Helmut Fiedler ist FPÖ-Spitzenkandidat bei der Gemeinderatswahl in Neunkirchen und Bildungssprecher der FPÖ Niederösterreich. Im exxpress-Interview spricht er über Brennpunktschulen, Migration, Islamismus – und den politischen Machtkampf in seiner Heimatstadt.

Am Sonntag, dem 31. Mai, wählt Neunkirchen erneut einen Gemeinderat. Die reguläre Wahl liegt erst gut 16 Monate zurück: Nach dem Ausschluss von sieben FPÖ-Mandataren sowie Mandatsverzichten von SPÖ und Grünen waren nicht mehr genug Mandate besetzt. Deshalb schrieb die NÖ Landesregierung eine Neuwahl aus.

Helmut Fiedler tritt bei dieser Gemeinderatswahl als Spitzenkandidat der FPÖ Neunkirchen an. Zugleich ist er Landtagsabgeordneter und Bildungssprecher der FPÖ Niederösterreich. Im exxpress-Interview mit Stefan Beig ging es deshalb um beides: um die Lage an Niederösterreichs Schulen – und um den Wahlkampf in Neunkirchen.

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„Das Schulhaus steht in Flammen“

Gleich zu Beginn äußert sich Fiedler zur Bildungspolitik. Den Vorschlag von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS), die Volksschule auf sechs Jahre auszuweiten, lehnt er klar ab.

Das österreichische Schulsystem sei „ein großes Schulhaus, das in Flammen steht“. Stichwort Brennpunktschulen. Statt die wirklichen Probleme anzugehen, überlege man sich, „wie eines dieser Klassenzimmer neu ausgemalt wird“.

Brennpunktschulen: „Deutsch ist Voraussetzung“

In den Städten Niederösterreichs sieht Fiedler ein wachsendes Problem: St. Pölten, Wiener Neustadt – und seine Heimatstadt Neunkirchen. Dort gebe es Schulen, in denen viele Kinder dem Unterricht wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht folgen könnten.

Daneben existiere noch die heile Welt der Landschulen, wo ordentlicher Unterricht möglich sei. Fiedlers Position: Deutsch ist Voraussetzung für den Regelunterricht.

In manchen Klassen seien deutschsprachige Kinder bereits in der Minderheit. Die Folge: Viele Ressourcen fließen in die Förderung von Kindern aus nicht-integrationswilligen Familien, während österreichische Kinder auf der Strecke bleiben.

Fiedler (r.) im TV-Gespräch mit exxpress-Redakteur Stefan Beig (l.).
Fiedler (r.) im TV-Gespräch mit exxpress-Redakteur Stefan Beig (l.).

„Wir haben ein Remigrationsthema“

Beim Thema Migration formuliert Fiedler seine Position besonders scharf. Österreich habe in Wirklichkeit nicht ein Migrations-, sondern ein Remigrationsthema.

Für Menschen aus Afghanistan oder Syrien gelte aus seiner Sicht: Fallen die Asylgründe weg, muss die Rückkehr ins Heimatland folgen. Asyl sei Schutz auf Zeit. Nicht Schutz für immer.

Und: Wer Österreich, seine Kultur und seine Werte ablehne, gehöre nach Fiedlers Vorstellung zurück in sein Heimatland. Wörtlich spricht der FPÖ-Politiker davon, diese Menschen „in den Flieger zu setzen“.

Eine Ausnahme will er gelten lassen: Wer vom ersten Tag an arbeite, Deutsch lerne und sich einbringe, könne „ein wichtiger Bestandteil von Österreich“ sein. Das habe in der Vergangenheit funktioniert. Stichwort Balkankriege. Was sich in den vergangenen zehn Jahren abgespielt habe, sei dagegen massenhafte Migration von Integrationsunwilligen.

Lehrermangel: Spur führt für Fiedler zur ÖVP

Beim Lehrermangel teilt der Bildungssprecher in Richtung Volkspartei aus. Schuld sei eine alte Fehlplanung.

Bereits unter ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer Mitte der 2000er Jahre sei jungen Menschen abgeraten worden, Volksschullehrer zu werden. Es habe angeblich schon genug gegeben. Heute fehlen die Lehrer an allen Ecken und Enden.

Handyverbot? „Ich halte viel vom Begriff der Freiheit“

Beim Reizthema Handyverbot überrascht Fiedler mit einer betont liberalen Linie. Jeder Direktor wisse selbst am besten, was für seine Schule passe.

Generelles Verbot, Wegsperren während des Unterrichts oder ein vernünftiger Umgang – die Entscheidung gehöre so tief wie möglich gehalten. Direkt vor Ort.

Islamismus: „Hat bei uns nichts verloren“

Die neue niederösterreichische Stelle gegen Islamismus verteidigt Fiedler als sichtbares Ergebnis der schwarz-blauen Landesregierung. Sie war für die FPÖ Voraussetzung für das Arbeitsübereinkommen 2023.

