Nach Jahren interner Konflikte und Machtkämpfe um Mandate und Posten arbeiten Vertreter der rechten Bauernorganisationen FPÖ und UBV offenbar an einer gemeinsamen Wahlplattform für die Landwirtschaftskammerwahl 2027 in Oberösterreich. Erklärtes Ziel ist es, die bislang zersplitterten Kräfte unter einem Dach zu vereinen und damit den Bauernbund zu schwächen. Die Ausgangslage für dieses Projekt könnte allerdings besser sein, denn die Kräfteverhältnisse in der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich sind eindeutig: Der Bauernbund dominiert mit 24 von 35 Mandaten. Von den verbleibenden elf Mandaten entfallen sieben auf den UBV, jeweils ein Mandat auf SPÖ und FPÖ. Selbst die Grünen Bauern verfügen mit zwei Mandaten über mehr Sitze als die FPÖ.

Gespräche laufen auf Hochtouren

Dennoch gilt die Stimmung innerhalb dieser kleinen, rechten Bauernszene derzeit als euphorisch. Während in den vergangenen Jahren häufig getrennte Wege bevorzugt und interne Rivalitäten offen ausgetragen wurden, scheint nun, wie die rechten Bauerndemonstrationen der vergangenen Zeit gezeigt haben, die Erkenntnis gereift zu sein, dass ein gemeinsamer Auftritt größere Erfolgschancen gegen den Bauernbund bieten könnte. Hinter den Kulissen laufen laut politischen Beobachtern bereits Gespräche über Personalfragen, Strukturen, Finanzierung und eine mögliche gemeinsame Kandidatur. Ganz neu wäre eine solche Zusammenarbeit nicht. Bereits in der Vergangenheit traten die rechten Bauernorganisationen FPÖ und UBV bei Landwirtschaftskammerwahlen gemeinsam auf. So kam es etwa bei der Landwirtschaftskammerwahl in Niederösterreich im Jahr 2015 zu entsprechenden Bündnissen. Auch in anderen Bundesländern gab es immer wieder gemeinsame Kandidaturen. Den erhofften Durchbruch brachten diese jedoch nicht. Ebenso wenig neu für langjährige Beobachter der Agrarszene ist die Rolle sogenannter „bäuerlicher Einkaufsgemeinschaften“ als Sammelbecken freiheitlicher Bauern. So unterstützt etwa die „Agrargemeinschaft Österreich“ (AGÖ) offen die Gründung dieser rechten Plattform. Allerdings geschieht dies derzeit etwas schaumgebremst, da die Organisation noch immer mit den Folgen eines internen Skandals beschäftigt ist. Dabei geht es um die Veruntreuung eines sechsstelligen Betrags an Bauerngeldern aus der Vereinskassa. Ein ranghoher ehemaliger AGÖ-Funktionär wurde, wie die Oberösterreichischen Nachrichten erst vor wenigen Tagen berichteten, deshalb verurteilt.

Von der Unabhängigkeit zur politischen Vorfeldorganisation?

Besonders interessant erscheint die parteipolitische Dimension der aktuellen Entwicklungen. Während sich Akteure rund um die jüngsten Bauerndemonstrationen, etwa in Wien und Wieselburg, wiederholt als unabhängige Interessenvertreter der Landwirtschaft präsentierten, zeigt sich nun eine deutlich erkennbare Entwicklung. Die geplante Wahlplattform macht nämlich eines klar: Das tatsächliche parteipolitische Naheverhältnis zur FPÖ wird sichtbar. Aus Sicht der FPÖ ist die Strategie einfach: Bei Landwirtschaftskammerwahlen soll eine gemeinsame Kraft gebildet werden, die zugleich als politisches Sprungbrett für künftige Wahlauseinandersetzungen dienen kann, etwa bei Landtagswahlen in Oberösterreich, Salzburg, Tirol oder Niederösterreich. Ob diese Strategie tatsächlich aufgeht, bleibt jedoch offen. Fest steht, die kommenden Monate dürften entscheidend werden. Gelingt die Einigung, könnte bei der Landwirtschaftskammerwahl 2027 in Oberösterreich erstmals seit Jahren eine geschlossene rechte Bauernplattform antreten. Scheitern die Gespräche hingegen an Personalfragen oder politischen Differenzen, droht eine Fortsetzung der bisherigen Zersplitterung. Für politische Beobachter bleibt dies angesichts der aktuellen Machtverhältnisse allerdings eher ein Sturm im Wasserglas.