Die Statistik zeigt den Handlungsbedarf deutlich: Von den rund 22.800 außerordentlichen Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2022/23 mussten 22 Prozent eine Schulstufe wiederholen. Drei Prozent verloren sogar zwei Schuljahre.
Für Wiederkehr ist das ein deutliches Warnsignal. Ziel sei es nun, Kinder gezielter zu fördern und unnötige Klassenwiederholungen zu vermeiden, berichtet die Heute
Deutschtest bisher oft entscheidend
Ob ein Kind eine Deutschförderklasse besuchen muss, wird durch den Sprachtest MIKA-D festgestellt. Betroffen sind vor allem Schulanfänger sowie Kinder, die neu aus dem Ausland nach Österreich kommen.
Wer den Test nicht besteht, besucht bislang bis zu zwei Jahre lang eine Deutschförderklasse mit bis zu 20 Wochenstunden. Der gemeinsame Unterricht mit der Stammklasse beschränkt sich häufig auf Fächer wie Sport, Musik oder Werken.
Bislang hatte ein schwaches Testergebnis weitreichende Folgen: Selbst bei guten Leistungen in allen anderen Fächern mussten viele Kinder die Schulstufe wiederholen. Besonders problematisch war das beim Wechsel von der Volksschule in eine weiterführende Schule.
Aufstieg künftig auch mit „Mangelhaft“
Ab dem Schuljahr 2026/27 wird dieses System deutlich flexibler. Künftig dürfen Schülerinnen und Schüler auch mit einem „mangelhaften“ Ergebnis im MIKA-D-Test in die nächste Schulstufe aufsteigen.
Voraussetzung ist, dass sie in allen anderen Unterrichtsgegenständen positiv beurteilt wurden und die Klassen- oder Schulkonferenz davon ausgeht, dass sie den weiteren Anforderungen gewachsen sind.
Nur bei einem „Nicht genügend“ bleibt die verpflichtende Wiederholung der Schulstufe bestehen. Auch bei der Deutschförderung selbst gibt es Änderungen. Die bisherige Pflicht, ab acht außerordentlichen Schülerinnen und Schülern eigene Deutschförderklassen einzurichten, entfällt.
Schulen erhalten künftig deutlich mehr Freiheiten und können die Sprachförderung verstärkt direkt im regulären Klassenunterricht organisieren. Bereits rund jede zweite Schule plant, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Zudem sollen Kinder künftig auch in den besuchten Fächern regulär benotet werden können.
Weniger Bürokratie, gezieltere Förderung
Auch der MIKA-D-Test wird überarbeitet. Künftig ist nur noch ein verpflichtender Test am Ende des Sommersemesters vorgesehen. Zeigen Kinder bereits früher deutliche sprachliche Fortschritte, kann ein zusätzlicher Test den vorzeitigen Wechsel in den Regelunterricht ermöglichen.
Außerdem werden neue Testmodule für höhere Volksschulklassen und die Mittelschule eingeführt, um die Sprachkenntnisse genauer beurteilen zu können.
Mit der verpflichtenden Sommerschule, dem Ausbau der Deutschförderung und zusätzlichen Fördermitteln für Schulen mit besonderen Herausforderungen will das Bildungsministerium erreichen, dass Kinder schneller ausreichende Deutschkenntnisse erwerben und möglichst rasch vollständig am Unterricht teilnehmen können.
Die Reform soll damit nicht nur Wiederholungen verhindern, sondern auch die Integration in den Schulalltag deutlich erleichtern.

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