Portugal, Luxemburg, Malta und Irland. Mehr EU-Staaten liegen bei den Verteidigungsausgaben relativ zur Wirtschaftsleistung nicht hinter Österreich.
Eine aktuelle Übersicht des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments zeigt: Österreich kommt 2025 nach nationaler Berechnung auf 5,63 Milliarden Euro für Verteidigung. Das entspricht 1,12 Prozent des BIP. Damit liegt die Republik nur auf Platz 23 von 27 EU-Mitgliedstaaten.
Für ein Land, das seit Russlands Großangriff auf die Ukraine von einer sicherheitspolitischen Wende spricht, ist das ein heikler Befund. Österreich rüstet zwar auf. Im europäischen Vergleich bleibt es aber fast Schlusslicht.
Baltikum und Polen weit vor Österreich
Besonders deutlich wird der Abstand im Osten Europas. Estland kommt laut EPRS-Tabelle auf 4,13 Prozent des BIP, Litauen auf 4,0 Prozent, Lettland auf 3,41 Prozent und Polen auf 3,19 Prozent. Diese Staaten investieren gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung ein Mehrfaches von Österreich.
Auch Griechenland, Dänemark, Schweden, Finnland, Rumänien, Ungarn, die Niederlande, Deutschland und Frankreich liegen klar vor der Republik. Der EU-Schnitt beträgt laut EPRS für 2025 rund 2,1 Prozent des BIP. Österreich liegt mit seinen 1,12 Prozent deutlich darunter.

Die Zahlen sind breiter gerechnet
Methodisch ist der Vergleich erklärungsbedürftig. Die Tabelle des Wissenschaftlichen Diensts des Europäischen Parlaments – kurz EPRS für European Parliamentary Research Service – arbeitet bei Österreich mit einer nationalen Definition samt Berechnungen des Autors. Es handelt sich also nicht um den engeren österreichischen Budgetwert des Verteidigungsressorts.
Genau deshalb ist der Befund aber besonders unangenehm: Selbst bei dieser breiteren Berechnung landet Österreich nur bei rund 1,1 Prozent des BIP.
Die EPRS weist ausdrücklich darauf hin, dass internationale Vergleiche schwierig sind, weil Staaten unterschiedliche Definitionen für militärische Ausgaben verwenden. Das ist auch bei den Ländern hinter Österreich wichtig: Portugal und Luxemburg erreichen nach NATO-Definition andere Werte. In der hier verwendeten nationalen Budgetdefinition liegen sie aber hinter Österreich.
Nach Putins Invasion kam die große Wende-Rhetorik
Der politische Kurswechsel begann im Februar 2022. Am 24. Februar startete Russland die Vollinvasion der Ukraine. Kurz darauf war auch in Österreich klar: Das jahrzehntelang kaputtgesparte Bundesheer soll wieder mehr Geld bekommen.
Der damalige Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) sprach von einem Ziel von mindestens 1 Prozent des BIP. Damals lagen die Verteidigungsausgaben laut ORF bei nur 0,74 Prozent des BIP.
Später wurde die Zielmarke noch deutlich angehoben. Österreich will seine Verteidigungsausgaben bis 2032 auf 2 Prozent des BIP steigern. Auch die EPRS-Tabelle führt dieses Ziel für Österreich an.
Das Budget steigt tatsächlich
Fair ist: Das Bundesheer bekommt heute deutlich mehr Geld als vor der Invasion. Im Jahr 2021 lagen die tatsächlichen Auszahlungen für die Untergliederung „Militärische Angelegenheiten“ bei rund 2,84 Milliarden Euro.
Für 2025 steigen die Auszahlungen laut Parlament auf 4,391 Milliarden Euro, für 2026 auf 4,761 Milliarden Euro. Investiert werden soll vor allem in militärische Aufrüstung und bauliche Infrastruktur zur Umsetzung des Aufbauplans.
Auch das Verteidigungsministerium verweist auf den neuen Kurs. Ministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hielt fest: „Die Neutralität alleine schützt uns nicht. Das kann nur ein gut ausgestattetes und trainiertes Österreichisches Bundesheer.“
Doch der Aufbauplan hat ein Milliardenloch
Das Problem liegt nicht nur im Rückblick, sondern vor allem im Ausblick.
Für 2027 sind im Budgetentwurf 5,15 Milliarden Euro vorgesehen, für 2028 5,18 Milliarden Euro. Tanner sprach im Budgetausschuss vom „höchsten Verteidigungsbudget, das es jemals gab“ und bekräftigte das Ziel, bis 2032 auf 2 Prozent des BIP zu kommen.
Doch dem Bundesheer fehlen im Bundesfinanzrahmen bis 2031 insgesamt 12,6 Milliarden Euro, um den Aufbauplan 2032+ zu erfüllen. Allein 2030 bräuchte das Bundesheer laut Prognose 8,57 Milliarden Euro. Im Finanzrahmen stehen aber nur 5,39 Milliarden Euro.
Auch der Prozentpfad wackelt. Für 2027 waren ursprünglich 1,4 Prozent des BIP vorgesehen, für 2028 1,55 Prozent. Tatsächlich verharren die eingeplanten Mittel laut ORF in beiden Jahren bei 1,19 Prozent.
Neutralität ersetzt keine Ausrüstung
Österreich ist neben Irland, Malta und Zypern eines von vier EU-Ländern ohne NATO-Mitgliedschaft. Damit ist die Republik formal nicht an das NATO-Zwei-Prozent-Ziel gebunden.
Die EPRS hält aber fest: Genau diese vier Nicht-NATO-Staaten erreichen die Zwei-Prozent-Marke nicht.
Das entlastet Österreich rechtlich. Sicherheitspolitisch löst es das Problem nicht. Neutralität ersetzt keine Luftabwehr, keine Munition, keine geschützte Mobilität, keine autarken Kasernen und keine einsatzfähige Truppe.
Österreich rüstet auf – aber läuft hinterher
Der europäische Trend ist eindeutig. Die gemeinsamen Verteidigungsbudgets der EU-Staaten stiegen laut EPRS von 218 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 381 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Österreich ist Teil dieser Aufrüstung. Aber es läuft deutlich langsamer als viele andere.

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