Meta, Mutterkonzern von Facebook und Instagram, denkt laut Berichten darüber nach, seine smarten Brillen um eine Funktion zur Identifikation von Personen zu erweitern. Man höre häufig von Interesse an einer solchen Option, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Konkrete Entscheidungen seien noch nicht gefallen, man prüfe unterschiedliche Varianten und wolle „mit Bedacht“ vorgehen.

Ein Comeback mit Vorgeschichte

Ganz neu ist die Debatte nicht. Bereits vor Jahren hatte Meta eine Gesichtserkennungsfunktion in seinen Plattformen eingesetzt, die bekannte Personen automatisch in Fotos markierte. Nach massiver Kritik am Umgang mit biometrischen Daten wurde das Feature eingestellt. In den USA musste der Konzern Milliarden an Kompensation zahlen.

Der richtige Moment?

Nach Informationen der New York Times wurde intern seit Anfang vergangenen Jahres darüber diskutiert, wie eine Gesichtserkennung technisch und rechtlich ausgestaltet werden könnte. Ein Vorschlag sah vor, die Funktion zunächst im Rahmen einer Konferenz für Sehbehinderte zu testen – als Assistenzlösung, um Personen im Umfeld identifizieren zu können.

In einem internen Dokument soll laut Bericht jedoch auch ein anderer Gedanke eine Rolle gespielt haben: Die politische Lage in den USA sei derzeit so „dynamisch“, dass potenzielle Kritiker womöglich anderweitig gebunden seien. Es ist eine nüchterne Feststellung – und doch eine bemerkenswerte.

Wenn Fremde Namen bekommen

Welche Tragweite die Technologie hätte, zeigte bereits ein Experiment von Harvard-Studenten im Jahr 2024. Sie verknüpften die Meta-Brillen mit frei zugänglichen Online-Datenbanken und konnten damit fremde Personen in der U-Bahn von Boston identifizieren – inklusive Name und Hintergrundinformationen.

Was als technische Demonstration gedacht war, wirkte wie ein Blick in eine mögliche, dystopische Zukunft: Ein öffentlicher Raum, in dem Anonymität zur Ausnahme wird. Ein Blick genügt – und das Gegenüber erhält prompt ein digitales Etikett.