Besonders deutlich wurde exxpress-Herausgeberin Eva Schütz. Als einzige Bewerberin stellte sie die Ausgewogenheit der ORF-Berichterstattung offen infrage. Während ihre Konkurrenten den Sender grundsätzlich als fair und ausgewogen bezeichneten, schlug Schütz einen kritischeren Ton an und machte mehr Objektivität zu einem ihrer Kernthemen.

Schütz fordert „Stringenz in der Gehaltspyramide“

Auch bei den ORF-Gehältern kündigte sie einen Kurswechsel an. Schütz forderte mehr Ordnung in der Einkommensstruktur und erklärte: „Es könne nicht sein, dass jemand mehr verdient als der Generaldirektor.“ Sie will „Stringenz in die Gehaltspyramide bringen“ und damit eines der heikelsten Themen im ORF neu aufrollen.

Eklat während Diskussion

Für einen Eklat sorgte auch der Schlagabtausch zwischen APA-Chef Clemens Pig und Medienmanager Johannes Larcher. Larcher bezeichnete Pig als „Systemkandidaten“, weil dieser politisch Unterstützung erhalten habe. Pig reagierte scharf und sprach von einer „bodenlosen Frechheit“. Er sei „sein ganzes Leben politisch unabhängig gewesen“.

Radikaler Transparenzkurs gefordert

Larcher wiederum kündigte einen radikalen Transparenzkurs an. Jede politische Einflussnahme auf den ORF solle künftig öffentlich dokumentiert werden. Sein Vorschlag: ein Transparenzregister, in dem jede Intervention offengelegt wird.

Glaubwürdigkeit „wichtigstes Gut des ORF“

ORF

-Magazinchefin Lisa Totzauer stellte die Glaubwürdigkeit des Senders in den Mittelpunkt. Diese sei das „wichtigste Gut des

ORF

“. Besonders deutlich wurde sie bei möglichen Verfehlungen im Unternehmen: Wer der Glaubwürdigkeit schade, habe „ausgedient“. Totzauer verriet sogar, dass unter ihrer Führung bereits „mehrere Köpfe gerollt“ seien.

Breitenecker will „unternehmerische Vision“ ins Rennen werfen

Markus Breitenecker, ehemaliger Chef von Puls4, will den ORF aus der „Teufelsspirale der schlechten Stimmung“ führen. Sparen allein reiche nicht aus, stattdessen brauche es eine „unternehmerische Vision“ und neue Einnahmequellen.

Sparen, sparen, sparen

Kathrin Zierhut-Kunz wiederum räumte bei der Debatte überraschend ein, dass es ihrer Ansicht nach nicht zwei hoch bezahlte Geschäftsführer bei ORF III brauche. Auf die Frage antwortete sie knapp: „Nein.“ APA-Chef Pig kündigte an, die journalistische Qualität „wie ein Bollwerk“ schützen zu wollen. Gleichzeitig sieht auch er „deutliches Sparpotenzial“ im Verwaltungsapparat.

Kampf mit offenem Visier - bis 11. Juni

Der große ORF-Machtkampf geht damit in die entscheidende Phase. Am 11. Juni fällt die Entscheidung, wer künftig den Küniglberg regieren wird. Bis dahin liefern sich die Kandidaten einen offenen Kampf um Glaubwürdigkeit, Einfluss – und die Zukunft des Österreichischen Rundfunks.