Brisant ist die Situation vor allem deshalb, weil Ruck kraft seiner Funktion als Wiener Wirtschaftsbund-Chef automatisch auch Mitglied im Landesparteivorstand der Wiener ÖVP ist. Ob er diesen Sitz behalten kann, ist derzeit offen. Aus seinem unmittelbaren Umfeld heißt es, er werde an seiner Position festhalten. Aus der Wiener ÖVP wiederum ist das genaue Gegenteil zu vernehmen – dort geht man davon aus, dass ein Verbleib eines Ex-Parteimitglieds in den eigenen Gremien nicht in Frage kommt.
Schulz zwischen den Fronten
Auch für Wirtschaftsbund-Chefin Martha Schulz wird die Lage zunehmend unangenehm. Einen Präsidenten in den eigenen Reihen zu haben, der kein Parteimitglied mehr ist, gilt auf Dauer als kaum haltbarer Zustand – ein politischer Drahtseilakt. Wie sie mit der Causa umgehen wird, ist bislang völlig offen: Einfach ist die Ausgangslage jedenfalls nicht. Als Präsident der Wirtschaftskammer lässt sich Ruck nicht ohne Weiteres absetzen, und auch im Wiener Wirtschaftsbund hält ihm das eigene Präsidium nach wie vor die Treue.
Ein gefährlicher Gegenspieler
Klar ist damit vor allem eines: Mit dem Ausschluss hat sich die ÖVP einen potenziell gefährlichen Gegenspieler geschaffen. Für Ruck entfällt nun jeder Grund, sich aus Loyalität zur Partei zurückzuhalten – weder bei öffentlichen Kommentaren noch im kollegialen Umgang mit der ÖVP. Zum ernsten Problem könnte das nicht nur für die Wiener Landespartei werden, sondern auch für die Bundespartei selbst, die sich mit dem Ausschluss einen einflussreichen und nun unabhängigen Widersacher geschaffen hat.

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