In der Nacht auf Mittwoch versammelten sich Dutzende Menschen am Grenzübergang von La Línea de la Concepción, um live mitzuerleben, wie Passkontrollen zwischen Spanien und dem britischen Überseegebiet Gibraltar entfallen. Fußgänger und Motorradfahrer überquerten den einstigen Kontrollpunkt erstmals ohne jede Überprüfung, wie ein Video der Nachrichtenagentur AFP zeigt. Vor Ort äußerten sich gegenüber der Nachrichtenagentur auch Anwohner und Beschäftigte zu ihren Erwartungen.
Unter den Befragten war Paul Cutthroat, Zollbeamter in Gibraltar. Er beschrieb die Öffnung als drastische Veränderung. Man sei künftig nicht mehr davon abhängig, ob sich am Übergang eine Warteschlange bilde oder nicht, so Cutthroat. Nach seiner Einschätzung werde der Grenzübertritt sowohl für die Bevölkerung Gibraltars als auch für spanische und weitere europäische Feriengäste einfacher.
Auch aus der Bevölkerung meldeten sich Stimmen zu Wort. Die als Hausfrau vorgestellte Maria Jose Castro erklärte, der Moment bedeute ihr viel, da beide Seiten lange für diesen Schritt eingetreten seien. Sie erklärte, selbst an Demonstrationen und Protestmärschen in England teilgenommen zu haben, die für das Abkommen organisiert worden seien.
Grenzwartezeiten als Standortproblem
Gibraltar habe sich für die umliegenden, von hoher Arbeitslosigkeit betroffenen Regionen Südspaniens als finanzielle Lebensader erwiesen. Gleichzeitig hätten die langen Wartezeiten an der Grenze in der Vergangenheit dazu geführt, dass Unternehmen in Gibraltar Mühe hatten, Personal zu halten.
Rund 15.000 Pendler überqueren täglich die Grenze, um in Gibraltar zu arbeiten – bei rund 40.000 Einwohnern des britischen Überseegebiets.
Souveränitätsstreit bleibt ungelöst
Trotz der Erleichterungen im Alltag bleibt der politische Grundkonflikt zwischen London und Madrid um Gibraltar bestehen. Spanien hat den Anspruch auf das Gebiet nie aufgegeben, seit es 1713 an Großbritannien abgetreten wurde. Bei den Feiern an der Grenze schwenkten zahlreiche Teilnehmer spanische Flaggen – ein Bild, das die anhaltende Symbolkraft des Ortes unterstreicht, auch wenn sich Befragte wie Castro und Cutthroat vor allem auf die praktischen Vorteile der neuen Regelung konzentrierten.

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