Nora Bussigny schleuste sich für ihre Recherche ein Jahr lang in pro-palästinensische Gruppen ein. Getarnt als Aktivistin nahm sie an Treffen teil, hörte zu, zeichnete auf und sammelte Material. Sie recherchierte nicht nur in Frankreich, sondern auch auf Universitätscampus in Brüssel und in den USA. Ihre Beobachtungen aus dem innersten Kreis der Szene veröffentlichte sie 2025 in ihrem Buch „Les Nouveaux Antisémites“ („Die neuen Antisemiten“).
In einem viral verbreiteten Clip formuliert die französisch-marokkanische Journalistin den Kern ihrer Sicht auf das Milieu: „Ich bin keine Jüdin, ich war noch nie in Israel, aber ich habe mich sehr intensiv mit dem Islamismus beschäftigt. Der Islamismus ist untrennbar mit dem Antisemitismus verbunden.“
„Die palästinensische Sache ist ein trojanisches Pferd“
Für viel Aufmerksamkeit sorgt auch dieser Satz: „Ich habe festgestellt, dass die palästinensische Sache nichts anderes ist als ein trojanisches Pferd, ein echtes trojanisches Pferd, das dazu dient, islamistische Ideen unter dem Vorwand der Unterstützung Palästinas in die Gesellschaft einzuschleusen.“
Bussigny beschreibt eine Bewegung, in der der palästinensische Aufhänger als Vehikel dient – für etwas viel Größeres und viel Gefährlicheres.

Wikipedia, Unis, Aktivisten – und Terroristen
Die Journalistin beschreibt auch konkret die Methoden. „Ich habe an Schulungen teilgenommen, in denen uns beigebracht wurde, wie man Wikipedia-Seiten manipuliert“, sagt sie. Es sei darum gegangen, Begriffe zu verändern, Narrative zu verschieben, Sprache politisch aufzuladen.
Dazu komme ein ganzes Netz aus Aktivisten, Professoren, studentischen Gruppen und extremistischen Akteuren. Bussigny sagt wörtlich: „Mir ist aufgefallen, welche Verbindungen zwischen Professoren, studentischen Gruppen und Terroristen bestehen.“
Der Kampf finde längst nicht mehr nur auf der Straße statt. Er werde auch in Seminarräumen, Telegram-Gruppen und digitalen Lexika geführt.

Direkte Kontakte zur PFLP
Wie weit die Szene reicht, zeigt ein Beispiel aus ihrer Recherche bei den „Students for Justice in Palestine“ (SJP, deutsch: „Studenten für Gerechtigkeit in Palästina“), einem vor allem auf US-Universitätscampus aktiven Netzwerk pro-palästinensischer Hochschulgruppen. Laut Bussigny ermöglichte SJP Studenten sogar einen Videoanruf mit einem Terroristen der PFLP aus Gaza.
Die PFLP („Volksfront zur Befreiung Palästinas“) ist eine marxistisch-leninistische palästinensische Organisation, die weltweit – auch in der EU – als Terrororganisation eingestuft wird. Der Terrorist habe die Studenten anschließend „überschwänglich für ihren Aktivismus beglückwünscht“.
Hamas-Parolen statt „Frieden“
Besonders aufschlussreich ist vielleicht, was Bussigny in all diesen Gruppen gerade nicht gehört hat. „Bei allen Demonstrationen und in allen Dialoggruppen, an denen ich teilgenommen habe, habe ich nie das Wort ,Frieden‘ gehört. Nie.“
Stattdessen habe sie nur radikale Parolen erlebt, wie man sie von der Terrorgruppe Hamas kennt. „Es gab nur Aufrufe zur ,Überflutung der Al-Aqsa‘.“
So nannte die Hamas ihr koordiniertes Massaker vom 7. Oktober 2023. Der Name bezog sich auf die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem und sollte den Angriff als Antwort auf angebliche „Entweihungen“ und vermeintliche „Verbrechen der Besatzung“ rechtfertigen.

