Es geht um Geld, Einfluss – und um eine heikle Frage: Wurde eine der bekanntesten US-Universitäten zum Sprachrohr Katars in Washington?

Die Georgetown University erhielt laut einem Bericht des Washington Free Beacon 630.000 Dollar vom Außenministerium Katars. Das Geld ging an die Bridge Initiative, ein an Georgetown angesiedeltes Forschungsprojekt zum Thema Islamophobie.

Die Initiative beschreibt sich selbst als mehrjähriges Projekt, das Forschung, Kommentare und Bildungsressourcen über Islamophobie bereitstellt. Ihre Arbeit wird öffentlich verbreitet – über Berichte, Newsletter, Medienbeiträge und Veranstaltungen.

Brisant ist nun eine Vertragsklausel: Georgetown sollte bei der Planung von Veranstaltungen zu Islamophobie eine katarisch unterstützte Gruppe konsultieren – auch bei Themen und Rednern.

Drei Tranchen zu je 210.000 Dollar

Laut den veröffentlichten Dokumenten sah der Vertrag drei Zahlungen von je 210.000 Dollar zwischen 2024 und 2026 vor. Insgesamt also 630.000 Dollar.

Im Gegenzug sollte die Bridge Initiative internationale Konferenzen zur „Globalisierung der Islamophobie“ und ähnlichen Themen organisieren. Dabei sollte Georgetown die „Islam and Muslims Initiative“ konsultieren, eine vom katarischen Außenministerium unterstützte Gruppe.

Besonders heikel: Die Empfehlungen sollten sich auf Sitzungen, Themen und Redner beziehen.

Auffällig ist auch die Aufteilung der Summe. Die 630.000 Dollar sollten nicht in einer Zahlung fließen, sondern in drei Tranchen zu je 210.000 Dollar. Das ist deshalb brisant, weil US-Universitäten ausländische Zuwendungen ab bestimmten Schwellen offenlegen müssen. Ein Nachweis, dass die Zahlungen bewusst so gestückelt wurden, um Meldepflichten zu umgehen, liegt bisher nicht vor.

Noch heikler: Die Veranstaltungen sollten nicht irgendwo stattfinden – sondern in Washington, D.C., dem politischen Machtzentrum der USA.

Jetzt soll das Justizministerium prüfen

Nach der Enthüllung fordert nun das Louis D. Brandeis Center for Human Rights Under Law das US-Justizministerium auf, den Fall zu untersuchen.

Der Vorwurf: Georgetown könnte gegen den Foreign Agents Registration Act – kurz FARA – verstoßen haben.

Dieses Gesetz verbietet ausländische Einflussarbeit nicht. Es verlangt aber Transparenz. Wer in den USA im Auftrag oder im Interesse eines ausländischen Staates politische Öffentlichkeitsarbeit, PR, Lobbying oder Informationsarbeit betreibt, muss sich beim Justizministerium registrieren.

Genau darum dreht sich nun der Fall Georgetown: War es bloß akademische Forschung? Oder organisierte die Universität mit Katar-Geld politische Veranstaltungen, bei denen Katar über Themen und Redner mitreden durfte?

„Kreatur der Regierung Katars“

Das jüdische Brandeis Center, eine auf Antisemitismusfälle spezialisierte Rechtsorganisation, fordert nun eine Prüfung durch das US-Justizministerium. Es formuliert den Vorwurf scharf. Georgetown sei kein neutraler Informationsvermittler, sondern faktisch ein verlängerter Arm der Regierung Katars, der deren Sichtweise verbreite.

Das ist bislang die Darstellung des Brandeis Center – keine Feststellung des Justizministeriums.

Die Organisation argumentiert: Wenn ein ausländischer Staat Geld zahlt, wenn Veranstaltungen in Washington stattfinden und wenn eine katarisch unterstützte Gruppe bei Themen und Rednern konsultiert werden muss, dann könne das FARA-pflichtige Einflussarbeit sein.

Eine behördliche Feststellung gibt es bisher nicht. Das Justizministerium muss erst entscheiden, ob es den Fall prüft.

Umstrittene Namen im Umfeld

Der Washington Free Beacon verweist zudem auf mehrere umstrittene Personen, die von der Bridge Initiative beworben oder verteidigt worden seien und auch bei der katarisch unterstützten „Islam and Muslims Initiative“ vorkamen.

Genannt werden unter anderem der islamische Prediger Omar Suleiman, der Brooklyn-Imam Siraj Wahhaj und die Islamwissenschaftlerin Dalia Mogahed.

Suleiman soll zu einer „Intifada“ gegen Israel aufgerufen haben. Außerdem kritisierte der Free Beacon frühere Aussagen Suleimans über Homosexualität. Die Bridge Initiative bewarb ihn dennoch in ihrem Newsletter und bezeichnete ihn als „renommierten islamischen Gelehrten“.

Wahhaj wurde im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das World Trade Center 1993 als nicht angeklagter Mitverschwörer genannt. Mogahed schrieb nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober in einem später gelöschten X-Beitrag über ein palästinensisches „Recht auf Widerstand“.

Mogahed schrieb nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober in einem später gelöschten X-Beitrag über ein palästinensisches „Recht auf Widerstand“.

Der Free Beacon wertet das als Nähe zu antiisraelischen und terrorverharmlosenden Milieus.

1,1 Milliarden Dollar aus Katar

Der Fall steht nicht allein.

Katar gehört seit Jahren zu den größten ausländischen Geldgebern amerikanischer Universitäten. Georgetown betreibt selbst einen Campus in Doha. Nach Angaben des studentischen Mediums The Hoya erhielt Georgetown zwischen 1992 und 2025 fast 1,5 Milliarden Dollar an ausländischen Verträgen und Geschenken. Rund 1,1 Milliarden Dollar davon sollen aus Katar gekommen sein.

Auch andere Elite-Unis haben enge Beziehungen in den Golfstaat. Kritiker warnen schon länger: Autoritäre Staaten könnten über Geld, Campus-Ableger, Forschungsprojekte und Stiftungen Einfluss auf westliche Debatten nehmen – besonders bei Themen wie Nahost, Islamismus, Israel, Antisemitismus und Menschenrechte.

Georgetown und Bridge Initiative schweigen

Der Georgetown-Fall liefert nun ein konkretes Dokument: einen Vertrag samt Summe und Konsultationsklausel. Juristisch ist die Sache allerdings noch nicht entschieden. Laut der Georgetown Voice enthält der Vertrag auch Passagen, wonach Georgetown eigenes Ermessen bei Veranstaltungen behalten sollte. Außerdem soll das katarische Ministerium Forschung, Lehre und akademische Freiheit nicht steuern dürfen. Georgetown und die Bridge Initiative reagierten laut Free Beacon nicht auf Anfragen.

Doch der Verdacht steht im Raum: War das harmlose akademische Kooperation – oder ein Einflusskanal Katars mitten in Washington? Genau diese Frage soll nun nach dem Willen des Brandeis Center das US-Justizministerium prüfen.