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Abgeseilt, über den Zaun, einfach nicht zurückgekommen
Den Auftakt machte im Juli 2025 ein 37-jähriger Tscheche, der aus der Justizanstalt Linz ausbrach – drei Tage vor seinem Prozess wegen gewerbsmäßigen Diebstahls von E-Bikes im Wert von 65.000 Euro. Ein Großaufgebot der Polizei suchte mit Hubschrauber die Innenstadt ab, mitten im Straßenkunstfestival Pflasterspektakel. Nach rund zwölf Stunden ließ sich der Mann widerstandslos festnehmen – der exxpress berichtete: Heuer verdichtete sich die Serie. Anfang Februar flog auf, dass ein 28-jähriger Somalier von einem Ausgang aus der Justizanstalt Graz-Jakomini nicht zurückgekehrt war – aufgefallen war er erst, als ihn ein Ladendetektiv am Grazer Hauptbahnhof beim Schnapsstehlen erwischte:Im selben Monat entkam ein Häftling in Tirol durch ein Fenster während eines Spitalsaufenthalts in Natters, wie das Justizministerium laut APA bestätigte. Er wurde einige Tage später gefasst.
Im April folgte der Salzburger Freigänger mit seinen 19 Straftaten. Im Mai seilte sich ein wegen Betrugs verurteilter 24-Jähriger mit verknüpften Hand- und Leintüchern aus einem Fenster der Justizanstalt Innsbruck ab – ausgerechnet ein Insasse, der sich laut Ministerium „im Rahmen von Vollzugslockerungen bereits als Freigänger unbewacht bewegen” durfte. Erst nach 18 Tagen klickten in Wattens die Handschellen. Und Ende Mai sprang ein Strafgefangener in der Justizanstalt Schwarzau am Steinfeld über den Zaun. Ein Polizeidiensthund spürte ihn drei Stunden später unter einem Laubhaufen auf, in
Schon vor Sporrer riss die Serie nicht ab
Neu ist das Phänomen freilich nicht. Im Juli 2024 spazierten zwei Frauen aus einem nicht-geschlossenen Bereich der Justizanstalt Josefstadt – die Jüngere blieb wochenlang verschwunden. Im Oktober 2024 entkam ein 19-jähriger Algerier über ein Gerüst aus der Sonderanstalt Mittersteig. Das Justizministerium räumte damals ein, dass es allein bis Ende Juli 2024 zu mindestens 22 Fluchten gekommen war, nach 24 Fällen im Jahr davor – der eXXpress berichtete:Und im Februar 2025, wenige Wochen vor Sporrers Angelobung, brach der Anführer der „Rammbock”-Bande aus der Justizanstalt Wiener Neustadt aus:Wie groß das Problem tatsächlich ist, zeigt eine im März publik gewordene parlamentarische Anfragebeantwortung des Justizministeriums an die FPÖ: Zwischen 2019 und 2024 gab es 17 Ausbrüche aus geschlossenen Bereichen der Justizanstalten sowie 809 Entweichungen aus nicht-geschlossenen Bereichen – der Großteil davon, 700 Fälle, waren Nichtrückkehrer von bewilligten Ausgängen. Elf Personen befanden sich zum damaligen Zeitpunkt noch auf der Flucht.
Die Fluchten fallen in eine heikle Phase
Die Serie fällt in eine Zeit, in der der Strafvollzug ohnehin unter Druck steht: 9.124 Häftlinge bei 8.422 Plätzen bedeuten eine Auslastung von 108 Prozent. Um die Anstalten zu entlasten, wollte Sporrer im Juni rund 500 Insassen in einer Einmalaktion vorzeitig freilassen – „Personen, die sich im Strafvollzug etwa bei Freigängen bewährt haben”, wie sie im „Kurier” erklärte. Ausgerechnet jenes Instrument also, das heuer in Salzburg, Graz und Innsbruck versagte.
Daraus wurde nichts: Nach scharfer Kritik – FPÖ-Justizsprecher Harald Stefan sprach von einer „Kapitulation des Rechtsstaats”, Kanzler Christian Stocker (ÖVP) erteilte einer pauschalen Freilassung eine Absage – musste die Ministerin die Pläne Ende Juni begraben„Wenn die Koalitionspartner nicht bereit dazu sind, nehme ich das zur Kenntnis”, räumte Sporrer laut „OÖNachrichten” ein. Stattdessen setzt die Regierung nun auf die Strafvollzugsnovelle, die die Überstellung ausländischer Häftlinge in ihre Heimatländer erleichtern soll – ein Versprechen mit langer Vorgeschichte:Bemerkenswert am Rande: Die Flucht an sich hat für Häftlinge in Österreich kein Strafverfahren zur Folge. „Die Flucht an sich sei strafrechtlich nicht relevant”, erklärte ein Sprecher des Landesgerichts Linz nach dem dortigen Ausbruch gegenüber den „OÖNachrichten”. Der Salzburger Freigänger muss sich damit nur für jene 19 Straftaten verantworten, die er während seiner zwei Monate in Freiheit begangen haben soll.

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