„Widerstand“ heißt Hamas, Hisbollah, Dschihad
Bussigny beschreibt auch, wie der Begriff „Widerstand“ in diesen Milieus aufgeladen wird. „Sie wollen die Botschaft ,Freies Palästina‘ in eine Botschaft der Unterstützung für den Widerstand umwandeln. Und dieser sogenannte Widerstand besteht aus Hamas, Hisbollah, PFLP, Islamischem Dschihad, den Huthi-Rebellen und anderen.“
Der Ruf „Free Palestine“ wird zur Chiffre für Solidarität mit bewaffneten, islamistischen und terroristischen Akteuren. Die Journalistin mit marokkanischen Wurzeln zieht daraus selbst den Schluss: „In diesem Umfeld verschwimmt die Grenze zwischen politischer Kritik und Antisemitismus immer mehr.“
Nach dem Buch kamen die Drohungen
Bussigny wusste offenbar, worauf sie sich einließ. „Überdies bestand immer das Risiko, Todesdrohungen zu erhalten, sobald das Buch veröffentlicht würde“, sagt sie. „Genau das ist dann auch passiert.“
In der Zwischenzeit steht sie bei öffentlichen Auftritten unter Polizeischutz, berichtet sie. Es gebe „viele Drohungen, viele Beleidigungen“, die Lage sei „sehr schwierig“ geworden.

Nicht Mitleid ist das Problem – sondern sein Missbrauch
Schon im November hat Nora Bussigny in einem ausführlichen Interview auf Sud Radio präzisiert: „Ich will zeigen, wie das legitime Mitgefühl für palästinensische Zivilisten instrumentalisiert wird von ultra-radikalen Aktivisten, die mit dem Islamismus verbunden sind.“
Reales, menschlich nachvollziehbares Mitgefühl wird somit von ideologischen Kadern gekapert und benützt.
Der 7. Oktober war für sie der Wendepunkt
Im Sud-Radio-Gespräch erklärt Bussigny, warum sie undercover ging. Nach dem 7. Oktober habe sie erlebt, wie Aktivisten aus feministischen und LGBT-Milieus die Gewalt relativierten oder sogar bejubelten. Es gab Zustimmung für Vergewaltigungen, Morde und Folter.
Versuche, mit diesen Leuten offen zu sprechen, seien gescheitert. „Man hat mir jede Gegenrede verweigert“, sagt sie.
Das „Genozid“-Wort als politische Waffe
Besonders scharf geht sie mit dem Sprachgebrauch der Szene ins Gericht. „Sie sagen: ,Ich habe doch nur einen Genozid angeprangert‘.“ Der Begriff werde losgelöst von juristischen Feststellungen politisch benutzt und missbraucht.
Mit maximal aufgeladenen Begriffen soll die Wirklichkeit nicht beschrieben, sondern beherrscht werden.
Geeint in Wut und Feindbildern
Ein weiteres starkes Zitat aus dem Sud-Radio-Interview lautet: „Das ist keine Konvergenz der Kämpfe, sondern eine Konvergenz der Wut.“
Was sich nach außen gern als edle Allianz progressiver Anliegen gibt, erscheint bei Bussigny als Sammelbecken der Ressentiments: antikapitalistisch, antistaatlich, identitätspolitisch, antiwestlich, antiisraelisch – zusammengehalten nicht durch ein positives Programm, sondern durch Feindbilder.

„7. Oktober in Frankreich“
Richtig explosiv wird es an einer Stelle. Bussigny berichtet: „Es war völlig üblich, zu einem ,7. Oktober in Frankreich‘ aufzurufen.“ Spätestens hier ist klar: Das ist kein bloßer Nahost-Aktivismus. Das ist eine Kampfansage.
Im selben Interview zitiert Bussigny eine weitere Aussage aus dem Milieu: „Die Revolution wird mit oder ohne Wahlurnen stattfinden.“ Die Verachtung der Demokratie sei offenkundig gewesen. Der Staat, die Wahlen, die liberale Ordnung – all das erscheint hier nicht als Rahmen legitimer Politik, sondern als Hindernis.

