Aus dem Corona-Aufbaufonds der EU sind 43 Milliarden Euro für die energieeffiziente Sanierung von Wohngebäuden vorgesehen. Der Europäische Rechnungshof (ERH) kommt in einem am 7. Juli veröffentlichten Sonderbericht allerdings zu einem ernüchternden Ergebnis: Die geförderten Renovierungen bringen bisher nur mäßige Energieeinsparungen. Das Geld werde häufig „eher zügig als strategisch zielgerichtet” eingesetzt, heißt es in dem Bericht.
Zwei Drittel der für Heizen und Kühlen genutzten Energie stammen in der EU nach wie vor aus fossilen Brennstoffen, und fast drei Viertel der Gebäude gelten weiterhin als nicht energieeffizient. Die Sanierung von Wohngebäuden ist damit ein zentraler Hebel in der EU, um Energieverbrauch und Emissionen zu senken. Nötig wären dafür laut ERH vor allem „umfassende” Renovierungen mit Einsparungen von mehr als 60 Prozent – nur so lasse sich ein weitgehend effizienter Gebäudebestand erreichen.
Jedoch werden vielfach nicht dort gefördert, wo der größte Effekt zu erwarten wäre, sondern dort, wo sich Projekte am schnellsten und unkompliziertesten abwickeln lassen, kritisiert der ERH. „Wir haben jedoch allzu oft festgestellt, dass die Mittel aus dem Corona-Aufbaufonds dorthin gingen, wo sie am einfachsten auszugeben waren, und nicht dorthin, wo sie den größten Mehrwert bringen”, sagt Nikolaos Milionis, das für die Prüfung zuständige Mitglied des Rechnungshofs. Konkret heißt das: Einfache Maßnahmen wie der Austausch von Fenstern oder die Installation von Solarpaneelen sind stark nachgefragt, während umfassendere Sanierungen deutlich seltener umgesetzt werden.
Kritik am italienischen „Superbonus"
Am deutlichsten fällt die Kritik am italienischen „Superbonus”-Programm aus, das allein fast ein Drittel der relevanten Fördermittel – rund 14 Milliarden Euro – erhalten dürfte. Die Kosten pro eingesparter Energieeinheit liegen dort nach Angaben des Rechnungshofs nahezu viermal höher als ursprünglich erwartet. Hinzu kommt, dass das Programm bis zu 110 Prozent der Renovierungskosten abdeckt – die öffentliche Förderung kann die tatsächlichen Kosten also übersteigen. Für die Prüfer stellt das „eindeutig keine kosteneffiziente Verwendung von EU-Mitteln” dar.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Erfolgskontrolle. Von 111 untersuchten Renovierungsmaßnahmen enthielten nur drei ein konkretes Energieeinsparziel. Der Großteil konzentrierte sich auf die bloße Umsetzung – etwa die Zahl renovierter Wohnungen oder die renovierte Fläche.
Zur Schätzung der Einsparungen sollen die Mitgliedstaaten Energieausweise heranziehen. Die darin enthaltenen Angaben hält der Rechnungshof aber für unzuverlässig oder nicht vergleichbar und damit für ein funktionierendes Monitoring ungeeignet. Das habe zwei Gründe: Zum einen entsprächen die Schätzungen nicht dem tatsächlichen Energieverbrauch, der auch davon abhänge, wie die Bewohner ihre Häuser heizen, kühlen und nutzen. Zum anderen seien die Ausweise häufig fehlerhaft, sodass die Einsparungen zu hoch oder zu niedrig ausgewiesen würden.
Auch Österreich schöpft aus dem Fonds
Auch Österreich bezieht Mittel aus dem Fonds: Rund 209 Millionen Euro fließen im Rahmen der Sanierungsoffensive in den Tausch von Öl- und Gasheizungen sowie in thermische Sanierungen. Insgesamt erhält die Republik 3,961 Milliarden Euro aus dem Aufbaufonds, ein Großteil davon ist dem grünen Übergang gewidmet. Österreich zählte allerdings nicht zu den vier geprüften Ländern – untersucht wurden Belgien, Italien, Zypern und Litauen.
Der Rechnungshof warnt, ohne gezieltere Ausrichtung und klarere Ergebniskontrolle laufe die EU Gefahr, ihre eigenen Energie- und Klimaziele zu verfehlen. Offen bleibt, ob die Mittel bis zum Auslaufen der Fazilität im August 2026 vollständig und sinnvoll verbaut werden können.

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