Es sind keine angenehmen Zahlen, die Paul Morland gegen über der Standart zeigt. Der britische Demograf, der dieser Tage am St. Gallen Symposium spricht und dessen Bücher über Bevölkerungsentwicklung internationales Aufsehen erregten, hat dem Standard ein bemerkenswertes Interview gegeben – und seine Kernbotschaft ist so klar wie unbequem: Europa hat ein Kinderproblem. Und nein, Einwanderung ist nicht die Antwort.

„Europas Geburtenrate liegt fast überall unter 1,5″, sagt Morland dem Standard. Das Resultat: eine wachsende Pensionistenschicht, explodierende Gesundheitskosten, Staatsverschuldung – und am Ende Wirtschaftskrisen. Wer jetzt auf Zuwanderung als Allheilmittel setzt, denkt zu kurz, warnt der Experte.

„Es gibt keine Alternative zur Erhöhung der Geburtenrate.” – Paul Morland, Demograf, im Standard-Interview

Denn Einwanderung als Ersatz für fehlende Kinder sei ein „Pyramidenspiel”, so Morland: Man brauche immer mehr Zuzug, weil auch Einwanderer altern und ihre Geburtenraten rasch sinken. Und es gebe ein moralisches Problem: „Wollen wir wirklich die Besten und Klügsten aus Afrika abschöpfen?” Wer das tue, betreibe „eine Art biologischen Imperialismus”.

Dazu komme der politische Backlash. Wenn die einheimische Bevölkerung schrumpft und gleichzeitig Minderheiten wachsen, sei eine Reaktion „erwartbar”, sagt Morland – und verweist auf den Aufstieg rechter Parteien in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Österreich. „Als ich in den 1980er-Jahren aufgewachsen bin, war London noch eine überwiegend weiße britische Stadt. Heute sind in den Grundschulen weniger als 20 Prozent weiß.”

Die Lösung?

Was also tun? Morland plädiert für aktive Familienpolitik und einen kulturellen Wandel – und nennt das „Pronatalismus”. Das sei weder rechts noch links: „Die Sowjetunion war ein enthusiastischer Pronatalist, Frankreich ist es seit 1871.” Konkret schlägt er vor: mehr Kinderkrippen in Unternehmen, Homeoffice für Eltern, Steuererleichterungen für Familien.

Und Österreich? Morland nennt es nicht explizit – aber die Zahlen sprechen für sich. Wer in Wien die U-Bahn nimmt, sieht die Demografie mit eigenen Augen.