Antisemitismus als Vorbote des Zerfalls
Auf Sud Radio fällt noch ein Satz: „Antisemitismus ist der Beginn eines kommenden Chaos.“ Für Bussigny ist Judenhass nicht nur Hass auf Juden. Er ist ein Symptom. Ein Zeichen dafür, dass eine Gesellschaft moralisch und politisch zu zerfallen beginnt.
Der 7. Oktober sei ein Wendepunkt. Seitdem sei „in Frankreich und in der Welt etwas aufgerissen“. Antisemitismus sei immer dann besonders stark, „wenn eine Gesellschaft auseinanderfällt“.
Gewalt ist kein Betriebsunfall
Im Februar 2026 präzisiert Bussigny ihre Analyse in einem Interview mit Le Figaro noch einmal – und dort wird endgültig deutlich, dass es in ihrer Sicht nicht nur um Israel geht.
Im Le-Figaro-Gespräch beschreibt sie ultra-linke Gruppen als Milieus mit einem „manichäischen“ Weltbild. Die Welt ist in Gut und Böse geteilt. Sie selbst stehen selbstverständlich auf der Seite des Guten. Und genau daraus folgt Gewalt.
Sie schildert, dass diese Akteure überzeugt seien, Polizei und Justiz täten ihre Arbeit nicht oder stünden auf der falschen Seite. Die Folge sei Selbstermächtigung: Man greift selbst ein, man schafft „Gerechtigkeit“ auf eigene Faust. Aus Aktivismus wird Milizdenken.

Wer als „Faschist“ markiert wird, ist Freiwild
Bussigny beschreibt in einem TV-Interview mit Le Figaro, wie dieses Denken praktisch funktioniert. Man erklärt einen Studenten, einen Gegner, einen politischen Widersacher zum „Faschisten“ – ob sicher belegt oder nicht – und daraus entsteht in der Logik der Gruppe die Legitimation zum Angriff.
Sie sagt offen, die Gewalt sei kein Ausrutscher, sondern Wesensbestandteil. Die Aktionen seien „fast immer gewalttätig“. Es ist eine Mechanik aus moralischer Totalisierung, Entmenschlichung des Gegners und körperlicher Eskalation.
„Diese Gewalt der Worte ist heute auf der Straße angekommen“
Schließlich fällt der Satz: „Diese Gewalt der Worte ist heute auf der Straße angekommen.“
Wer ständig mit Begriffen wie „Genozid“, „Faschismus“ oder „Al-Aqsa-Flut“ operiert, baut eine moralische Bühne, auf der Gewalt als gerechtfertigt erscheint.
Wachsendes Netzwerk mit Nähe zur Muslimbruderschaft
Im Le-Figaro-Interview verweist Bussigny auf Netzwerke in Lyon, Straßburg und Avignon. Es geht um eine sich ausbreitende militante Kultur.
Ultra-linke Milieus und islamistische Strukturen hätten einen gemeinsamen Nenner: die Ablehnung des liberalen Staates und seiner Institutionen. Genau deshalb gebe es so viele Überschneidungen mit Milieus aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft. Die Allianz erscheint in dieser Logik folgerichtig: Der gemeinsame Feind ist die westliche Ordnung selbst.

Nicht pro-palästinensisch, sondern antiwestlich
Bussigny zeichnet Milieus, in denen Terror relativiert, Hamas offen bevorzugt, Demokratie verachtet, Sprache militarisiert, Studenten radikalisiert und staatliche Institutionen delegitimiert werden. Israel ist in diesem Bild das erste Ziel. Aber nicht das letzte.
Bussigny verteidigt ihre Undercover-Recherche: „Die verdeckte Methode ist der einzige Weg, um unwiderlegbare Beweise zu sammeln.“ Ihr Gesamturteil: „Das ist kein pro-palästinensischer Diskurs. Das ist ein anti-israelischer Diskurs.“ Doch letztlich richtet sich diese Ideologie nicht nur gegen Israel – sondern gegen die Grundlagen der eigenen Gesellschaft.

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