Der frühere Bundeskanzler Karl Nehammer hat sich im Podcast des Wiener Wochenmagazins Falter bei Chefredakteur Florian Klenk ausführlich zu Wort gemeldet. Das Gespräch spannt den Bogen von internationalen Krisen bis zur österreichischen Innenpolitik – und bleibt dabei stark von Nehammers eigener Darstellung geprägt.
Zur globalen Lage sagt Nehammer: „Ich habe immer versucht, das Wort ‚Angst‘ zu vermeiden“, stattdessen spreche er lieber von „Sorge“. Der Krieg in der Ukraine, die Spannungen im Nahen Osten und geopolitische Verschiebungen würden Europa massiv unter Druck setzen. Konkrete politische Konsequenzen bleiben in seinen Ausführungen jedoch eher allgemein.
Auch seine viel diskutierte Reise zu Kreml-Chef Wladimir Putin verteidigt Nehammer erneut. „Ein Konflikt kann nur beendet werden, wenn man miteinander spricht“, sagt er. Gleichzeitig verweist er darauf, dass früh klar gewesen sei, „dass er nicht aufhören werde“. Eine kritischere Einordnung der eigenen Rolle bleibt aus.
Deutlich wird Nehammer bei der Frage einer Zusammenarbeit mit der FPÖ. „Damals hat mir niemand geglaubt, dass ich keine Koalition mit Kickl eingehen würde“, sagt er. Und weiter: „Es ist schade, wenn das Wort eines Politikers nichts mehr gilt. Das war auch der Grund, warum ich die Konsequenzen gezogen habe.“
Zur Kritik, die ÖVP sei kein verlässlicher Garant für die liberale Demokratie, entgegnet er: „Hätte man mir mehr geglaubt, hätte ich die Wahlen gewinnen können.“ Er betont zudem, man müsse als Demokrat Wahlergebnisse akzeptieren und den Regierungsbildungsauftrag des Bundespräsidenten ernst nehmen. Zugleich unterstreicht er seine persönliche Haltung: Es sei ihm wichtig gewesen, „zu seinem Wort zu stehen“.

Zugleich positioniert sich Nehammer auch international klar: Er unterstütze den ungarischen Oppositionspolitiker Péter Magyar – auch vor dem Hintergrund, dass FPÖ-Chef Herbert Kickl den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán unterstütze.
Nehmers Top-Job in der EU
Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) ist seit dem 1. September 2025 als Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) tätig. In dieser Funktion verantwortet er Finanzierungen in den Bereichen Technologie (TechEU), Biowissenschaften, digitale Wirtschaft und Nachhaltigkeit sowie den Wiederaufbau der Ukraine.

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