orf.at berichtet über einen neuen Höchstwert: Laut dem 11. Antimuslimischen Rassismus Report wurden im Vorjahr 1.684 antimuslimische Vorfälle in Österreich registriert. Die Dunkelziffer liege wohl noch deutlich höher, berichtet die Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit & antimuslimischer Rassismus. Knapp zwei Drittel der Fälle fanden online statt.
Als besonders gravierend eingestuft wurden zwei Fälle: In Niederösterreich wurden Schüsse auf eine Moschee abgefeuert. Im Oktober 2025 erschoss ein 50-Jähriger in der Wiener Donaustadt seinen Nachbarn – nach einem antimuslimischen Ausspruch. Er wurde zu 19 Jahren Haft verurteilt.
Pikant: Die Dokustelle fordert nun einen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus.
Experte: Medien fragen nicht nach
Der Wiener Historiker und Islamismus-Experte Heiko Heinisch – Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Dokumentationsstelle Politischer Islam – kritisiert das auf X scharf. ORF und Standard hätten den Report prominent und unkritisch übernommen. Offenbar habe sich „bislang kein Medium die Mühe gemacht, ein wenig Hintergrundrecherche zu betreiben“.
Die Organisation weise „vielfältige Verbindungen zu Akteuren aus dem islamistischen Spektrum“ auf. Wer über die Zahlen der Dokustelle berichtet, müsse auch fragen, wer diese Zahlen erhebt, nach welchen Kriterien sie eingeordnet werden – und welches Umfeld hinter der Organisation steht.
Shetty warnte schon 2024
Heinisch verweist auf einen Thread des NEOS-Abgeordneten Yannick Shetty aus dem Oktober 2024. Damals deckte Shetty auf: Bildungs-, Arbeits- und Sozialministerium finanzieren gemeinsam Workshops zu „antimuslimischem Rassismus“ für 10- bis 14-Jährige an Schulen – organisiert von der Dokustelle.
Klingt harmlos. War es für Shetty aber nicht. Denn im Vorstand der Dokustelle saß damals Klaudia Wieser. Shetty warf ihr vor, auf Instagram ein Posting über den getöteten Hamas-Terrorchef Yahya Sinwar geteilt zu haben. Sinwar galt als maßgeblicher Drahtzieher des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023. In dem Posting hieß es sinngemäß, er sei eben Palästinenser gewesen – einer, der „kämpfend“ getötet worden sei, während andere „im Schlaf“ getötet würden.
Shettys Reaktion: „Diese Personen werden – steuergeldfinanziert – für Antirassismus-Workshops bei Kindern eingesetzt? Das kann doch nicht wahr sein. Gibt es in drei beteiligten Ministerien gar keine Qualitätssicherung?“
Hamas-Begriff im Text über den 7. Oktober
Shetty verwies damals auch auf einen Text in der Zeitschrift LeftEast – verfasst von Wieser selbst. Darin wird der Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober mit dem Hamas-Begriff „Operation Al-Aqsa Flood“ bezeichnet. Israels militärische Reaktion wird im selben Einstieg als Bombardierung des „belagerten Gazastreifens“ beschrieben.
Für Heinisch geht es um Grundsätzliches: Wird hier eine Organisation als neutrale Meldestelle behandelt, obwohl ihr Umfeld zumindest erklärungsbedürftig ist?
Veranstaltung mit BDS und Dar al Janub
Weitere Fragen wirft eine Veranstaltung vom November 2025 auf. Dunia Khalil, Leiterin der Rechtsberatung der Dokustelle, moderierte eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „The Criminalisation of Palestine Solidarity in Austria“ („Die Kriminalisierung palästinensischer Solidarität in Österreich“). Auf der Teilnehmerliste standen unter anderem BDS Austria sowie der Verein Dar al Janub.
BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“ – also Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen gegen Israel. Der österreichische Nationalrat verurteilte die BDS-Bewegung im Februar 2020 einhellig: Alle fünf damals im Parlament vertretenen Fraktionen forderten ein konsequentes Vorgehen gegen israelbezogenen Antisemitismus und bezogen sich dabei ausdrücklich auf BDS.
Gegen mehrere Personen aus dem Umfeld von Dar al Janub ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Der Verein weist die Vorwürfe zurück.
Laut einem Bericht der Dokumentationsstelle Politischer Islam verbreitet Dar al Janub online Hamas-Propaganda, der Sprecher posierte 2021 mit Hamas-Führungsfigur Ismail Haniyya. Zudem soll Dar al Janub eine Organisation unterstützt haben, die Israels Inlandsgeheimdienst einem mutmaßlichen Hamas-Finanzierungsnetzwerk zurechnet.
CAGE: Dschihad-Zitat und schwere Vorwürfe
Als weiteren problematischen Kontakt nennt Heinisch CAGE Austria. Die Organisation war bei einer Konferenz der Dokustelle an der Universität Wien am Podium vertreten. Heinisch schreibt dazu: „Die Dokustelle arbeitet mit CAGE zusammen.“ CAGE stehe „in Verdacht, Terrororganisationen wie al-Qaida zu unterstützen“. Zudem werde der Organisation von Kritikern vorgeworfen, „die Scharia-Rechtsprechung zu befürworten“ und sich nicht klar gegen „die Todesstrafe durch Steinigung“ sowie gegen „weibliche Genitalverstümmelung“ zu positionieren.
Brisant ist auch das Personal: CAGE Austria lud bei einer Iftar-Feier in Wien den deutschen Salafisten Marcel Krass und den Londoner CAGE-Direktor Dr. Adnan Siddiqui ein. Die Dokumentationsstelle Politischer Islam bezeichnet Siddiqui als „Londoner Islamisten und Kalifats-Verfechter“. Der britische Telegraph zitierte ihn mit den Worten, Dschihad sei ein „wichtiges Konzept“; in manchen Fällen seien Selbstmordanschläge „ein Preis, den es wert sei zu zahlen“. Auf die Frage, ob er frühere Aussagen über einen solchen Anschlag weiterhin unterstütze, habe Siddiqui geantwortet: „Das tue ich tatsächlich.“
Heinisch richtet an die Medien eine Frage: „Würden Berichte von Organisationen, die Verbindungen ins rechtsextreme Spektrum aufweisen, ebenso unkritisch übernommen werden?“ Damit wird der neue Dokustellen-Report selbst zum Politikum.

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