Bis zu 90.000 zusätzliche Touristen erwartet Wien Mitte Mai zur 70. Neuauflage des Eurovision Song Contest. Seit Wochen schmückt sich die Stadt in Blau und Pink – also in den Farben des Events. An der Stadthalle prangt schon jetzt meterhoch das ESC-Motto “United by Music”, schreibt der Spiegel. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) betonte: Der Song Contest werde ein “Fest des Friedens”.

Gefahr durch Drohnen?

Ob es wirklich ein Fest des Friedens wird, das bezweifeln andere. Etwa Wiens Polizeivize Dieter Csefan, der betonte, dass “extremistisch motiverte Akteure am 16. Mai ein wesentlicher Faktor” sein könnten. Das Verteidigungsministerium sprach darüber, dass der ESC eine “attraktive Angriffsfläche” für Drohnen sein könnte. Resultat: 180 neue Überwachungskameras in der Stadthalle.

"Schutz einer Hochrisikoveranstaltung"

Das Bundeskriminalamt, der Staatsschutz, der Nachrichtendienst und auch “internationale Partner hätten sich laut Csefan zusammengetan. Es gehe um den Schutz einer “Hochrisikoveranstaltung”. Der Song Contest des Jahrees 2026 ist zwischen die Fronten multipler globaler Krisen, Kriege und Kulturkämpfe geraten.

Israel im Fokus

Ein anderes Thema, das den ESC belastet, ist Israel und die Frage nach einem Ausschluss des Landes – wegen seiner Kriege in Nahost. Csefan gibt sich neutral, betont aber im Spiegel: “Was, wenn Israel gewinnt, und du dann wieder aus der Halle rausmusst?” So abwegig sei das nicht: Im Mai 2025 in Basel wurde die Israelin Yuval Raphael zweite hinter dem Österreicher JJ. Auch in der Schweiz herrschte seinerzeit kein bisschen Frieden.

ORF will "zeigen, was ist"

Gegenwärtig hätte sich sogar die Hardcore-Fanszene weiter gespalten. Während die einen hinter dem SC stehen, rufen etwa die “Queers for Palestine” seit Monaten zum Boykott auf. Und der ORF? Palästinenserflaggen in der Halle, Buhrufe im Fernsehen “Wir zeigen, was ist”, sagt der Cheforganisator beim ORF, Michael Krön. “Wir sind ein öffentlich-rechtliches Medienhaus, wir können es uns nicht leisten, eine Realität zu erzeugen, die es nicht gibt. Das steht uns nicht zu.”

Herausforderung Russland

Boykotte und Ausschlüsse gab es beim Song Contest seit jeher – vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, im Kalten Krieg. Allerdings werde der ESC seit zwölf Jahren “mehr und mehr politisiert«, sagt der Historiker Dean Vuletic, der ein Buch über die Geschichte des Wettbewerbs verfasste.  2014 begannen dominante geopolitische Konflikte. Im Fokus: Wladimir Putins Russland. Zeigleich gewann mit Tom Neuwirth alias Conchita Wurst erstmals ein bärtiger Drag-Act den Wettbewerb – kurz nachdem Russland “Homosexuellenpropaganda” unter Strafe gestellt und die ukrainische Halbinsel annektierte.

Bühne für geopolitische Konflikte

Der Song Contest wird heuer eine enorme Herausforderung – das soll sicher sein. Wegen möglicher Proteste rund um die Teilnahme von Israel und einem erhöhten Risikopotenzial, von dem die Polizei spricht. Das Event spaltet. Selbst langjährige Hardcore-Fans sind uneins. Der ESC sei heute kaum noch nur Pop und Glitter — er ist zu einer Bühne geworden, auf der sich geopolitische Konflikte, gesellschaftliche Wertefragen und Kulturkämpfe spiegeln.