Der bisherige APA-Chef gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge des zurückgetretenen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann. Hinter den Kulissen geht es freilich rund, die politische Kritik ist enorm: Der Medienmanager gelte als der Kandidat der ÖVP, die Koalition habe sich bereits auf ihn geeinigt.
Blaue Empörung
Wenig verwunderlich ist, dass nicht nur, aber vor allem aus den Reihen der FPÖ deswegen ordentlich Lärm gemacht wird. Diesbezügliche Wortmeldungen gab es in den letzten Wochen genug. Pig probiert es – während sein 129 Seiten starkes Bewerbungskonzept den Weg an die Öffentlichkeit fand – nun mit einer ruhigen Reaktion auf die jüngsten Attacken: „Ich habe mittlerweile eher den Eindruck, dass das eine gezielte Aktion gegen mich ist, um einen starken Bewerber vorzeitig aus dem Rennen zu nehmen”, schreibt oe24.at.
„Fair, unabhängig und nachvollziehbar“
Zum Inhalt des Konzepts: Gerade die Haushaltsabgabe – von Kritikern regelmäßig als „Zwangsgebühr“ bezeichnet – sorgt seit ihrer Einführung für heftige Diskussionen. Pig scheint dieses Problem erkannt zu haben. In seinem Konzept schreibt er: „Die Bevölkerung akzeptiert den Beitrag zum ORF dann, wenn sie ihn als fair, unabhängig, nützlich und nachvollziehbar erlebt.“ Zwischen den Zeilen schwingt dabei eine deutliche Botschaft mit: Genau das dürften derzeit viele Österreicher vermissen – eine Situation, die sicher am herausforderndsten für jeden der Kandidaten ist.
Transparenz-Offensive gegen Vertrauenskrise
Der Medienmanager setzt deshalb auf eine Transparenz-Offensive. Nicht weniger als 47 Mal verwendet Pig in seinem Konzept das Wort „Transparenz“, 46 Mal spricht er von „Unabhängigkeit“. Für viele Beobachter kein Zufall: Genau diese beiden Themen gelten seit Jahren als größte Baustellen des ORF. Pig fordert einen Sender, der „digital stärker, publizistisch klarer, organisatorisch einfacher und öffentlich überprüfbarer“ wird. Zudem müsse der ORF aus der Wahrnehmung herauskommen, nur für bestimmte gesellschaftliche Milieus zu senden. Sein Anspruch: Der Sender solle „aus der demokratischen Mitte für das ganze Land arbeiten“.
Sparen statt Aufblasen
Auch beim Geld will Pig ansetzen. Angesichts des politischen Spardrucks kündigt er indirekt einen Sparkurs an. Der ORF müsse Prioritäten setzen und sich fragen, was er tatsächlich leisten müsse, statt an allen bisherigen Strukturen festzuhalten. Die zentrale Herausforderung für den möglichen künftigen ORF-Chef dürfte damit klar sein: Wie überzeugt man die Gebührenzahler davon, dass die monatlichen 15,30 Euro gut investiert sind?
Die Vertrauensfrage
Denn solange viele Österreicher die Haushaltsabgabe weiterhin als ungeliebte „Zwangsgebühr“ sehen, bleibt das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine der größten Baustellen des Landes. Das muss allen Kandidaten – und eben auch Pig – bewusst sein.

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