Die EU und Bangladesh rücken enger zusammen. Das neue Partnerschafts- und Kooperationsabkommen wurde zwar noch nicht endgültig unterzeichnet, aber bereits paraphiert – der Weg zur formellen Unterzeichnung und Ratifikation ist damit bereitet. Das Abkommen umfasst laut EU 82 Artikel und soll die Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen vertiefen: Handel, Investitionen, Energie, Transport, Landwirtschaft, Sicherheit, Finanzen, maritime Fragen – und ausdrücklich auch Migration sowie „people-to-people exchanges“, also zwischenmenschlichen Austausch.
Was harmlos klingt, ist politisch brisant. Denn im Fall Bangladesh steht dieser „Austausch“ nicht allein. Schon seit 2024 läuft eine sogenannte Talent Partnership zwischen der EU und Bangladesh. Ihr Ziel: legale und sichere Mobilitätswege in die EU schaffen, bangladeschische Arbeitskräfte qualifizieren und sie auf die Anforderungen europäischer Arbeitsmärkte vorbereiten.
3000 Arbeitskräfte sollen vorbereitet werden
Umgesetzt wird das Projekt von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Laut ILO sollen unter anderem 3000 bangladeschische Arbeitnehmer für internationale Jobchancen vorbereitet werden. Das EU-Projekt läuft von Juli 2024 bis Juni 2027 und hat ein Budget von drei Millionen Euro.
Eine vergleichbare Zahl von Europäern, die für Jobs in Bangladesh vorbereitet werden sollen, findet sich in den offiziellen Unterlagen nicht.
Das zeigt, worum es praktisch geht: Nicht Europäer sollen massenhaft nach Dhaka aufbrechen. Vielmehr sollen Arbeitskräfte aus Bangladesh fit gemacht werden für europäische Arbeitsmärkte.
Brüssel spricht von „Skills“, „Mobility“ und „Talent“
Bangladesh ist dabei kein Einzelfall. Die EU setzt mittlerweile systematisch auf sogenannte Talent Partnerships – unter anderem mit Marokko, Tunesien, Ägypten, Pakistan und Bangladesh. Offiziell sollen sie Fachkräftemangel in Europa lindern, legale Migrationswege schaffen und zugleich die Zusammenarbeit mit Herkunftsländern beim Migrationsmanagement verbessern.
Die Sprache ist weich: Skills. Mobility. Talent. Partnership. Austausch. Die Richtung ist härter: Migration wird nicht gestoppt, sondern kanalisiert, qualifiziert und verwaltet.
Für Bangladesh nennt die EU unter anderem IT, Bau, Textil- und Bekleidungsindustrie, Schiffbau, Landwirtschaft sowie Tourismus und Gastgewerbe als relevante Sektoren. Genau dort sollen Qualifikationen, Ausbildung und Arbeitsmarktbedarf besser zusammengeführt werden.
Keine Völkerwanderung – aber neue Infrastruktur
Fairerweise muss man sagen: Bisher haben diese Programme keine riesigen Migrationsströme ausgelöst. 3000 vorbereitete Arbeitnehmer sind keine Völkerwanderung.
Aber politisch entscheidend ist nicht nur die aktuelle Zahl. Entscheidend ist die Infrastruktur, die Brüssel Stück für Stück aufbaut: Qualifikationsprogramme, Anerkennung von Abschlüssen, Vermittlungsmodelle, Arbeitgeberkontakte, legale Mobilitätswege, Rückkehr- und Reintegrationskooperation. Oder zugespitzt: Noch kommen nicht Hunderttausende über solche Programme. Aber die Rohre werden verlegt.
Interessant ist die politische: Aus Zuwanderung wird Mobilität. Aus Arbeitsmigration wird Talent. Aus Migrationspolitik wird zwischenmenschlicher Austausch. Man kann diese Strategie befürworten oder ablehnen. Aber Europas Bürger sollten wissen, was hinter den harmlosen Brüsseler Formeln steckt.

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