Die erste Syrien-Bilanz des Jahres fällt für Österreich ernüchternd aus: Bei syrischen Staatsbürgern verzeichnete das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) von Jänner bis März 2026 insgesamt 279 Ausreisen. Der Großteil davon erfolgte nicht durch Abschiebung, sondern freiwillig. 268 Syrer reisten freiwillig aus, nur 11 wurden zwangsweise außer Landes gebracht. Gleichzeitig leben weiterhin mehr als 104.000 syrische Staatsbürger in Österreich.

Noch deutlicher wird die Schieflage beim Blick ins Detail: Von diesen 11 zwangsweisen Außerlandesbringungen waren lediglich 8 tatsächliche Abschiebungen. Die übrigen 3 Fälle waren Dublin-Überstellungen – also Rücküberstellungen in andere europäische Staaten, die nach der Dublin-Verordnung für das Asylverfahren zuständig sind. Abschiebung nach Syrien sind das nicht. Das heißt: In drei Monaten wurden statistisch gesehen nicht einmal drei Syrer pro Monat tatsächlich abgeschoben.

2107 positive Entscheidungen für Syrer

Gleichzeitig traf das BFA im selben Quartal 2107 positive Entscheidungen für syrische Staatsbürger. Davon entfielen 597 auf den Asylstatus und 1495 auf subsidiären Schutz. Weitere 15 Syrer erhielten Aufenthaltstitel nach §§ 55–57 AsylG – sprich: besondere Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Umständen, etwa humanitärer oder rechtlicher Art. Kurz: Österreich gewährt Syrern weiterhin in großem Umfang Schutz.

Die durchschnittliche Verfahrensdauer erstinstanzlicher Bescheide beträgt laut BFA 10,2 Monate. Viele dieser Betroffenen dürften daher schon länger in Österreich gewesen sein. Am Befund ändert das nichts: Auf 8 tatsächliche Abschiebungen kommen 2107 positive Schutz- oder Aufenthaltstitelentscheidungen. Die Statistik zeigt daher keine Rückführungswende, sondern vor allem eine weiterhin hohe Zahl positiver Syrien-Bescheide.

1971 Aberkennungsverfahren gegen Syrer

Auf den ersten Blick könnte man einwenden: Das BFA prüft doch längst, ob Syrer ihren Schutzstatus wieder verlieren können. Tatsächlich wurden im 1. Quartal 1971 Aberkennungsverfahren gegen Syrer eingeleitet. Davon entfielen 755 auf „geänderte Umstände“, 202 auf Straffälligkeit, 113 auf gemeldete Reisebewegungen und 126 auf die Prüfung einer Verlängerung des Aufenthaltstitels.

Das ist ein wichtiger Befund: Die Behörde reagiert auf die veränderte Lage in Syrien und prüft massenhaft alte Schutzentscheidungen. Aber diese Verfahren ersetzen keine Rückführungen. Solange aus Aberkennungen nicht tatsächliche Ausreisen oder Abschiebungen folgen, bleibt der praktische Effekt aus.

Auch konkrete Aberkennungen gab es bereits: Im 1. Quartal wurden 502 Aberkennungsentscheidungen gegen Syrer erlassen. 324 betrafen den Asylstatus, 178 den subsidiären Schutz. Das zeigt: Schutz wird nicht nur gewährt, sondern auch wieder entzogen – doch auch hier gilt: Eine Aberkennung ist noch keine Abschiebung.

Syrien bleibt bei Asylanträgen vorne

Auch bei den neuen Asylanträgen bleibt Syrien ein Schwerpunkt. Im 1. Quartal wurden 666 Asylanträge von Syrern registriert. Damit liegt Syrien knapp vor Afghanistan mit 651 und deutlich vor Somalia mit 152 Anträgen. Trotz veränderter Lage im Herkunftsland bleibt Syrien in der österreichischen Asylstatistik ganz vorne.

Dazu kamen bei Syrern 406 negative Entscheidungen – 329 abweisende und 77 zurückweisende – sowie 89 sonstige Entscheidungen. Das relativiert das Bild: Anders als früher ändert nicht mehr fast jeder syrische Fall positiv. Aber die Zahl der positiven Entscheidungen liegt weiterhin deutlich höher als die der negativen.

Rückkehr fast nur freiwillig und unterstützt

Besonders auffällig ist auch die Art der Rückkehr: Von den 268 freiwilligen syrischen Ausreisen erfolgten 265 als unterstützte freiwillige Rückkehr. Nur 3 waren sonstige freiwillige Ausreisen. Das heißt: Rückkehr nach Syrien findet in der Statistik fast ausschließlich mit organisatorischer oder finanzieller Unterstützung statt.

Somit steht fest: Österreich gewährt Syrern weiterhin in großer Zahl Schutz, prüft gleichzeitig massenhaft Aberkennungen – doch tatsächliche Abschiebungen bleiben selten. Im 1. Quartal 2026 waren es genau 8.