Der Deal ist keine fertige Lösung. Er ist eine Wette.
CIA-Direktor John Ratcliffe soll den Präsidenten persönlich gewarnt haben. Die Erkenntnisse mehrerer US-Geheimdienste weckten ernste Zweifel: Iran spreche intern über den Deal ganz anders als gegenüber den Vermittlern. „Die Absichten Irans stehen nicht im Einklang mit seinen Verpflichtungen“, zitiert Axios eine mit den Vorgängen vertraute Quelle.
Auch Außenminister Marco Rubio meldete intern Bedenken an. Verteidigungsminister Pete Hegseth soll laut Axios ebenfalls Fragen gestellt haben – erklärte nach Veröffentlichung allerdings, er unterstütze den Friedensdeal. Auf der anderen Seite drängten Vizepräsident JD Vance, Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner auf den Abschluss. Trump folgte den Deal-Befürwortern.
Am Ende wurden selbst Trumps engste Berater von seiner Ankündigung überrumpelt, berichtet das Wall Street Journal. Er hatte die Vereinbarung digital unterzeichnet – während draußen auf dem Rasen des Weißen Hauses die Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag und Kampfsport-Events liefen.
Was im Vertrag wirklich steht
Die New York Times hat den vierzehnpunktigen Vertragstext analysiert, den ein hochrangiger US-Beamter am Mittwoch erstmals öffentlich vorlas. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Dem Atomprogramm – dem eigentlichen Kriegsgrund – ist genau ein Absatz gewidmet. Sein Kern: Iran „bekräftigt“, keine Atomwaffe anzustreben. Das Wort „bekräftigt“ verrät alles. Dasselbe Versprechen hatte der Iran schon 2015 gegeben – in Obamas Atomdeal, den Trump später selbst aufkündigte. Neu ist daran wenig.
Knapp 450 Kilogramm Uran nahe waffenfähiger Qualität müssen lediglich vor Ort verdünnt werden – nicht ausgeliefert. Ob Iran überhaupt weiter anreichern darf, ist offen. Ob Atomanlagen schließen müssen: offen. Ob ein neues Inspektionsregime kommt: offen. Alles auf 60 Tage Folgeverhandlungen vertagt.
Iran bekommt sofort – Amerika wartet
Die wirtschaftlichen Zugeständnisse hingegen gelten unmittelbar.
Die US-Seeblockade wird binnen 30 Tagen aufgehoben. Öl-Sanktionsverzichte treten sofort in Kraft. Mindestens 24 Milliarden Dollar eingefrorene iranische Vermögenswerte sollen bereits mit Umsetzung dieser Vereinbarung freigegeben werden – also noch vor einem Enddeal. Der Wortlaut läßt offen, wer am Ende profitiert: Die iranische Zentralbank soll Endempfänger benennen können.
New-York-Times-Experte David Sanger urteilt: Mit dem Wegfall der Blockade verlieren die USA ihren wichtigsten Hebel – noch bevor die eigentlich schwierigen Verhandlungen überhaupt beginnen.
Die Hormuz-Falle
Durch die Straße von Hormuz fließt ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen. Sie soll für 60 Tage gebührenfrei geöffnet werden. „Nur für 60 Tage“ steht ausdrücklich im Text.
Danach will der Iran Gebühren erheben – etwas, das es vor dem Krieg nie gab. Irans Außenminister hat bereits erklärt, die Verwaltung der Straße werde nicht in die Vorkriegszeit zurückkehren. Das würde gegen Rubios eigene rote Linie verstoßen: vollständige Rückkehr zu Vorkriegsbedingungen.
Gefährliche Wette
Senator Lindsey Graham formulierte es diplomatisch: Er sei „einigermaßen besorgt, daß Irans Sicht auf das Abkommen sich von der des amerikanischen Verhandlungsteams zu unterscheiden scheint.“
Genau das hatten die Geheimdienste vorhergesagt.
Wenn Iran es ernst meint, könnte der Deal ein außenpolitischer Triumph werden. Wenn Teheran aber nur Zeit gewinnen will – wie immer bisher –, hätte Washington wichtige Druckmittel bereits aus der Hand gegeben.
Jetzt laufen die 60 Tage. Die härtesten Fragen sind nicht gelöst – sie sind vertagt.

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