Wallner bezeichnete die Vorgänge rund um die Causa Ruck als „sehr chaotisch“. Das Bild, das dadurch entstehe, sei alles andere als positiv. „Es hilft der Volkspartei überhaupt nicht“, betonte der Vorarlberger Landeshauptmann in Interviews mit mehreren Bundesländerzeitungen.
Einen direkten Rücktrittsaufruf wollte der ÖVP-Politiker allerdings vermeiden. Es sei nicht seine Aufgabe, aus Vorarlberg einem Wiener Spitzenfunktionär den Rückzug nahezulegen. Vielmehr müsse jeder Betroffene selbst erkennen, welche Konsequenzen in einer solchen Situation angebracht seien, berichtet der Kurier.
Schweigen statt Rückzug
Walter Ruck selbst hält sich seit Bekanntwerden der geleakten Gesprächsprotokolle bedeckt. Öffentliche Stellungnahmen bleiben aus. Offenbar setzt der Wiener Wirtschaftskammerpräsident auf den Rückhalt innerhalb des Wiener Wirtschaftsbundes – der derzeit als letzte starke Bastion innerhalb der Volkspartei gilt.
Aus anderen Landesorganisationen der ÖVP gibt es zwar kaum offene Solidaritätsbekundungen, doch ebenso wenig öffentliche Unterstützung.
Für zusätzliche Diskussionen sorgt die Unterstützung, die Ruck von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) erhält. Während zahlreiche Spitzenpolitiker – auch aus der ÖVP – deutliche Distanz zu Ruck suchen, stellte sich Ludwig demonstrativ hinter den Wirtschaftskammerpräsidenten und lobte die langjährige Zusammenarbeit.
Innerhalb der Volkspartei stößt diese Haltung auf Unverständnis. Medien berichten von einer „irritierenden Deckung“ aus der SPÖ, zumal sich dort selbst prominente Stimmen von Rucks Aussagen distanzieren.
SPÖ-Frauen widersprechen Ludwig
Besonders deutlich fiel die Reaktion von Frauenministerin und SPÖ-Frauenvorsitzender Eva-Maria Holzleitner aus. Sie kritisierte die in den veröffentlichten Protokollen geschilderten „exklusiven Herrenrunden“ scharf und sprach von einem veralteten Politikverständnis. Gleichstellung sei kein Nebenthema, sondern eine demokratische Verpflichtung, betonte sie.
Damit positioniert sich die SPÖ in der Causa keineswegs geschlossen – während Ludwig auf Kontinuität setzt, fordern andere Parteivertreter eine klare Abgrenzung.
Erste Austritte und Nachfolgedebatte
Hinter den Kulissen dürfte der Druck auf Ruck weiter wachsen. Medienberichten zufolge soll es bereits erste Austritte aus dem Wirtschaftsbund geben. Gleichzeitig formiert sich offenbar eine Gruppe ehemaliger Funktionäre, die eine mögliche Nachfolge vorbereiten möchte.
Ob daraus tatsächlich ein personeller Wechsel entsteht, bleibt allerdings offen.
Nach Informationen aus seinem Umfeld setzt Walter Ruck vorerst auf eine Strategie des Schweigens. Demnach wolle er die öffentliche Debatte aussitzen, einige Wochen auf Tauchstation gehen und anschließend versuchen, parteiintern wieder Ruhe einkehren zu lassen.
Ob dieses Kalkül angesichts der anhaltenden Kritik und des wachsenden politischen Drucks aufgeht, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.

Kommentare
Lädt Kommentare...