Islamismus und Parallelgesellschaften hätten in Niederösterreich nichts verloren. Auch in den Schulen sei das Thema präsent – Schule sei immer ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die Bildungsdirektion sensibilisiere bereits Direktoren und Lehrer.

Fiedler hält fest: kein generelles Handyverbot, aber klare Kante gegen Islamismus.
Fiedler hält fest: kein generelles Handyverbot, aber klare Kante gegen Islamismus.

Neunkirchen: Neuwahl nach Sparpaket-Streit

Warum wird in Neunkirchen überhaupt neu gewählt? Im Oktober 2025 hatten Vizebürgermeister Marcus Berlosnig und sechs weitere FPÖ-Mandatare einem mit der ÖVP ausgehandelten Sparpaket zugestimmt. Die FPÖ Niederösterreich schloss sie umgehend aus der Partei aus.

Nach Mandatsverzichten von SPÖ und Grünen löste sich der Gemeinderat de facto selbst auf. Deshalb wird am 31. Mai neu gewählt.

Fiedler vergleicht den Bruch mit einer zerrütteten Beziehung. Sei das Vertrauen einmal weg, helfe nur der Schlussstrich.

Schwerer als der Bruch mit der Partei wiege für ihn aber etwas anderes: Die Mandatare hätten das Vertrauen jener rund 1.300 Wähler missbraucht, die der FPÖ im September 2025 ihre Stimme gegeben hätten. Sein Credo: Man könne nicht vor der Wahl A sagen und nach der Wahl B machen.

Sparpaket: „Zuerst bei der Politik selbst sparen“

Inhaltlich hat Fiedler gegen ein Sparpaket nichts. Sein Streit gilt dem Wie. Die FPÖ wolle ausgabenseitig sparen – nicht einnahmenseitig bei der Bevölkerung.

Konkret kritisiert er die Erhöhung von Gebühren um rund 20 Prozent. Müll, Kanal, Saisonkarte fürs Freibad – alles teurer für die Bürger. Stattdessen müsse die Stadt Verwaltung, öffentliche Einrichtungen und freiwillige Ausgaben prüfen. Auch der Repräsentationsfonds des Bürgermeisters gehöre auf den Tisch.

Der zentrale FPÖ-Antrag: Bezüge von Gemeinde- und Stadträten um 33 Prozent kürzen. Ersparnis laut Fiedler: rund 130.000 Euro pro Jahr. Bei knapp fünf Millionen Euro Konsolidierungsbedarf sei das nicht alles – aber das Signal zähle.

Mittelfristig will Fiedler auch die Personalkosten ins Visier nehmen. Sie liegen in Neunkirchen bei rund 30 Prozent des Gesamtbudgets – einer der höchsten Werte in Niederösterreich. Schon zwei bis zweieinhalb Prozent Reduktion würden weitere 100.000 Euro pro Jahr bringen.

„Lächerliche 50 Euro“ für Wohlfühl- und Demenz-Cafés

Ein Beispiel aus der Oktober-Sitzung ärgert Fiedler besonders. Während sich Mandatare über die mögliche 130.000-Euro-Einsparung bei eigenen Bezügen lustig gemacht hätten, sei zeitgleich die Unterstützung für die örtlichen Wohlfühl- und Demenz-Cafés gestrichen worden.

Fiedler nennt einen Subventionsbetrag von 50 Euro, um den gestritten worden sei. Für ihn ein Sinnbild verfehlter Prioritäten.

„Was haben Sie die letzten 16 Jahre gemacht?“

Dass die ÖVP nun mit „Neuanfang“ plakatiere, hält Fiedler für leere PR. Seit 16 Jahren stelle die Volkspartei den Bürgermeister in Neunkirchen.

Den Schaden hätten die Bürger zu tragen. Höhere Spritpreise durch die Bundesregierung – für Fiedler „die schlechteste, teuerste und größte Regierung, die es je gegeben hat“. Dazu kämen höhere Gebühren in der Stadt.

Auf die Bürgermeister-Frage antwortet Fiedler ausweichend. Es gehe der FPÖ nicht um Posten, sondern um einen Systemwechsel.

Eine Koalitionspräferenz will er keine nennen. Es wäre vermessen, vor dem Urnengang Pakte zu schmieden. Sein FPÖ-Team umfasst 31 Personen – jung und alt, Frauen und Männer, mit und ohne Migrationshintergrund. Auch je ein ehemaliges ÖVP- und SPÖ-Mitglied sind dabei.

Moschee-Gerücht: „Dirty Campaigning“

Zu Berichten, der SPÖ-Kandidat plane in Neunkirchen den Bau einer Moschee, bleibt Fiedler kühl. Der SPÖ-Kandidat hatte das bestritten.

Für Fiedler ist das Vorwahlkampf-Geplänkel. Sein eigener Wahlkampf sei korrekt und geradlinig. In der Sache hart, aber nie unter der Gürtellinie.

Am Sonntag entscheiden die Wähler in Neunkirchen über die Kräfteverhältnisse im Gemeinderat – und damit auch darüber, ob Helmut Fiedler dem Bürgermeisteramt einen entscheidenden Schritt näherkommt.