Ein kroatischer Wunderheiler starrt 75 Sekunden stumm ins Publikum. Schauspielerinnen lassen sich Haken unter die Haut piercen. Und die Stadt Wien zahlt dafür 13,6 Millionen Euro Steuergeld. Die 75. Wiener Festwochen sind eine Aneinanderreihung von Skurrilitäten – und der ORF sendete die Eröffnung erstmals nicht zur Primetime.
Die 75. Wiener Festwochen laufen auf Hochtouren. Die Eröffnung der„Republic of Gods“ – so das diesjährige Motto – fand am Freitag am Wiener Heldenplatz statt und wurde von 120.000 Menschen besucht.
Die Kritiken fallen nicht gut aus: Viele Medien kritisieren den Auftritt des selbsternannten kroatischen „Wunderheilers“ Braco. Seine Superkraft: sein angeblich „heilender Blick“. Für 75 Sekunden stand Josip Grbavac – so sein eigentlicher Name – auf der Bühne und starrte stumm in die Menge. „Eine Sekunde Liebe für jedes Jahr – der längste Blick der TV-Geschichte ein kleines Kunstwerk der Menschlichkeit“: so kommentierte Intendant Milo Rau den Auftritt.
Nackt-Performance, Live-Pierceshow
Vergangenen Samstag folgte dann der nächste Höhepunkt: Das 9-stündige „Pfingstspiel“ der österreichischen Skandal-Regisseurin Florentina Holzinger. Der erste Teil fand im Wiener Eislaufverein statt, der zweite In Schloss Prinzenbach bei Mistelbach. Es handelt sich um den früheren Spielort des „Orgien Mysterien Theaters“ des verstorbenen österreichischen Aktionskünstlers Herman Nitsch. Das „Orgien Mysterien Theaters“ ist ein jahrzehntelanges Gesamtkunstwerk, das Malerei, Musik, Blut, Fleisch und rituelle Handlungen vereinte. Nitsch selbst bezeichnete es als eine Art religiöses Ritual – eine Mischung aus griechischer Tragödie, katholischer Messe und dionysischem Exzess. Holzinger sieht sich in dieser Tradition.
In ihrem Stück gibt es ein nacktes Frauenorchester und Schauspielerinnen, die sich Haken unter die Haut piercen lassen, um dann mit Ketten darauf aufgehängt zu werden, um ein „letztes Abendmahl“ nachzumachen.

600.000 Euro für Urin-Projekt
Holzinger hat bereits rund 600.000 Euro Steuergeld für ihr Urin-Projekt bei der Biennale in Venedig erhalten. Dort verwandelte die Regisseurin den Österreich-Pavillion in eine “Seaworld Venice” – mit Menschen-Klöppel und Urin-Becken.
Insgesamt gibt die Stadt Wien für die Wiener Festwochen 2026, die bis 21. Juni laufen, 13,6 Millionen Euro Steuergeld aus.
Trump-Unterstützer Peter Thiel kommt
Doch es gibt auch Kritik von Linken: Kommenden Sonntag wird der US-Tech-Milliardär und Trump-Unterstützer Peter Thiel bei einer Veranstaltung erwartet. Am 7. Juni soll Thiel im Hotel Intercontinental über sein Lieblingsthema, den „Kampf gegen den Antichristen“, referieren. Unter dem Antichristen versteht der Mitbegründer von PayPal etwa Klima-Aktivisten oder einige internationale Unternehmen. Proteste gegen die Veranstaltungen werden erwartet. Eine Gage für seinen Auftritt erhalte Thiel nicht.
Eröffnung: Schlechter ORF-Sendeplatz
Die Eröffnung der Wiener Festwochen war immer auch ein Fernsehevent: In den vergangenen Jahren übertrug der ORF live ab 21.20 Uhr. Heuer war es anders: Das Event vergangenen Freitag am Heldenplatz startete zwar wie immer um 21.20 Uhr, wurde von ORF 2 aber erst ab 22.35 Uhr ausgestrahlt – für Einschaltquoten ist das kein guter Sendeplatz. Die Tageszeitung Kurier wollte daraufhin vom ORF wissen, warum sie die Uhrzeit veränderten. Die Antwort fällt unspektakulär aus: Es habe mit der „ESC-bedingten terminlichen Verschiebung“ zu tun. Wegen dem Eurovision Songcontest startete die „Republic of Gods“ – so das Motto der 75. Ausgabe der Wiener Festwochen – heuer nämlich eine Woche später als normal.

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