Nach Angaben der Europäischen Kommission habe Temu seine Verpflichtungen aus dem Digital Services Act (DSA) nicht ausreichend erfüllt. Konkret wirft die Behörde dem Unternehmen vor, Gefahren für Verbraucher nicht umfassend analysiert und bewertet zu haben.
Aus Sicht der EU handelt es sich dabei nicht um einen bloßen Formfehler, sondern um einen besonders schwerwiegenden Verstoß gegen die geltenden Vorschriften für große Online-Plattformen.
Die Kommission sieht ein erhebliches Risiko, dass Verbraucher innerhalb der Europäischen Union auf Produkte stoßen, die gegen geltende Regeln verstoßen oder Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen.
EU kritisiert mangelhafte Risikobewertung
Besonders deutlich äußerte sich Henna Virkkunen, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und zuständig für digitale Angelegenheiten.
„Die Risikobewertung von Temu unterschätzt konkrete Risiken, ist zu unspezifisch, stützt sich nicht auf solide Beweise und ist nicht umfassend.“
Nach Einschätzung der Behörde habe Temu mögliche Gefahren lediglich oberflächlich untersucht und sich dabei überwiegend auf allgemeine Erkenntnisse über den Online-Handel gestützt. Stattdessen hätte die Plattform ihre eigenen Produktangebote, Lieferketten und Werbestrukturen deutlich intensiver analysieren müssen.
„Die Risikobewertung zeige nicht das tatsächliche Ausmaß des potenziellen Schadens“, kritisierte Virkkunen.
130 Millionen europäische Kunden erhöhen den Druck
Die Bedeutung des Falls wird auch durch die enorme Reichweite der Plattform deutlich.
Nach Angaben der EU-Kommission erreicht Temu inzwischen rund 130 Millionen Nutzer in Europa. Dadurch können sich mögliche Sicherheitsprobleme oder Verstöße in kurzer Zeit auf eine große Zahl von Verbrauchern auswirken.
Bedenken bei Babyspielzeug
Besonders kritisch bewerteten die Behörden verschiedene Baby- und Kinderprodukte. Nach Angaben der Kommission überschritten zahlreiche getestete Artikel zulässige Grenzwerte für bestimmte Chemikalien. Darüber hinaus wurden Produkte identifiziert, bei denen sich kleine Bauteile lösen konnten und dadurch Erstickungsgefahr bestand.
Die Funde verstärkten den Eindruck der Ermittler, dass die Plattform Schwächen bei der Überwachung und Kontrolle sensibler Produktgruppen aufweist.

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