Die Einbürgerungen in Österreich steigen weiter stark. Laut Statistik Austria wurde im ersten Quartal 2026 insgesamt 6.641 Personen die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Das sind 1.162 Personen mehr als im ersten Quartal 2025 – ein Plus von 21,2 Prozent.

Doch die eigentliche Brisanz steckt nicht in der Gesamtzahl. Sie steckt in den Inlandseinbürgerungen.

Inlandseinbürgerungen schießen nach oben

Besonders brisant: Der Boom kommt nicht aus dem Ausland, sondern aus dem Inland. Zwar ist die Gesamtstatistik seit 2020 stark von Einbürgerungen im Ausland lebender Personen geprägt – vor allem von politisch Verfolgten des NS-Regimes und deren Nachkommen, dazu kommen einzelne weitere Fälle wie im Ausland lebende Ehepartner oder Kinder österreichischer Staatsbürger. Doch im ersten Quartal 2026 gingen die Auslandseinbürgerungen sogar zurück – von 2.188 auf 1.955.

Der Zuwachs liegt also bei Menschen, die tatsächlich in Österreich wohnen: 4.686 Personen mit Inlandswohnsitz wurden eingebürgert, ein Plus von 42,4 Prozent. Genau diese Zahl ist für die Debatte über Migration, Integration, Wahlrecht und Staatsbürgerschaft entscheidend.

Merkels Selfie aus der Flüchtlingskrise wurde zum Symbol von 2015 – zehn Jahre später zeigt sich die Asylbewegung auch in der Einbürgerungsstatistik.
Merkels Selfie aus der Flüchtlingskrise wurde zum Symbol von 2015 – zehn Jahre später zeigt sich die Asylbewegung auch in der Einbürgerungsstatistik.

Syrer fast jeder vierte neue Inlands-Bürger

Unter den neuen Staatsbürgern mit Wohnsitz in Österreich stellen Syrer inzwischen mit großem Abstand die größte Gruppe. Im ersten Quartal 2026 wurden 1.110 Personen mit bisheriger syrischer Staatsangehörigkeit eingebürgert. Das sind 23,7 Prozent aller Inlandseinbürgerungen. Damit hatte fast jeder vierte neue Inlands-Staatsbürger zuvor die syrische Staatsangehörigkeit.

Auf Platz zwei folgt die Türkei mit 496 Einbürgerungen beziehungsweise 10,6 Prozent. Afghanistan liegt mit 420 Einbürgerungen beziehungsweise 9,0 Prozent auf Platz drei. Danach kommen Bosnien-Herzegowina mit 203 Einbürgerungen beziehungsweise 4,3 Prozent und Iran mit 194 Einbürgerungen beziehungsweise 4,1 Prozent.

Fünf Staaten stellen mehr als die Hälfte

Syrien liegt damit nicht nur knapp vorne. Die Zahl syrischer Inlandseinbürgerungen ist mehr als doppelt so hoch wie jene der Türkei auf Platz zwei.

Auch die Konzentration auf wenige Herkunftsstaaten nimmt zu. Mehr als die Hälfte aller im Inland lebenden Eingebürgerten – konkret 51,7 Prozent – hatte zuvor die Staatsangehörigkeit eines von nur fünf Staaten: Syrien, Türkei, Afghanistan, Bosnien-Herzegowina oder Iran.

Schon 2025 entfielen 48,8 Prozent der Inlandseinbürgerungen auf diese fünf Staaten. Mit Syrien, Afghanistan und Iran stehen gleich drei Staaten im Zentrum, die stark mit Flucht- und Migrationsbewegungen aus dem Nahen und Mittleren Osten verbunden sind.

Viele Kinder früherer Zuwanderer wachsen längst in Österreich auf – mehr als ein Fünftel der neuen Staatsbürger wurde bereits hier geboren.
Viele Kinder früherer Zuwanderer wachsen längst in Österreich auf – mehr als ein Fünftel der neuen Staatsbürger wurde bereits hier geboren.

Von 83 auf 3.189: Der Syrer-Anstieg

Der Langfristvergleich zeigt die ganze Wucht der Verschiebung. Im Jahr 2013 wurden erst 83 Syrer im Inland eingebürgert. 2015 waren es sogar nur 79. Syrien spielte in der Staatsbürgerschaftsstatistik damals nur eine Nebenrolle.

Dann begann der starke Anstieg. 2021 wurden bereits 543 Personen mit bisheriger syrischer Staatsangehörigkeit eingebürgert. 2022 waren es 1.165, 2023 bereits 1.866, 2024 schließlich 2.241. Im Jahr 2025 folgte der nächste Sprung: 3.189 Personen mit bisheriger syrischer Staatsangehörigkeit und Wohnsitz in Österreich wurden eingebürgert. Ein Rekord.

Damit lag Syrien bereits im vergangenen Jahr klar auf Platz eins. Seit 2015 hat sich die Zahl syrischer Inlandseinbürgerungen damit ungefähr vervierzigfacht.

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Zehn Jahre Nach 2015 Syrer Dominieren Einbuergerungen

Doch heuer wird der nächste Rekord angepeilt. Allein im ersten Quartal 2026 wurden bereits 1.110 Syrer eingebürgert. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 waren es durchschnittlich rund 797 pro Quartal. Das erste Quartal liegt deutlich über dem rechnerischen Vorjahresschnitt. Eine Jahresprognose ist daraus noch nicht abzuleiten. Aber der Befund ist klar: Der syrische Anstieg hat sich nicht erledigt. Er geht weiter.

