Mit einem Vergleich sorgt Gernot Blümel auf LinkedIn für Aufmerksamkeit. Der ehemalige Finanzminister stellt den Wiener Mathematiker und ÖVP-Abgeordneten Rudi Taschner sowie den US-Tech-Milliardär Peter Thiel nebeneinander. Auf den ersten Blick hätten beide wenig gemeinsam, schreibt Blümel. Auf den zweiten Blick verbinde sie jedoch dasselbe Schicksal: Sie seien von jenen Kreisen „gecancelt“ worden, die sich selbst als Verteidiger von Offenheit und Meinungsfreiheit verstehen.

Als Beispiel nennt Blümel die Entscheidung des Senats der Universität Wien, Taschner das Goldene Doktordiplom nicht zu verleihen. Ausschlaggebend seien nicht dessen wissenschaftliche Leistungen gewesen, sondern öffentliche Positionen zu Themen wie Klimawandel, Gender oder Postcolonial Studies.

„Ein Warnsignal“

Auch die Kritik an der Einladung Peter Thiels zu den Wiener Festwochen sieht Blümel als Ausdruck derselben Entwicklung. Teile der Kulturszene hätten bereits das öffentliche Streitgespräch mit dem umstrittenen Unternehmer abgelehnt.

„Freiheit zeigt sich nicht beim Applaus für die eigene Position. Sie zeigt sich beim Aushalten der gegnerischen“, schreibt Blümel abschließend. Für ihn sind beide Fälle ein Warnsignal für den Zustand von Diskurs und Pluralismus in westlichen Institutionen.