Marterbauer gleich zu Beginn. Der Krieg der USA gegen den Iran habe eine weltweite Energiekrise ausgelöst. Diese treffe Österreich „zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt“. Die Konjunktur habe sich gerade erholt, die Inflation sei auf zwei Prozent zurückgegangen, die Budgetsanierung habe „sichtbare Erfolge“ gezeigt.

Dann kam der entscheidende Satz: „Doch kaum waren wir halbwegs über den Berg, kam dieser Krieg und mit ihm neuerlich Inflation und Wirtschaftsdämpfung.“

Erst Corona, dann Russland, jetzt Iran

Damit ist die neue Budget-Erzählung der Bundesregierung gesetzt: Österreich wollte sanieren. Doch dann kam wieder eine Krise dazwischen.

Agenda-Austria-Chef Franz Schellhorn kommentierte das auf X trocken: Der Krieg im Nahen Osten sei also schuld am hohen Defizit in Österreich. Vorher sei es Russland gewesen, davor Corona. Sein Gegenbeispiel: Dänemark.

Lädt...

Genau dieses Beispiel ist für die SPÖ besonders unangenehm. Denn Dänemark ist kein neoliberaler Minimalstaat. Es ist ein klassischer nordischer Wohlfahrtsstaat. Regiert wird das Land von der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Ihre Sozialdemokraten stellen weiterhin die Regierungschefin.

Sozialstaat – aber ohne Schulden-Chaos

Dänemark hat einen starken Sozialstaat – aber ebenso eine harte Budgetdisziplin, und darin unterscheidet es sich deutlich von Österreich.

Laut Statistics Denmark erzielte Dänemark 2025 einen staatlichen Überschuss von 2,9 Prozent des BIP. Die Staatsschulden lagen bei nur 27,9 Prozent des BIP.

Zum Vergleich: Österreich kämpft mit einem Defizit von mehr als vier Prozent. Marterbauer will mit seinem Doppelbudget erst wieder unter die EU-Defizitgrenze von drei Prozent kommen. In seiner Rede sagte er selbst: Das Budgetdefizit sei „mit mehr als 4 Prozent“ des BIP noch immer viel zu hoch.

Dänemark bleibt im Plus

Auch der Ausblick fällt für Dänemark deutlich besser aus. Die EU-Kommission erwartet, dass der dänische Budgetüberschuss zwar sinkt, aber positiv bleibt: 0,9 Prozent des BIP im Jahr 2026 und 0,5 Prozent im Jahr 2027.

Das ist die eigentliche Pointe: Dänemark hatte ebenfalls Corona, Energiepreise, Ukrainekrieg, Teuerung und geopolitische Unsicherheit. Trotzdem wurde daraus kein Dauer-Abo auf rote Zahlen.

Der Unterschied: eine echte Ausgabenbremse

Der Grund liegt nicht in Zauberei, sondern in Regeln.

Dänemark arbeitet mit einem strengen Fiskalrahmen. Die OECD verweist auf vierjährige Ausgabendeckel, automatische Sanktionen bei lokalen Budgetüberschreitungen und klare Regeln für strukturelle Defizite.

Kurz gesagt: Wer mehr ausgeben will, muss sich an harte Grenzen halten.

In Österreich klingt Budgetpolitik oft anders: Erst kommt die Krise, dann das Defizit, dann die Erklärung.

Marterbauer lieferte in seiner Rede selbst die ganze Liste: „Covidkrise, Ukrainekrieg, Gaskrise, Teuerungskrise, Irankrieg, Ölkrise“ – all diese Krisen hätten Wachstum, Produktion und Beschäftigung gebremst. Wenn Jobs fehlten, fehlten auch Einnahmen in der Sozialversicherung. Das reiße Löcher ins Budget.

Nur: Genau diese Krisen trafen nicht nur Österreich.

Marterbauer lobt selbst Skandinavien

Besonders pikant: Marterbauer verwies in seiner Rede selbst auf die skandinavischen Länder. Wörtlich sagte er: „In Österreich, den skandinavischen Ländern und anderen Teilen Europas ist es gelungen, die zivilisatorischen Errungenschaften der Demokratie und des Wohlfahrtsstaates mit wirtschaftlichem Erfolg zu verknüpfen.“

Genau dort liegt das Problem für Österreich. Denn Dänemark gehört zu diesem skandinavischen Modell. Und Dänemark zeigt: Sozialstaat muss nicht automatisch Schuldenpolitik heißen.

Sozialdemokratie muss auch nicht bedeuten, dass der Staat jedes Problem mit neuen Ausgaben beantwortet.

Der langen Rede kurzer Sinn: Dänemark begrenzt seine Ausgaben mit klaren Regeln. Österreich sucht immer neue Gründe, warum die Sanierung wieder schwieriger wird. Österreich hat Erklärungen, Dänemark hat Überschüsse.