Das Asyljahr 2015 wirkt nach

Nicht nur Syrien fällt auf. Auch Afghanistan ist mittlerweile fest in der Spitzengruppe der Einbürgerungsstatistik angekommen. Im ersten Quartal 2026 wurden 420 Personen mit bisheriger afghanischer Staatsangehörigkeit eingebürgert. Im Gesamtjahr 2025 waren es bereits 1.301. Afghanistan ist neben Syrien die zweite große Asyl-Herkunft, die nun stark in der Staatsbürgerschaftsstatistik sichtbar wird.

Damit rückt wieder das Asyljahr 2015 in den Mittelpunkt. Damals wurden in Österreich 88.340 Asylanträge gestellt – ein historischer Höchstwert, der erst 2022 mit 112.272 Asylanträgen überboten wurde. Zehn Jahre später schlagen sich diese Fluchtbewegungen immer stärker in der Staatsbürgerschaftsstatistik nieder.

Nicht jeder, der seit 2015 in Österreich lebt oder als Asylberechtigter anerkannt wurde, erhält automatisch die Staatsbürgerschaft. In der allgemeinen Schiene sind dafür nicht nur zehn Jahre rechtmäßiger Aufenthalt nötig, sondern unter anderem auch Deutschkenntnisse, gesicherten Lebensunterhalt, Unbescholtenheit und eine Sicherheitsprüfung.

Doch der Trend ist eindeutig. Und: Die 2015er-Kohorte ist nicht das Ende der Entwicklung. In den Jahren 2016 und 2017 gab es ebenfalls hohe Zahlen positiver Asylbescheide – besonders bei Syrern und Afghanen. Diese Gruppen erreichen ihre relevanten Aufenthaltsfristen erst nach und nach.

2016 suchten Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) nach Antworten auf die Asylkrise. Zehn Jahre später sind beide Landeshauptleute – und die Nachwirkungen von damals zeigen sich in den Einbürgerungszahlen.
2016 suchten Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) nach Antworten auf die Asylkrise. Zehn Jahre später sind beide Landeshauptleute – und die Nachwirkungen von damals zeigen sich in den Einbürgerungszahlen.

Mehr Rechtsanspruch, mehr Familien

Auch die Gründe der Einbürgerungen zeigen eine klare Bewegung.

Mehr als zwei Drittel aller Einbürgerungen im ersten Quartal 2026 erfolgten laut Statistik Austria aufgrund eines Rechtsanspruchs: 4.699 Personen, das sind 70,8 Prozent.

Besonders stark zugenommen haben Einbürgerungen in einer verkürzten gesetzlichen Schiene: nach mindestens sechsjährigem Wohnsitz in Österreich und aus besonders berücksichtigungswürdigen Gründen. Dazu zählen laut Statistik Austria etwa nachgewiesene Deutschkenntnisse, nachhaltige Integration oder Asylberechtigung. Diese Gruppe stieg im ersten Quartal um 40,8 Prozent auf 2.309 Personen (34,8 Prozent aller Einbürgerungen).

Ebenfalls deutlich gestiegen sind Einbürgerungen von Ehepartnern und Kindern österreichischer Staatsbürger. Hier nennt Statistik Austria 1.578 Personen – ein Plus von fast drei Vierteln gegenüber dem Vorjahresquartal. Fast die Hälfte der Eingebürgerten im ersten Quartal waren Frauen: 3.257 Personen, also 49,0 Prozent. Rund ein Drittel waren Minderjährige: 2.173 Personen, also 32,7 Prozent.

Mehr als ein Fünftel der neuen Staatsbürger wurde bereits in Österreich geboren: 1.496 Personen, also 22,5 Prozent.

Wien stark – aber nicht allein

Auch regional zeigt sich der Trend deutlich. In sieben Bundesländern wurden im ersten Quartal 2026 mehr Personen eingebürgert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besonders stark war der relative Anstieg in der Steiermark mit plus 95,9 Prozent auf 580 Personen. Dahinter folgen Kärnten mit plus 86,8 Prozent auf 198 Personen und Wien mit plus 78,2 Prozent auf 1.684 Personen.

Wien bleibt damit absolut der wichtigste Schauplatz. Aber die Dynamik ist nicht nur ein Wiener Phänomen.

Rückgänge gab es nur in Oberösterreich und im Burgenland. Oberösterreich verzeichnete ein Minus von 14,4 Prozent auf 546 Personen, das Burgenland ein Minus von 9,6 Prozent auf 75 Personen.

Keine Welle – oder doch?

Die Zahlen liefern neuen Stoff für eine aufgeheizte Debatte.

Die FPÖ warnt seit längerem vor einer Einbürgerungswelle infolge des Asyljahres 2015. Ihre Argumentation: Asyl sei Schutz auf Zeit und dürfe nicht durch bloßen Zeitablauf in Staatsbürgerschaft münden. Gegner solcher Verschärfungen und die anderen Parteien verweisen dagegen auf Österreichs besonders strenges Staatsbürgerschaftsrecht. Wer einen österreichischen Pass erhalten will, muss Einzelfallprüfungen und Sicherheitsprüfungen bestehen, sowie Integrationsanforderungen und finanzielle Voraussetzungen erfüllen.

Es gibt keinen Automatismus – aber die großen Asylkohorten der Jahre 2015, 2016 und 2017 kommen nun statistisch sichtbar bei den Einbürgerungen an. Genau das treibt die Zahlen nach oben. Was 2015 und in den Jahren danach als Asyl- und Migrationsbewegung begann, erreicht nun die nächste Stufe: den österreichischen Pass.