Dan Schueftan zählt zu den profiliertesten israelischen Sicherheitsexperten. Er leitet das International Program of National Security an der Universität Haifa und berät seit Jahrzehnten israelische Entscheidungsträger, darunter die ehemaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und Ariel Sharon.
Seine Einschätzung zum Iran-Krieg fällt deutlich optimistischer aus als jene vieler westlicher Analysten: „Der radikale Teil der arabischen Welt ist heute um 70 bis 80 Prozent geschwächt im Vergleich zu vor zweieinhalb Jahren.“ Für Schueftan ist genau das entscheidend: nicht ein endgültiger Sieg, sondern eine klare Verschiebung der Kräfteverhältnisse. „Wenn die Lage heute um 80 Prozent besser ist und in zwei Wochen um 90 Prozent, dann haben wir sehr viel erreicht.“
„Ziele? Quatsch!“
Ein zentraler Kritikpunkt westlicher Sicherheitsexperten: Die USA und Israel verfolgten zu viele Ziele gleichzeitig – vom Atomprogramm bis zum möglichen Regimewechsel. Schueftan weist das entschieden zurück: „Die Frage, was wir endgültig und für immer erreichen, ist Quatsch.“
Relevant sei nur eines: „Ist die Lage besser als davor? Das ist der einzige Maßstab.“ Nicht ein definierter Endzustand zählt, sondern die konkrete Verbesserung der Lage.
Lehre aus dem Kalten Krieg
Zur Erklärung verweist Schueftan auf die Geschichte: „Auch gegenüber der Sowjetunion hat man nicht gleich alles erreicht – und trotzdem ist sie am Ende zerbrochen.“ Sein Punkt: Strategischer Erfolg entsteht nicht durch perfekte Planung, sondern durch langfristige Schwächung des Gegners.

Iran stoppen – nicht besiegen
Schueftan sieht Iran bereits massiv geschwächt: „Iran ist heute nicht mehr die regionale Macht, die es einmal war.“
Ein vollständiger Sieg sei dennoch unrealistisch: „100 Prozent gibt es im Nahen Osten nicht.“
Krieg ohne Endpunkt
Seine zentrale strategische These: „Man muss aufhören, in Kategorien von Problemlösung zu denken.“ Das bedeutet: kein endgültiger Frieden, kein klarer Endzustand, sondern eine dauerhafte Eindämmung von Bedrohungen.
Schueftan definiert den Erfolg vor allem über Zeit: „Je länger Iran braucht, um seine Fähigkeiten wieder aufzubauen, desto besser.“ Das Ziel ist nicht die vollständige Vernichtung des Gegners, sondern: Verzögerung, Schwächung, strategischer Zeitgewinn.
Israel wird stärker – trotz Krieg
Während der Gegner geschwächt wird, sieht Schueftan Israel im Aufstieg: „Israel kämpft – aber lebt gleichzeitig ein gutes Leben.“ Er verweist auf: hohe Lebenszufriedenheit der Israelis, wirtschaftliche Dynamik und demografischen Optimismus, sprich: hohe Geburtenrate, auch ohne die Ultraorthodoxen.
Seine Botschaft: Israel ist kein erschöpfter Staat im Dauerkrieg, sondern eine resiliente und wachsende Gesellschaft.
„Europa lebt in einer Fantasiewelt“
Besonders scharf fällt seine Kritik an Europa aus: „Europa ist impotent.“ Und weiter: „Wer nicht bereit ist, sich selbst zu verteidigen, wird nicht ernst genommen.“ Europa sei zwar kulturell beeindruckend – er selbst fühlt sich Europa verbunden. Doch zurzeit werde der Kontinent „ein wunderbares Museum“.
Strategisch sei Europa „nicht ernst zu nehmen.“ Was viele Europäer nicht erkennen. „Mit dem Bösen kann man nicht immer verhandeln – manchmal muss man es brechen.“ Sein Vorwurf: „Europa lebt in einer Fantasiewelt.“
„Wichtiger, geschätzt als geliebt zu werden“
Gleichzeitig sieht er Israels Stellung gestärkt: „Die USA brauchen eine regionale Macht – und das kann nur Israel sein.“
Auch wenn die öffentliche Meinung in den USA schwanke, gilt für Schueftan: „Es ist wichtiger, geschätzt als geliebt zu werden.“
Todesstrafe: klare Absage
Bei der Frage nach der Todesstrafe zeigt sich eine andere, normative Grenze: Sie werde nicht halten. Spätestens die nächste Regierung werde sie abschaffen, oder der Oberste Gerichtshof. Überdies sei ihre Einführung ein Fehler: „Das Schlimmste wäre, wenn wir werden wie unsere Feinde.“

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