In einer gemeinsamen Erklärung nach Gesprächen zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern am Mittwoch (Ortszeit) in der US-Hauptstadt Washington hieß es, die Waffenruhe sei unter anderem abhängig von einer kompletten Einstellung der Angriffe der proiranischen Hisbollah-Miliz gegen Israel.

Im aktuellen Konflikt stehen sich Israel und die schiitische Miliz gegenüber. Die libanesische Regierung ist selbst keine Kriegspartei und hat nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah.

Sicherheitszonen geplant

In der gemeinsamen Erklärung ist die Einrichtung sogenannter Pilotzonen im Libanon vorgesehen, in denen ausschließlich die regulären libanesischen Streitkräfte die Kontrolle ausüben sollen. Die Hisbollah soll sich aus den Gebieten südlich des Litani-Flusses, also aus dem Gebiet nahe der Grenze zu Israel, zurückziehen. Wie genau diese Sicherheitszonen aussehen sollen, ist noch unklar. „Diese Schritte werden Fortschritte hin zu einem umfassenden Friedens- und Sicherheitsabkommen ermöglichen”, heißt es in der Erklärung.

Es wurden zunächst keine Angaben dazu gemacht, ob es sich bei dem neuen Bekenntnis zur Waffenruhe um eine zeitlich begrenzte Verlängerung handelt. Zuvor war die Waffenruhe jeweils befristet verlängert worden.

Die Zukunft der Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon müsse von den beiden Regierungen selbst entschieden werden. Jeder Versuch „staatlicher oder nichtstaatlicher Akteure”, den Libanon als Geisel zu nehmen, werde zurückgewiesen. Dies schien ein deutlicher Bezug auf den Iran zu sein, der die Hisbollah unterstützt. Im Rahmen der Verhandlungen mit den USA über ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs fordert Teheran auch ein Ende des Libanon-Konflikts. Die Hisbollah ist nicht Teil der israelisch-libanesischen Gespräche.

Krieg ging trotz Waffenruhe weiter

Israel und die Hisbollah standen infolge des Gaza-Kriegs bereits in einem offenen Konflikt. Die im November 2024 geschlossene Waffenruhe war damals bereits äußerst brüchig. Israel griff weiterhin Hisbollah-Ziele im Libanon an und warf der Schiitenmiliz vor, sich entgegen der Vereinbarungen der Waffenruhe neu zu bewaffnen. Im Zuge des Iran-Kriegs, den Israel und die USA Ende Februar begonnen hatten, begann auch die Hisbollah, erneut Raketen in Richtung Israel abzufeuern. Es kam zu einer erneuten Eskalation.

Mitte April wurde im Rahmen der Gespräche zwischen Israel und dem Libanon erstmals wieder eine Waffenruhe verkündet. Sie wurde seitdem mehrfach verlängert. In der Realität ging der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah jedoch weiter. Die Hisbollah setzte ihren Beschuss auf Israel fort, genauso wie Israel seine teils massiven Angriffe auf Hisbollah-Stellungen, vor allem im Südlibanon. Zudem drang das israelische Militär immer weiter in das Landesinnere des Libanons vor.

Historische Gespräche

Der Libanon und Israel pflegen keine diplomatischen Beziehungen und haben nie ein Friedensabkommen geschlossen. Seit April dieses Jahres sprechen israelische und libanesische Regierungsvertreter erstmals seit 1983 wieder auf politischer Ebene direkt miteinander. Aktuell findet die vierte Gesprächsrunde statt.